Patienten-Sicherheits-Gipfel: Die neue Fehler-Kultur in der Medizin – mit Checklisten und Fehlerbeobachtung durch Patienten

Susanne Rytina

Interessenkonflikte

19. April 2017

Laut Dzau sind Fehldiagnosen im ambulanten Bereich ein beträchtlicher Irrtums-Faktor, der aber selten in Studien behandelt werde. Doch sind mit Diagnosefehlern hohe Kosten und viele negative Folgen verbunden – vermeidbare Krankenhauseinweisungen, falsche Behandlungen, unnötige Tests und Eingriffe, Wiedereinweisungen und ein sich verschlechternder Krankheitszustand. Mögliche Lösungsansätze sieht er:

  • durch effektiveres Teamwork im Diagnoseprozess

  • in der Ausbildung

  • in der Bereitschaft, aus Diagnose-Fehlern zu lernen

  • in einem entsprechenden Berichtswesen

  • und auch in der Bereitstellung von mehr Geld, um den diagnostischen Prozess zu unterstützen, etwa durch bessere personelle Ressourcen, mehr Zeit und Kommunikation, die für den diagnostischen Prozess nötig – und ja auch eine Frage des Geldes sind.

Neuer Ansatz: Fehlerbeobachtung durch den Patienten

Rothmund hält Ansätze für vielversprechend, die Patienten selbst in ihre Sicherheitsbelange mit einbeziehen. Interessant ist das Beispiel von psychiatrischen Kliniken in Dänemark, in der Patienten gebeten werden, am Patientensicherheitsprogramm teilzunehmen, wie die dänische Psychologin Dr. Solvejg Kristensen von der psychiatrischen Klinik des Universitätskrankenhaus Aalborg in ihrer Präsentation darstellte.

 
Der größte Feind der Patientensicherheit ist die Personalknappheit. Prof. Dr. Matthias Rothmund
 

Hier berichten Patienten, was aus ihrer Sicht auf Station schiefgelaufen ist. Ein zusätzlicher positiver Effekt ist, dass sie so selbst das Gefühl haben, mehr Einfluss auf ihre Behandlung nehmen zu können und so deren Qualität zu beeinflussen. Die Fehlerbeobachtung durch Patienten könne auch als gutes und preiswertes Mittel in anderen Krankenhäusern eingesetzt werden, wenn etwa Patienten auf die Dosierung ihrer Medikamente selbst achten, oder dass Verbände regelmäßig gewechselt werden, ergänzte Rothmund.

Die Experten richteten ihre Forderungen auch an die Politik. „Der größte Feind der Patientensicherheit ist die Personalknappheit“, betonte Rothmund. Patientensicherheit sei daher nicht als „Add-on“ zu verstehen, sondern sei immer und überall zu integrieren. „Es kann nicht sein, dass wir Mortalitäts- und Morbiditätskonferenzen außerhalb unserer Arbeitszeit abhalten. Das Reden über Fehler und Fehlervermeidung muss integraler Bestandteil unserer Arbeitszeit sein.“



REFERENZEN:

1. Patient Safety Summit. Pressemitteilung des BMG vom 31. März 2017

Kommentar

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