EMA: 8 neue Zulassungsempfehlungen – auch 2 beschleunigte Zulassungen für Hepatitis-C-Medikamente, die gegen alle Genotypen wirken

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

26. Juni 2017

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt 2 neue direkt antiviral wirkende Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C. Sowohl Maviret® (Glecaprevir/Pibrentasvir; AbbVie Ltd.) als auch Vosevi® (Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir; Gilead Sciences International Ltd.) wirken gegen alle Genotypen des Hepatitis-C-Virus (HCV).

Die beiden Medikamente könnten sich, so das Gremium, speziell bei Patienten als nützlich erweisen, bei denen bisherige Therapien versagt haben bzw. nicht angewendet werden konnten. Da es sich hierbei um eine „therapeutische Innovation“ in einem Bereich von „großem Interesse für die öffentliche Gesundheit“ handelt, haben die beiden Mittel ein beschleunigtes Bewertungsverfahren innerhalb von nur 120 Tagen durchlaufen. Dieses soll Patienten einen rascheren Zugang zu neuen Medikamenten ermöglichen, wenn ein medizinischer Bedarf besteht, der von bereits zur Verfügung stehenden Arzneimitteln nicht gedeckt wird.

Glecaprevir/Pibrentasvir und Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir zählen zu den direkt antiviral wirkenden Hepatitis-C-Arzneimitteln, die durch ihre hohen Heilungsraten und den möglichen Verzicht auf Interferone die HCV-Therapie revolutioniert haben.

Bei 90 Prozent der Patienten alle HCV-Typen eliminiert

Glecaprevir hemmt die HCV-NS3/4A-Protease und Pibrentasvir die HCV-NS5A-Protease; beide Komponenten wirken pan-genotypisch. Maviret® wurde in 8 Schlüssel-Studien und 3 supportiven klinischen Studien bei insgesamt 2.376 Patienten untersucht. 12 Wochen nach Behandlungsende war das Hepatitis-C-Virus bei 90% der Patienten nicht mehr nachweisbar – diese Patienten gelten als geheilt. Die Nebenwirkungen waren von leichter Ausprägung und umfassten Kopfschmerzen, Fatigue, Diarrhoe, Übelkeit und Abdominalschmerzen.

Vosevi® setzt sich aus Sofosbuvir, einem Nukleotidanalogon, welches die virale NS5B-Polymerase hemmt, außerdem Velpatasvir, einem HCV-NS5A-Inhibitor, und Voxilaprevir, einem neuartigen pan-genotypischen HCV-NS3/4A-Protease-Inhibitor zusammen.

Das Arzneimittel wurde in 4 klinischen Studien mit mehr als 1.700 Patienten untersucht. In 2 Studien erhielten zuvor unbehandelte Patienten mit Hepatitis C 8 Wochen lang Vosevi®. 12 Wochen nach Ende der Behandlung war das Virus bei 905 der Patienten nicht mehr nachweisbar. In den anderen beiden Studien wurden Patienten, bei denen andere Therapien nicht angeschlagen hatten, 12 Wochen lang mit Vosevi® behandelt – auch hier war das Virus 12 Wochen nach Behandlungsende bei 90% der Patienten nicht mehr nachweisbar.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren leichte Übelkeit, Kopfschmerzen und Diarrhoe. Des Weiteren wurden verminderter Appetit, Erbrechen, Muskelspasmen und Ausschläge beobachtet, die mit der Behandlung in Zusammenhang stehen könnten.

Weitere Zulassungsempfehlungen

Eine positive Empfehlung haben auch 2 neue Krebsmedikamente erhalten: Kisqali® (Ribociclib; Novartis Europharm Ltd) zur Behandlung lokal fortgeschrittener oder metastasierter Mammakarzinome und Fotivda® (Tivozanib; Eusa Pharma) zur Behandlung von Nierenzellkarzinomen.

Auf der Liste der beim Juni-Meeting des Ausschusses zur Zulassung empfohlenen Arzneimittel steht außerdem das zur Behandlung rezidivierender Formen der Multiplen Sklerose eingesetzte Mavenclad® (Cladribin; Merck Serono Europe Limited).

Ein Zulassungsempfehlung hat der CHMP außerdem ausgesprochen für das Biosimilar Imraldi® (Adalimumab; Samsung Bioepis UK Limited), mit dem künftig rheumatoide Arthritis, juvenile idiopathische Arthritis, axiale Spondyloarthritis, psoriatrische Arthritis, Psoriasis, pädiatrische Plaque-Psoriasis, Hidradenitis suppurativa, Morbus Crohn, pädiatrischer Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Uveitis behandelt werden können.

