Typ-2-Diabetes: Mit intensiven Änderungen des Lebensstils lässt sich der Antidiabetika-Bedarf senken

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

21. August 2017

Mit intensivem aerobem Training, zusammen mit diätischen Maßnahmen, lassen sich bei Patienten mit Typ-2-Diabetes durchaus Erfolge erzielen. Im Vergleich zur „Standard-Betreuung“ bessert sich dadurch die Blutzuckerkontrolle – und es werden weniger orale Antidiabetika benötigt.

Zu diesen Ergebnissen kamen Dr. Mathias Ried-Larsen vom Zentrum für Inflammation und Metabolismus / Zentrum für Forschung zur körperlichen Aktivität der Universität Kopenhagen, Dänemark, und Kollegen im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie, die in der Zeitschrift JAMA publiziert worden ist [1].

„Die wichtigste Feststellung war, dass eine intensive Lebensstil-Intervention und eine Standard-Betreuung hinsichtlich der glykämischen Kontrolle zu unterschiedlichen Resultaten geführt haben – mit geringfügig besseren HbA1c-Wert in der Interventionsgruppe“, schreibt Ried-Larsen. „Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Überlegenheit, die Allgemeingültigkeit und den langfristigen Nutzen zu beurteilen.“

Vorteil für Patienten durch Intervention

Für die Studie haben Ried-Larsen und Kollegen zwischen April 2015 und August 2016 genau 98 erwachsene, nicht insulinpflichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes rekrutiert. Deren Alter betrug im Mittel 54,6 Jahre. Dabei lag die Erstdiagose weniger als 10 Jahre zurück.

Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 2:1 per Zufall der Gruppe mit Lebensstil-Intervention (n = 64) sowie der Gruppe mit Standardtherapie (n = 34) zugeordnet. Sie erhielten individuelle Beratung und eine an Zielwerten orientierte Pharmakotherapie mit oralen Antidiabetika. In der Gruppe mit Lebensstil-Intervention kamen pro Woche 5 bis 6 rund 30- bis 60-minütige aerobe Trainingseinheiten hinzu. Davon waren 2 bis 3 Einheiten aus dem Bereich Krafttraining.

Die Teilnehmer der Gruppe erhielten individuelle Diätpläne, um BMI-Werte von 25 oder weniger zu erreichen. Die Umsetzung der Ernährungsumstellung im Alltag wurde mit den Teilnehmern besprochen. Als primären Endpunkt definierte Ried-Larsen Änderungen des HbA1c-Werts im Vergleich zum Studienbeginn.

 
Bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, deren Diagnose weniger als 10 Jahre zurückliegt, führte eine Lebensstil-Intervention … zu einer Veränderung der Blutzuckerkontrolle … Dr. Mathias Ried-Larsen
 

Fast 3 Viertel der Patienten konnten Antibdiabetika reduzieren

Von 98 Personen schlossen 93 die Studie ab. Ihr HbA1c-Wert änderte sich nach 12 Monaten von 6,65% auf 6,34% (Interventionsgruppe) beziehungsweise von 6,74% auf 6,66% (Vergleichsgruppe).

Über statistische Äquivalenztests zeigten die Autoren, dass sich beide Gruppen tatsächlich unterscheiden. Die Dosis oraler Antidiabetika konnten 47 Patienten (73,5%) in der Interventionsgruppe versus 9 Patienten in der Vergleichsgruppe verringern. Die Anpassungen erfolgten in Absprache mit den Studienärzten. Insgesamt gab es 32 versus 5 unerwünschte Ereignisse. Dazu gehörten vor allem leichte Hypoglykämien (8 Fälle) und muskuloskelettale Schmerzen (14 Fälle).

„Bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, deren Diagnose weniger als 10 Jahre zurückliegt, führte eine Lebensstil-Intervention im Vergleich zur Standardtherapie zu einer Veränderung der Blutzuckerkontrolle, die das Kriterium einer Äquivalenz nicht erreichte“, resümiert Ried-Larsen. Sie verweist auf Vorteile von Lebensstil-Interventionen, fordert aber weitere Studien, um zu klären, inwieweit sich ihre Ergebnisse auf alle Patienten übertragen lassen.

Wie erklären sich die Unterschiede zu Look AHEAD?

Ried-Larsens Skepsis bezieht sich auf ältere Ergebnisse der Look-AHEAD-Studie, über die Medscape auch berichtet hat. Hier zeigte sich, dass Anleitungen zur Lebensstil-Intervention bei übergewichtigen oder adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes langfristig deren Risiko für einen kardiovaskulären Tod, Schlaganfall, Herzinfarkt oder eine Hospitalisierung aufgrund einer Angina pectoris nicht verringern konnten. In der Vergleichsgruppe erhielten die Teilnehmer hier jedoch ebenfalls Schulungen und Beratungen.

Allerdings reduzierten in der aktuellen Studie fast 10-mal so viele Patienten die Dosis ihrer Blutzucker senkenden Medikamente wie in Look AHEAD. Ried-Larsen erklärt diese Unterschiede vor allem mit dem intensiverem Training ihrer Interventionsgruppe. Sie verweist auf häufigere, längere und intensivere Übungen, verglichen mit der älteren Arbeit. „Die Verwendung von Arzneimitteln zum Gewichtsverlust bei Look AHEAD könnte den Nutzen von Lebensstil-Interventionen ebenfalls begrenzt haben“, spekuliert die Erstautorin der Studie Mette Yun Johansen.



REFERENZEN:

1. Johansen MJ, et al: JAMA (online) 15. August 2017

Kommentar

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