Plaque-Psoriasis: Risankizumab schlägt Ustekinumab in Phase-2 – „sehr gutes und sehr nachhaltiges Ansprechen“

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

10. Mai 2017

Die selektive Blockade von Interleukin-23 (IL-23) mit  Risankizumab führte bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis zu  einem besseren Ansprechen als Ustekinumab. Dies ergab eine randomisierte Phase-2-Studie  mit 166 Patienten, deren Ergebnisse von der Arbeitsgruppe um Dr. Kim Alexander Papp, Clinical  Research and Probity Medical Research, Waterloo, Ontario (Kanada) kürzlich im New England Journal of Medicine publiziert worden sind [1]. Papp hatte erste Daten bereits im Oktober 2015 beim 24. Kongress der European Academy of  Dermatology and Venereology (EADV) vorgestellt.

 „Diese Phase-2-Studie zeigt sehr  hohe Ansprechraten bei mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis für den  selektiven IL-23p19-Antikörper Risankizumab“, bestätigt auch Prof. Dr. Kristian Reich, Facharzt für  Dermatologie und Venerologie am Dermatologikum Hamburg, gegenüber Medscape. „Besonders bemerkenswert ist, dass noch etwa die Hälfte  der zuletzt in Woche 16 behandelten Patienten nach 48 Wochen eine mindestens  90-prozentige Verbesserung ihres Hautbefundes aufweist. Diese Daten  deuten auf ein sehr gutes und sehr nachhaltiges Ansprechen der Psoriasis auf  die Behandlung hin. Allerdings müssen die Daten dieser relativ kleinen Phase-2-Studie  durch größere Datensätze in der Phase 3 bestätigt werden“, so Reich weiter.


IL-23 –  zentral für die Psoriasis-Pathogenese

Eine Plaque-Psoriasis als chronische immunvermittelte  Hauterkrankung unbekannter Ätiologie findet sich bei etwa 2% der Erwachsenen.  Sie verringert nicht nur die Lebensqualität sondern ist auch häufig mit  Übergewicht, Hypertonie, Diabetes, Lipidstörungen oder einem metabolischem  Syndrom assoziiert.

Eine zentrale Rolle in der Pathogenese der Erkrankung  spielt das Zytokin Interleukin-23 (IL-23). Es besteht aus den beiden  Untereinheiten p19 und p40. Während die p19-Untereinheit nur in IL-23 vorkommt,  ist die p40-Untereinheit auch in IL-12 nachweisbar. Der seit 2009 für die  Psoriasisbehandlung zugelassene Antikörper Ustekinumab hemmt über die Bindung  an die p40-Untereinheit sowohl IL-23 als auch IL-12. Ergebnisse verschiedener  Studien deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit von Ustekinumab bei Psoriasis  primär auf die Hemmung von IL-23 zurückzuführen ist.

 
Diese Phase-2-Studie zeigt sehr hohe Ansprechraten bei mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis für Risankizumab. Prof. Dr. med. Kristian Reich
 

Die Studienautoren vermuten, dass Risankizumab durch die  Hemmung der p19-Untereinheit die IL-23-Aktivität kompletter hemmt als dies bei  Hemmung von p40 der Fall ist.  Sie weisen  aber auch darauf hin, dass es sich um vorläufige Daten handle, die sich erst in  weiteren Studien bestätigen müssten.


Risankizumab:  Selektive Blockade von IL-23

Papp und Kollegen verglichen in ihrer aktuellen  randomisierten Phase-2-Studie über 48 Wochen die Wirkung der beiden Antikörper  direkt. 166 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis mit oder ohne  begleitende Arthritis erhielten randomisiert Ustekinumab (45 mg bei einem  Körpergewicht ≤ 100 kg oder 90 mg bei einem Körpergewicht über 100 kg in Woche 0, 4 und 16, n = 40) oder Risankizumab in einer Dosierung von entweder 18 mg (n = 43) in Woche 0 oder 90 mg (n = 41) bzw. 180 mg (n = 42) in Woche 0, 4 und 16.  Die Patienten wurden nach der letzten Injektion weitere 32 Wochen beobachtet.

Primärer Endpunkt war eine mindestens 90%ige Verringerung  des Psoriasis Area and Severity Index (PASI 90) in Woche 12. Dieser klinische Endpunkt  wurde von 77% der Patienten in den gepoolten Risankizumab-Gruppen mit 90 mg und  180 mg und von 40% der Patienten unter Ustekinumab erreicht.

Einen PASI 100, also eine komplette Beseitigung der  Symptome, erreichten 41% der Patienten in der Risankizumab-90-mg-Gruppe, 48% in  der Risankizumab-180-mg-Gruppe und 18% in der Ustekinumab-Gruppe.

 
Etwa die Hälfte der zuletzt in Woche 16 behandelten Patienten weist nach 48 Wochen eine mindestens 90-prozentige Verbesserung des Hautbefundes auf. Prof. Dr. med. Kristian Reich
 

Die Wirksamkeit hielt bis zu 20 Wochen nach der letzten  Gabe an. Die Wirkung trat rasch ein, bereits in Woche 2 wurden unter  Risankizumab erste Effekte gesehen. Die klinischen Wirkungen von Risankizumab  korrelierten gut mit einer verbesserten Lebensqualität, weniger Gelenkschmerzen  bei Patienten mit Gelenkbeteiligung und Verbesserungen bei psoriatischen  Läsionen am Kopf, palmoplantar sowie an den Fingernägeln.

Schwere unerwünschte Wirkungen traten unter Risankizumab  18 mg und 90 mg bzw. Ustekinumab bei 12%, 15% bzw. 8% der Patienten auf –  darunter waren 2 Fälle eines Basalzellkarzinoms und ein schweres  kardiovaskuläres Ereignis. Unter 180 mg Risankizumab kam es zu keiner schweren  unerwünschten Wirkung. Allerdings waren die Patientengruppe zu klein und die  Studiendauer zu kurz, um aus den wenigen Fällen Schlussfolgerungen zur  Sicherheit der Substanz ziehen zu können.



REFERENZEN:

1. Papp KA, et al: NEJM (online) 20. April 2017

Kommentar

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