Erschreckende neue Zahlen: Jeder fünfte Todesfall in Deutschland soll einen Diabetes als Ursache haben

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

19. Oktober 2017

In Deutschland sterben mehr Menschen an einem Diabetes mellitus als bislang vermutet. Rund 21% aller Todesfälle sollen auf einen Diabetes zurückzuführen sein, allein 16% auf einen Typ-2-Diabetes. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste deutschlandweite Berechnung der Übersterblichkeit an Diabetes, die eine Arbeitsgruppe um Esther Jacobs vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf durchgeführt und in Diabetes Care publiziert hat [1]. Die Studie ist vom auf Diabetes spezialisierten Pharma-Unternehmen Novo Nordisk finanziert.

„Die Ergebnisse legen nah, dass die offiziellen deutschen Schätzungen, die auf Informationen auf den Totenscheinen beruhen, deutlich zu niedrig sind“, so das Fazit der Autoren.

Kardiovaskuläre Probleme sind häufige Todesursache

Nach Berechnungen der Diabetes Atlas Group sollen im Jahr 2013 weltweit 5,1 Mio. Sterbefälle und in Europa knapp 620.000 Sterbefälle durch einen Diabetes verursacht worden sein. Diabetes gehört weltweit zu den 10 häufigsten Todesursachen. Die Lebenserwartung von Diabetikern ist um etwa 5 bis 6 Jahre verkürzt. Meist sterben die Patienten an kardiovaskulären Erkrankungen. In den letzten Jahren wurde zwar in einigen Ländern ein Rückgang der durch Diabetes bedingten Mortalität beobachtet, aber das Risiko zu sterben ist immer noch deutlich höher als bei Personen ohne Diabetes.

Leider gibt es in den meisten Ländern keine verlässlichen Daten zur Sterblichkeit aufgrund eines Diabetes. Nur in wenigen Ländern wie Dänemark und Schweden erlauben nationale Diabetesregister für alle Altersgruppen Mortalitätsanalysen. In Deutschland wurde bisher nur auf der Basis von regionalen Studien und kleinen Befragungen eine altersstandardisierte Hazard Ratio für die Diabetessterblichkeit von 1,4 bis 2,6 publiziert. Bislang gab es aber keine Berechnung der durch einen Diabetes verursachten Übersterblichkeit (Exzess-Mortalität).

GKV-Daten erlauben mehr Transparenz

Mit dem Inkrafttreten neuer Transparenzregelungen im Jahr 2012 konnte nun die Arbeitsgruppe um Jacobs mit Hilfe der Daten von GKV-Versicherten die Übersterblichkeit errechnen, die durch Diabetes und speziell Typ-2-Diabetes verursacht wird. Mit „Exzess-Mortalität“ wird die Zahl der Todesfälle beschrieben, die vermieden worden wären, wenn die Sterblichkeit von Diabetikern so hoch wie die der Normalbevölkerung wäre.

 
Die Ergebnisse legen nah, dass die offiziellen deutschen Schätzungen, die auf Informationen auf den Totenscheinen beruhen, deutlich zu niedrig sind. Esther Jacobs und Kollgen
 

Für die Berechnung wurden die Daten von 64,9 Mio. GKV-Versicherten im Jahr 2010 zugrunde gelegt. Weil deutschlandweite Daten zur Diabetessterblichkeit fehlen, wurden die Mortalitätsdaten aus dem nationalen dänischen Diabetesregister verwendet.

Im Jahr 2010 starben demnach insgesamt 174.627 Personen zusätzlich aufgrund eines Diabetes mellitus, davon waren 137.950 an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Damit seien 21% aller Todesfälle in Deutschland auf einen Diabetes zurückzuführen, 16% auf einen Typ-2-Diabetes, folgern die Autoren.

Die Diabetes-bedingte Sterblichkeit nahm mit dem Alter zu und sie war immer höher als die Mortalität der Normalbevölkerung ohne Diabetes. Die meisten zusätzlichen Todesfälle traten mit jeweils 34% bei Patienten im Alter zwischen 70 und 79 und zwischen 80 und 89 Jahren auf. Ab dem Alter von 40 Jahren nahmen die Diabetes-bedingten Todesfälle vor allem bei Männern zu, Bei Frauen stieg das Sterberisiko entsprechend, aber erst 10 Jahre später.

Die Internationale Diabetes Federation (IDF) hatte für das Jahr 2010 errechnet, dass in Europa 11% aller Todesfälle durch einen Diabetes mellitus verursacht waren. Jacobs und Kollegen vermuten, dass der Unterschied zu ihren Ergebnissen durch unterschiedliche Datenquellen und Berechnungen verursacht ist. Die Berechnung der Diabetessterblichkeit ist auch insofern eine Herausforderung, als die meisten Patienten aufgrund von Komplikationen der Stoffwechselerkrankung sterben, wie kardiovaskulären Erkrankungen oder Nierenversagen. Häufig werden diese dann als Todesursache vermerkt.

Eine weitere Schlussfolgerung der Autoren ist, dass die Berechnungsmethode auch in anderen Ländern ohne Diabetesregister eingesetzt werden kann, um national die Übersterblichkeit an Diabetes festzustellen.



REFERENZEN:

1. Jacobs E, et al: Dabetes Care (online) 9. Oktober 2017

Kommentar

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