Fortgeschrittener Brustkrebs: „Game-Changer“ Ribociclib hat nun die EU-Zulassung für die Firstline

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

31. August 2017

Vor einem Jahr hatte die MONALEESA-2-Studie beim europäischen Krebskongress für Aufsehen gesorgt. „Diese Studie wird die klinische Praxis ändern“, hieß es damals. Als „Game-Changer“ wurde Ribociclib damals bezeichnet. Nun ist es so weit: Die EU-Kommission hat den selektiven Kinase-Inhibitor (Kisqali®, Novartis) für Frauen mit Brustkrebs zur Erstlinientherapie zugelassen. Er kann in Kombination mit einem Aromatase-Hemmer zur Therapie postmenopausaler Frauen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-negativem/Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs eingesetzt werden.

„Wir sind erfreut, die Marktzulassung für Ribociclib in Kombination mit einem Aromatase-Inhibitor erhalten zu haben. Das sind gute Neuigkeiten für viele postmenopausale Frauen mit der verbreitetsten Form des fortgeschrittenen Brustkrebses, denn die Kombinationstherapie verzögert im Vergleich zur Standardtherapie signifikant die Krankheitsprogression“, wird Barak Palatchi, General Manager von Novartis Onkologie in Großbritannien und Irland, in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert [1].

„Die Verfügbarkeit von Therapien wie Ribociclib ist ein signifikanter klinischer Fortschritt für Frauen, die mit dieser Krebsart leben“, sagt auch Dr. Mark Verrill, Onkologe am Freeman Hospital in Newcastle. Ribociclib ist nach Palbociclib (Ibrance®, Pfizer), das Ende vergangenen Jahres zugelassen wurde, der zweite Vertreter der neuen Wirkstoffklasse der CDK4/6-Inhibitoren.

Die EU-Zulassung folgt einer positiven Stellungnahme des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Sowohl die Stellungnahme des CHMP als auch die Zulassung basieren auf den Daten der MONALEESA-2-Studie. Dabei wurde an 223 Zentren in 29 Ländern an 668 postmenopausalen Brustkrebspatientinnen die Kombination Ribociclib plus Letrozol vs Letrozol plus Placebo getestet.

 
Die Verfügbarkeit von Therapien wie Ribociclib ist ein signifikanter klinischer Fortschritt für Frauen, die mit dieser Krebsart leben. Dr. Mark Verrill
 

Die Studie konnte zeigen, dass Ribociclib plus Letrozol das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu Letrozol alleine signifikant verlängert. Ursprünglich sollte die im Dezember 2013 gestartete Studie bis August 2019 laufen. Doch sie erreichte ihren Endpunkt aufgrund der überlegenen Wirksamkeit der Kombinationstherapie vorzeitig: Die mediane progressionsfreie Überlebenszeit verlängerte sich auf 25,3 Monate (95% KI: 23,0-30,3) vs. 16 Monate (95% KI: 13,4-18,2); HR = 0,568 (95% KI: 0,457-0,704; p < 0,0001).

MONALEESA-2 war daher auf Anraten eines unabhängigen Kontroll-Gremiums im Mai 2016 vorzeitig beendet worden. Die Daten zum Gesamtüberleben (die beim Abbruch noch nicht ausgewertet werden konnten) werden laut Novartis auch weiterhin erfasst.

Ribociclib blockiert CDK4 und CDK6 und unterbindet so den CDK-vermittelten Übergang von der G1- in die S-Phase der Zellteilung. Der Zellzyklus wird unterbrochen, die DNA-Synthese unterdrückt und das Tumorwachstum gehemmt. Ribociclib kann in Kombination mit jedem Aromatase-Inhibitor (d.h. Letrozol, Anastrozol oder Exemestan) verschrieben werden und wird 1x täglich oral verabreicht.

Die empfohlene Startdosis liegt bei 600 mg (3 Tabletten à 200 mg) für 3 Wochen. Dann wird mit Ribociclib eine Woche pausiert, der Aromatase-Inhibitor wird dagegen ohne Pause genommen.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Neutropenie, Leukopenie, Kopf- und Rückenschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, Alopezie und Durchfall.

Kommentar

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