Des Weiteren erhielten 2 generische Medikamente eine positive Empfehlung des Ausschusses: Efavirenz/Emtricitabin/Tenofovir-Disoproxil Mylan® (Efavirenz/Emtricitabine/Tenofovir-Disoproxil; Mylan S.A.S) zur Behandlung von HIV-Infektionen und Nitisinon MendeliKABS® (Nitisinon; MendeliKABS Europe Ltd) zur Behandlung der hereditären Tyrosinämie Typ 1.

Erneute Überprüfung

Auf Antrag der Hersteller überprüft der CHMP die im Mai herausgegebenen negativen Empfehlungen zu Adlumiz® (Anamorelin-Hydrochlorid) von Helsinn Birex Pharmaceuticals Ltd gegen ungewollten Gewichtsverlust bei Krebs, zu dem humanen monoklonalen IgG1-Antikörper, der spezifisch an humanes Interleukin-1-alpha bindet von XBiotech Germany GmbH zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs und zu Masipro® (Masitinib; AB Science) bei systemischer Mastozytose.

Bakterien gegen Reizdarmsyndrom weiterhin einsetzbar

Nach sorgfältiger Überprüfung kommt der CHMP zu dem Schluss, dass das bakterienhaltige Arzneimittel Symbioflor® 2 (E. coli [Zellen und Autolysat]; Symbiopharm GmbH) weiterhin beim Reizdarmsyndrom eingesetzt werden kann, bei funktionellen gastrointestinalen Störungen sollte dagegen darauf verzichtet werden.

Das Arzneimittel enthält Escherichia-coli-Bakterien, soll probiotisch wirken und im Darm das Wachstum nützlicher Mikroorganismen begünstigen. In Deutschland ist es seit den 1950er Jahren verfügbar.

Die Überprüfung aller zur Verfügung stehenden Daten und Informationen ergab keine neue Evidenz zur Wirksamkeit von Symbioflor® 2 seit das Produkt zugelassen wurde. Die verfügbare Evidenz deutet aber darauf hin, dass das Risiko eines Schadens durch das Medikament niedrig ist. Bislang existiert nur eine randomisierte Studie mit etwa 300 Erwachsenen, die darauf hindeutete, dass Symbioflor® 2 bei Reizdarmsyndrom hilfreich ist. Bei Kindern gibt es noch keine Bestätigung für einen eventuellen Nutzen.

Angesichts der dünnen Datenlage hat der CHMP die Herstellerfirma aufgefordert, eine gut designte Studie zu Wirksamkeit und Sicherheit des Mittels bei Patienten mit unterschiedlichen Formen des Reizdarmsyndroms (z.B. mit Diarrhoe oder mit Verstopfung als vorherrschendem Symptom) durchzuführen. Die Vorlage dieser Studiendaten ist die Voraussetzung dafür, dass Symbioflor® 2 auch künftig seine Marktzulassung behält.

Für den Einsatz bei funktionellen gastrointestinalen Störungen hat der Hersteller keine Daten eingereicht, die „für den Einsatz bei diesen Erkrankungen sprechen würden“, heißt es vom CHMP. Für diese Indikation ist Symbioflor® 2 nicht länger zugelassen

Indikationserweiterungen für 9 Arzneimittel

Für insgesamt 9 Arzneimittel empfiehlt der CHMP Erweiterungen der Anwendungsgebiete:

  • Faslodex® (Fulvestrant; AstraZeneca UK Ltd)

  • Harvoni® (Ledipasvir/Sofosbuvir; Gilead Sciences International Ltd)

  • Kaletra® (Lopinavir/Ritonavir; AbbVie LTD)

  • Mimpara® (Cinacalcet; Amgen Europe B.V.)

  • Orencia® (Abatacept; Bristol-Myers Squibb Pharma EEIG)

  • Soliris® (Eculizumab; Alexion Europe SAS)

  • SonoVue® (Schwefelhexafluorid; Bracco International B.V.)

  • Stivarga®(Regorafenib; Bayer Pharma AG)

  • Victoza® (Liraglutid; Novo Nordisk A/S)

Zurückgenommene Zulassungsanträge

Der Ausschuss informiert, dass die Hersteller von Elmisol® (Levamisol) und Zafirid® (NGR-humaner Tumor-Nekrose-Faktor-alpha) die Zulassungsanträge zu ihren Produkten zurückgezogen haben. Levamisol sollte zur Behandlung des nephrotischen Syndroms eingesetzt werden, der NGR-humane Tumor-Nekrose-Faktor-alpha bei fortgeschrittenen malignen Pleuralmesotheliomen.

REFERENZEN:

  1. EMA: Meeting highlights from the Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP), 19. bis 22. Juni 2017

Kommentar

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