Immer noch Männersache: Der plötzliche Herztod beim Sport – wie man als Arzt zur Prävention beitragen kann

Sonja Böhm

Interessenkonflikte

21. April 2017

Mannheim – Plötzlicher Herztod beim Sport – ein Schreckgespenst für viele, aber vor allem für Männer mittleren Alters. Tatsächlich sind sie auch die meist gefährdete Gruppe. Jedoch: Insgesamt ist das Risiko gering, beruhigte Prof. Dr. Christian Wolpert, Klinikum Ludwigsburg – Klinik für Innere Medizin, Kardiologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin, beim Deutschen Kardiologenkongress, der derzeit in Mannheim stattfindet [1]. Dort gab es einige Empfehlungen, wie man von ärztlicher Seite zur Prävention beitragen kann. 

Nur 1,2 bis 1,5 plötzliche Herztodesfälle beim Sport auf eine Million Einwohner – fast nur Männer

Seit 2012 gibt es in Deutschland ein landesweites Register (Sports-related sudden cardiac deaths in Germany), in das plötzliche Herztodesfälle beim Sport (Wettkampf und Freizeit) aufgenommen werden. Dies um mehr Klarheit zu Inzidenz und Ätiologie zu erhalten. Nach 30 Monaten waren 144 solcher tragischer Fälle erfasst, was (nur) einer Gesamtinzidenz von 1,2 bis 1,5 pro 1 Million Einwohner pro Jahr entspricht. Nicht alle endeten tödlich: Es konnte in 38 Fällen erfolgreich reanimiert werden. Und: Tatsächlich handelte es sich bei 97% der gemeldeten Fälle um Männer.

 
Ich habe in letzter Zeit in der Klinik so viele Fälle von Myokarditis gesehen, dass ich da sehr vorsichtig geworden bin. Prof. Dr. Christian Wolpert
 

Im Schnitt waren diese bei ihrem plötzlichen Tod knapp 47 Jahre alt. Die dominierende Ursache unterschied sich je nach Alter: Bei den bis zu 35-Jährigen war mehrheitlich eine Myokarditis der Auslöser, bei den älteren Athleten herrschte eine Koronararterienerkrankung mit Infarkt vor. Die meisten plötzlichen Herztodesfälle traten im Zusammenhang mit Freizeitsport bei Männern im Alter zwischen 50 und 59 Jahren auf.

Prävention: Bei akuten Erkrankungen unbedingt pausieren – doch wie lange?

Was lässt sich zur Vorbeugung tun? Wolpert empfahl vor allem den Patienten zu vermitteln, wie wichtig es ist, bei akuten Erkrankungen, etwa des Gastrointestinaltraktes, bei Erkältungen und Grippe, mit dem Training „für eine gewisse Zeit zu pausieren“. Doch was ist eine angemessene Zeit? Auf diese berechtigte Frage aus dem Publikum konnte der Kardiologe, der – wie er sagte – selbst ambitionierter Sportler ist, nur eine sehr persönliche Antwort geben. „Für eine klare Empfehlung fehlen uns einfach die Daten.“

Doch: „Ich habe in letzter Zeit in der Klinik so viele Fälle von Myokarditis gesehen“, berichtete er, „dass ich da sehr vorsichtig geworden bin.“ Er selbst pausiere daher etwa „bei zwei Tagen Fieber und einer Woche Erkältungssymptomen“ insgesamt 3 Wochen. Das kam einigen Zuhörern bei der gemeinsamen Sitzung der Arbeitsgruppen „Gendermedizin in der Kardiologie“ und „Sportkardiologie“ dann doch etwas lang vor. „Mindestens 2 Wochen“ lautete ein anderer Vorschlag. „Man muss auf jeden Fall völlig asymptomatisch sein, bevor man wieder mit Sport beginnt – aber lieber länger“, ein weiterer.

In der Praxis kann es trotzdem manchmal schwierig sein, die Patienten zu überzeugen. „Die haben vielleicht ein Jahr auf einen Marathon oder Triathlon hin trainiert und dann bekommen sie kurz vorher eine Erkältung …“, schilderte Wolpert ein typisches Beispiel. Was dann? Ein Blutbild und eine CRP-Bestimmung würde er zur Abklärung empfehlen – und zusätzlich ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG.

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....