Metastasiertes Pankreaskarzinom: „Ermutigende“ Daten zu nab-Paclitaxel plus Fluoropyrimidin rechtfertigen Phase-3-Studie

Dr. Thomas Meißner

Interessenkonflikte

24. März 2017

Fortschritte bei der Therapie des metastasierten Pankreas-Adenokarzinoms zu erzielen, bleibt mühsam: Erstmals sind jetzt die Kombinationen aus nab-Paclitaxel plus Gemcitabin oder einem vereinfachten Leucovorin-Regime (Folinsäure, FA / Fluorouracil, FU) miteinander verglichen worden. Die Daten aus der offenen Phase-2-Studie waren zumindest so gut, dass Dr. Jean-Baptiste Bachet, Abteilung für Hepato-Gastroenterologie, Sorbonne Universität, Paris, und Kollegen die weitere Evaluation der Kombination aus nab-Paclitaxel und FA/FU-Kombination in Phase-3-Studien empfehlen [1].

„Für Patienten mit Pankreaskarzinom, die unter adjuvanter oder palliativer Gemcitabin-Therapie progredient sind oder die die Therapie nicht vertragen, könnte das FA/FU-Regime plus nab-Paclitaxel eine zusätzliche Therapieoption sein“, erklärt Prof. Dr. Hanno Riess, Stellvertretender Direktor der Klinik und Leiter der Internistischen Onkologie an der Charité Berlin, in einem Kommentar [2].

Nab(nanoparticle albumin bound)-Paclitaxel plus Gemcitabin ist ein etabliertes Standard-Regime für Patienten mit metastasiertem Pankreas-Adenokarzinom. Aber auch das FOLFIRINOX-Schema (Fluorouracil, Leucovorin, Irinotecan, Oxaliplatin) ist bei diesen Patienten effektiver als die Gemcitabin-Monotherapie. Die genannten Regimes sind bis dato noch nicht in einer randomisierten Studie direkt miteinander verglichen worden. Hinzu kommt, dass Gemcitabin aufgrund bestimmter molekularer Voraussetzungen bei etwa 50 bis 60% der Patienten nicht optimal wirken kann.

 
Für Patienten mit Pankreaskarzinom, die unter … Gemcitabin progredient sind oder es nicht vertragen, könnte FA/FU plus nab-Paclitaxel eine Option sein. Prof. Dr. Hanno Riess
 

Bachet und Kollegen haben daher an 15 Zentren in Frankreich erstmals die Kombination von nab-Paclitaxel mit einem Fluoropyrimidin geprüft. In die Untersuchung wurden bislang unbehandelte Patienten mit metastasiertem Pankreas-Adenokarzinom eingeschlossen. Eine vorangegangene adjuvante Chemotherapie nach kurativ intendierter chirurgischer Resektion war erlaubt, wenn diese Behandlung länger als ein Jahr zurücklag und nun ein Rezidiv bestand. Bachet und Kollegen wollten im ersten Schritt herausfinden, ob die Kombination aus nab-Paclitaxel und FA/FU grundsätzlich erfolgversprechend ist. Primäre Zielgröße waren die ersten 72 Patienten, die zum Zeitpunkt 4 Monate progressionsfrei überlebt haben.

Medianes Gesamtüberleben zwischen 9 und 12 Monaten

Insgesamt 114 Patienten erhielten jeweils nab-Paclitaxel und randomisiert im Verhältnis 1:2 Gemcitabin oder FA/FU. Im Abstand von 8 Wochen erfolgte eine Computer- oder eine Magnetresonanztomografie.

Nach 4 Monaten waren 21 der 39 Patienten in der Gemcitabin-Gruppe progressionsfrei (54%) und 40 der 72 Patienten in der FA/FU-Gruppe (56%). Eine weitere Auswertung nach im Median 2-jähriger Nachbeobachtungszeit ergab ein medianes progressionsfreies Überleben von 4,9 Monaten in der Gemcitabin-Gruppe und von 5,9 Monaten in der FA/FU-Gruppe. Die medianen Gesamtüberlebensraten lagen bei 9,2 und 11,4 Monaten.

Bei Tumorprogression war die Studienmedikation stets gestoppt worden. Einige Patienten erhielten danach Zweit- und Drittlinien-Chemotherapien. Am Ende der Studie befanden sich 2 Patienten in der Gemcitabin-Gruppe sowie 5 Patienten in der FA/FU-Gruppe in einem kontrollierten Erkrankungszustand ohne Progression.

Bachet und seine Kollegen bezeichnen die Ergebnisse für die Kombination nab-Paclitaxel plus FA/FU als „ermutigend“. Sie rechtfertigten die Auflage einer Phase-3-Studie.

Riess konstatiert in seinem Kommentar, dass Therapieoptionen beim Pankreaskarzinom nach wie vor auf klassischen Zytostatika basierten. Er weist darauf hin, dass die beiden miteinander verglichenen Therapieregimes akzeptable Verträglichkeiten gezeigt hätten, wenngleich die Toxizitätsprofile deutlich unterschiedlich waren: Während in der Gemcitabin-Gruppe vor allem hepatische und hämatologische Nebenwirkungen auftraten, zeigten sich in der FA/FU-Gruppe besonders Neutropenien, Mukositiden, Parästhesien, Alopezien und Hand-Fuß-Syndrome. Insgesamt lag die Rate von Grad 3/4-Toxizitäten in der Gemcitabin-Gruppe bei 87%, in der FA/FU-Gruppe bei 77%.

Das vereinfachte FA/FU-Regime scheine ein besserer Kombinationspartner für nab-Paclitaxel zu sein als Gemcitabin, schlussfolgern Bachet und Kollegen.

Die französischen Onkologen regen an, Regime mit höheren Dosen nab-Paclitaxel zu prüfen, als sie in ihrer Studie angewandt worden waren. Außerdem vermuten sie, dass zusätzliche Verbesserungen der Behandlung erreicht werden könnten, wenn gleichzeitig weitere Wirkstoffe appliziert würden. Hierzu laufen bereits Studien. Wegen der zu erwartenden, geringeren Verträglichkeit dürften solche Optionen allerdings nur für Patienten in noch vergleichsweise gutem Allgemeinzustand infrage kommen.



REFERENZEN:

1. Bachet JB, et al: Lancet (online) 27. Februar 2017

2. Riess H: Lancet (online) 27. Februar 2017

Kommentar

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