Beruhigendes zu Hormonen gegen Wechseljahres-Beschwerden: Nach 18 Jahren in den WHI-Studien kein erhöhtes Sterberisiko

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

27. September 2017

Frauen, die in den Wechseljahren Hormone einnehmen, haben dadurch kein erhöhtes Sterberisiko. Dies zeigt die 18-jährige Nachbeobachtung der beiden Hormontherapie-Studien der Women’s Health Initiative (WHI), in denen die Hormontherapie als potenzielle Präventionsstrategie erforscht worden war [1].

Prof. Dr. Olaf Ortmann

„Die Nachbeobachtung zeigt, wie auch schon andere Auswertungen zuvor, dass die Hormontherapie nicht als generelle Präventionsstrategie zu empfehlen ist“, kommentiert Prof. Dr. Olaf Ortmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik Regensburg und Koordinator der S3-Leitlinie zur Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). „Sie liefert aber dennoch eine positive Nachricht für Frauen, die zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden Hormone anwenden, denn hier war die Verunsicherung in den letzten Jahren zum Teil hoch, auch bei den indikationsstellenden Ärzten.“

WHI: Hormontherapie zur Prävention

Die beiden Hormontherapiestudien der WHI waren aufgelegt worden, da Beobachtungsstudien Hinweise auf einen möglichen protektiven Effekt einer menopausalen Hormontherapie geliefert hatten.

In einer der WHI-Studien erhielten 16.608 Teilnehmerinnen über median 5,6 Jahre entweder eine kombinierte Hormontherapie aus Östrogen (konjugierte equine Östrogene [CEE], 0,625 mg/Tag) und Gestagen (Medroxyprogesteronacetat [MPA], 2,5 mg/Tag) oder ein Placebo. In der anderen Studie bestand die Hormontherapie aus CEE alleine, verglichen wurde ebenfalls gegen Placebo. Median wurden hier die 10.739 Teilnehmerinnen 7,2 Jahre behandelt. Das Altersspektrum der Teilnehmerinnen beider Studien war weit gefasst und reichte von 50 bis 79 Jahren.

Inakzeptable Komplikationen führen zum Abbruch

„Die Studien wurden vorzeitig abgebrochen, weil die Brustkrebsrate inakzeptabel hoch war und der Nutzen, den man sich hinsichtlich KHK erhofft hatte, nicht eintrat“, berichtet Ortmann, selbst Leitlinienkoordinator der S3-Leitlinie „Hormontherapie (HAT) in der Peri- und Postmenopause“.

Die Nachbeobachtung zeigt, wie auch schon andere Auswertungen zuvor, dass die Hormontherapie nicht als generelle Präventionsstrategie zu empfehlen ist. Prof. Dr. Olaf Ortmann

„Unter den 27.347 randomisierten Frauen kam es während der kumulativen 18-jährigen Nachbeobachtung zu insgesamt 7.489 Todesfällen – 1.088 in der Interventionsphase und 6.401 in der Zeit danach“, berichten nun Erstautorin Dr. JoAnn E. Manson von der Division of Preventive Medicine am Brigham and Women’s Hospital in Boston und ihre Kollegen. In der Hormontherapie-Gruppe (gepoolt aus beiden Studien) betrug die Gesamtmortalität 27,1%, in der Placebo-Gruppe waren es 27,6%. Ähnlich fiel das Ergebnis aus, wenn die beiden Hormontherapien für sich genommen ausgewertet wurden. Auch hier gab es hinsichtlich der Gesamtmortalität keinen signifikanten Unterschied zur Placebo-Gruppe.

Auch die kardiovaskuläre (8,9 vs. 9,0%) und krebsspezifische (8,2 vs. 8,0%) Mortalität unterschieden sich nicht signifikant zwischen Hormontherapie und Placebo – weder in der gepoolten Analyse beider Studien, noch in getrennten Auswertungen.

Brustkrebsmortalität bei Kombination und Monotherapie unterschiedlich

Einen Unterschied fanden die Autoren jedoch bei der Brustkrebsmortalität – allerdings nicht zwischen Hormontherapie und Placebo, sondern zwischen den beiden Hormontherapien. Die Brustkrebssterblichkeit war bei kombinierter Hormontherapie – nicht signifikant – erhöht (HR 1,44; p = 0,07). Bei Östrogen-Monotherapie war sie dagegen reduziert (HR 0,55; p = 0,02).

