STIKO aktualisiert ihre Impf-Empfehlungen: Änderungen für Immungeschwächte, bei Hepatitis, Influenza und Tetanus

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

31. August 2017

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) hat ihre neuen Impfempfehlungen veröffentlicht [1]. Grundsätzlich überarbeitet und erweitert wurde der Abschnitt zur Impfung von Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Geändert haben sich die Empfehlungen zu Hepatitis A und B, zu Influenza und zu Tetanus, und die STIKO empfiehlt die Immunisierung gegen Herpes zoster weiterhin nicht als Standardimpfung.

Neue Empfehlungen für Patienten mit Immundefizienz

„Die Zahl immunsupprimierter Menschen nimmt zu: zum einen, weil das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt, zum anderen, weil immer mehr Medikamente entwickelt werden, mit denen beispielsweise Patienten mit rheumatischer Arthritis oder anderen Autoimmunkrankheiten effektiver behandelt werden können. Allerdings sind das häufig Medikamente, die das Immunsystem schwächen“, erklärt dazu Dr. Gerhard Falkenhorst vom Fachgebiet Impfprävention des RKI.

Patienten mit Immundefizienz bzw. Immunsuppression leiden häufig an Infektionskrankheiten. Meist gehen die Infektionen mit schwereren Verläufen einher als bei Immungesunden. Deshalb sollten immungeschwächte Menschen einen möglichst weitreichenden Schutz durch Impfungen (auch durch Impfungen von Kontaktpersonen in ihrem Umfeld) erhalten. Dabei gelten einige Besonderheiten, etwa die Indikation und Kontraindikation für spezifische Impfungen bzw. Impfstofftypen, je nach Art und Schwere der Grundkrankheit und der daraus resultierenden Immuninkompetenz.

Eine Expertengruppe erarbeitet aktuell unter Federführung der STIKO detaillierte Anwendungshinweise für Impfungen bei Patienten mit Immundefizienz bzw. Immunsuppression mit dem Ziel, die impfende Ärzteschaft zu unterstützen. Die Anwendungshinweise werden in 4 thematisch getrennten Dokumenten im Zeitraum Ende 2017 bis Anfang 2018 erscheinen. Das Grundlagenpapier „Impfen bei Immundefizienz“ ist bereits jetzt abrufbar.

Auch Ehrenamtliche sollten sich gegen Hepatitis A und B impfen lassen

Impfungen gegen Hepatitis A und Hepatitis B werden von der STIKO – unter anderem – für Personen empfohlen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit ein erhöhtes Expositionsrisiko haben. Bislang waren diese Empfehlungen so formuliert, dass sie dem Wortlaut nach eigentlich nicht für Personen galten, die einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen, auch wenn sie ähnlichen Expositionsrisiken ausgesetzt waren wie andere durch ihren Beruf. „Das hat teilweise dazu geführt, dass nicht klar war, ob ehrenamtliche Helfer, z.B. in Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber oder in Behinderteneinrichtungen, genauso geimpft werden sollen wie dort fest Angestellte – immer unter der Voraussetzung, dass sie durch ihre Tätigkeit einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind“, erläutert Falkenhorst.

Für die Impfempfehlungen der STIKO ist aber das tatsächliche Expositionsrisiko ausschlaggebend und nicht die Frage, ob das aufgrund einer beruflich oder ehrenamtlich ausgeübten Tätigkeit, einer Ausbildung oder eines Studiums besteht. Entsprechend werden nun auch ehrenamtlich Tätige explizit als Zielgruppe genannt und die Formulierungen bezüglich Auszubildender, Studierender und Praktikanten bei Hepatitis A und B vereinheitlicht. Die Indikation zur Impfung gegen Hepatitis A und/oder B ist anhand des mit der jeweils ausgeübten Tätigkeit tatsächlich verbundenen Expositionsrisikos zu beurteilen.

 
Das höchste Risiko für Herpes zoster und seine Komplikationen haben immunkompromittierte Menschen. Dr. Gerhard Falkenhorst
 

Herpes zoster: Die Wirksamkeit der Impfung nimmt mit dem Alter ab

Seit 2006 ist ein verdünnter Lebendimpfstoff zur Verhinderung eines Herpes zoster (HZ) bzw. der postherpetischen Neuralgie (PHN) für Personen ab 50 Jahren zugelassen und seit September 2013 in Deutschland verfügbar. Die Impfung wird von der STIKO aber weiterhin nicht als Standardimpfung empfohlen. Die Wahrscheinlichkeit, an Gürtelrose zu erkranken, und die Schwere der Erkrankung nehmen mit dem Alter deutlich zu. Die Wirksamkeit der Impfung hingegen nimmt mit dem Alter ab. Bei den 50- bis 59-Jährigen liegt sie noch bei 70%, bei den 70- bis 79-Jährigen bei 41% und bei den 80-Jährigen bei weniger als 20%.

Hinzu kommt, dass die Schutzdauer der Impfung nur für wenige Jahre belegt ist. „Das höchste Risiko für Herpes zoster und seine Komplikationen haben immunkompromittierte Menschen. Unglücklicherweise können gerade diese Menschen aufgrund ihrer Immunschwäche nicht mit dem Herpes-zoster-Lebendimpfstoff geimpft werden“, erklärt Falkenhorst. Auch wenn die medizinisch-epidemiologische Nutzen-Risiko-Bewertung des Impfstoffs nicht zur Empfehlung als Standardimpfung führt, kann sie nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung für einzelne Patienten durchaus sinnvoll sein, betont er. Eine ausführliche Erläuterung der STIKO-Entscheidung wird im Epidemiologischen Bulletin 36/2017 erscheinen.

Tetanus: Nicht mehr nach 5, sondern nach 10 Jahren erneute Impfung

Bei sauberen, geringfügigen Wunden empfiehlt die STIKO eine erneute Tetanusimpfung nur, wenn seit der letzten Impfung mehr als 10 Jahre vergangen sind. Damit wurde die im letzten Jahr erfolgte Absenkung der Frist von 10 auf 5 Jahre rückgängig gemacht. In den Fachinformationen der Tetanus- bzw. tetanushaltigen Kombinationsimpfstoffe finden sich zu dieser Frage keine konsistenten Angaben, so dass die STIKO – auch unter Berücksichtigung zahlreicher Hinweise aus der Ärzteschaft – zu der früheren Empfehlung zurückgekehrt ist. Diese ist immunologisch plausibel und steht im Einklang mit der Empfehlung einer routinemäßigen Auffrischung des Tetanus-Impfschutzes alle 10 Jahre.

Die STIKO rät ferner, bei der Impfung gegen Influenza für Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren nicht mehr bevorzugt auf die Verabreichung als Nasenspray zu setzen. Im Vergleich zu den normalen inaktivierten Grippeimpfstoffen sei in neueren Studien „keine überlegene Wirksamkeit“ des Nasensprays mehr nachweisbar, so die STIKO. Beide Methoden können deshalb gleichermaßen verwendet werden.



REFERENZEN:

1. STIKO: Epidemiologisches Bulletin Nr. 34; 24. August 2017

Kommentar

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