Ein Grund auf die Gestagen-Gabe zu verzichten, ist dies in der Praxis nicht, wie Ortmann klarstellt: „Eine Östrogen-Monotherapie kommt nur bei Frauen in Frage, die keine Gebärmutter mehr haben“, so der Gynäkologe. „Die Mehrzahl der Frauen erhält zusätzlich zum Östrogen ein Gestagen um die Gebärmutterschleimhaut vor einer alleinigen Östrogenexposition, die zu einem Endometriumkarzinom führen kann, zu schützen. Das Risiko für ein Endometriumkarzinom ist um ein Vielfaches höher als für die Entstehung von Brustkrebs.“

Die Studien wurden vorzeitig abgebrochen, weil die Brustkrebsrate inakzeptabel hoch war und der Nutzen, den man sich zur KHK erhofft hatte, nicht eintrat. Prof. Dr. Olaf Ortmann

Profitieren jüngere Frauen doch hinsichtlich des KHK-Risikos?

Muss die Hoffnung, dass eine Hormontherapie nicht nur zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden dienen kann, sondern auch zur Prävention von Krankheiten, nun endgültig begraben werden? Im Grunde schon. „Offen ist jetzt lediglich noch die Frage, ob durch eine Hormontherapie bei Frauen, die in der Perimenopause bzw. zwischen dem 50. und 59. Lebensjahr mit einer Hormontherapie beginnen, möglicherweise doch das KHK-Risiko gesenkt werden könnte“, erklärt Ortmann.

Denn: Die aktuelle Publikation zeigt zwar kein entsprechendes Signal bei der kardiovaskulären Mortalität, doch „die Analyse basiert auf nur wenigen Fällen und ist daher unzuverlässig“. In der WHI-Publikation von 2013 sei – ebenso wie bei einer Reihe von Beobachtungsstudien – eine Reduktion der KHK-Rate in der Subgruppe der Frauen, die in diesem jüngeren Alter mit einer Hormontherapie begannen, zu beobachten gewesen.

Zuverlässig und beruhigend: Keine erhöhte Gesamtmortalität

„Wirklich zuverlässig sind die Daten der aktuellen Auswertung der WHI-Studien nur für die Gesamtmortalität. Doch gerade das ist eine wichtige Aussage bezüglich der Sicherheit dieser Therapie und für die Aufklärung der Patientinnen“, betont Ortmann.

Die Daten bestätigen, (…) dass es langfristig nicht zu einem Anstieg der Gesamt- sowie ursachenspezifischen Mortalität kommt. Prof. Dr. Melissa McNeil

„Die Patientinnen, die unter Wechseljahres-Symptomen leiden, haben keine guten Alternativen. Ihnen kann man auf Basis der WHI-Daten sagen, dass es keinen Anhalt für eine Steigerung der Gesamtmortalität gibt. Es gibt zwar in einigen Punkten Risiken für die Entstehung von Erkrankungen, aber die Anwenderinnen sterben deswegen nicht häufiger. Wir müssen die Hormontherapie nicht so extrem kritisch betrachten, wie es in der Vergangenheit, insbesondere nach der Erstpublikation der WHI-Studien, gemacht und von den Medien entsprechend berichtet wurde.“

Auch Prof. Dr. Melissa McNeil, Direktorin des Comprehensive Women's Health Program an der University of Pittsburgh, USA, hebt in einem Editorial den beruhigenden Aspekt der Ergebnisse hervor: „Die Daten bestätigen, dass es bei Frauen, die bis zu 5,6 Jahre eine kombinierte Hormontherapie und bis zu 7,2 Jahren eine Östrogen-Monotherapie erhalten, langfristig nicht zu einem Anstieg der Gesamt- sowie ursachenspezifischen Mortalität kommt. Diese Information wird für die Beratung von Frauen, die eine Hormontherapie in Erwägung ziehen, sehr hilfreich sein.“ [2]



REFERENZEN:

1. Manson JE, et al: JAMA 2017;318(10):927-938

2. McNeil M: JAMA 2017;318(10):911-913

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....