Antibiotika-Resistenz: WHO veröffentlicht Liste der 12 gefährlichsten Bakterien – dringender Appell zu mehr Forschung

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

2. März 2017

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erstmals eine Liste von 12 pathogenen Bakterienfamilien erstellt, die am resistentesten und deshalb am gefährlichsten sind [1]. Besonders kritisch bewertet die WHO Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa und verschiedene Enterobakterien, die häufig multiresistent sind. Sie will damit auf die wachsende globale Resistenz gegenüber Antibiotika aufmerksam machen und die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika ankurbeln.

 
Wenn wir nur auf die Marktkräfte setzen, werden dringend benötigte neue Antibiotika nicht schnell genug entwickelt. Dr. Marie-Paule Kieny
 

Die Liste hebt insbesondere gram-negative Bakterien hervor, die gegenüber mehreren Antibiotika resistent sind. „Diese Bakterien haben eingebaute Fähigkeiten, um neue Wege zu finden, Behandlungen zu widerstehen – und sie können genetisches Material an andere Bakterien weitergeben, die so auch Arzneimittel-resistent werden“, teilt die WHO in ihrer Stellungnahme mit.

Die WHO fordert die Staaten gezielt dazu auf, aktiv zu werden und die Thematik nicht nur Pharmaunternehmen zu überlassen. „Wir wollen sicherstellen, dass Forschung und Entwicklung auf die dringenden Bedürfnisse der öffentlichen Gesundheit reagieren“, sagt Dr. Marie-Paule Kieny, WHO-Generaldirektorin für Gesundheitssysteme und Innovation. „Denn die Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit zu und uns gehen langsam die Behandlungsmöglichkeiten aus. Wenn wir nur auf die Marktkräfte setzen, werden dringend benötigte neue Antibiotika nicht schnell genug entwickelt“, so Kieny weiter.

Die WHO-Liste der 12 gefährlichsten Erreger

Kritische Priorität:

  • Acinetobacter baumannii, resistent gegen Carbapeneme

  • Pseudomonas aeruginosa, resistent gegen Carbapeneme

  • Enterobacteriaceae, gegen Carbapeneme resistent und ESBL-bildend

Hohe Priorität:

  • Enterococcus faecium, resistent gegen Vancomycin

  • Staphylococcus aureus, resistent gegen Methicillin; mittlere Vancomycin-Resistenz

  • Helicobacter pylori, resistent gegen Clarithromycin

  • Campylobacter spp., resistent gegen Fluorchinolone

  • Salmonellae, resistent gegen Fluorchinolone

  • Neisseria gonorrhoeae, resistant gegen Cephalosporine und Fluorchinolone

Mittlere Priorität:

  • Streptococcus pneumoniae, nicht mehr empfindlich gegenüber Penicillin

  • Haemophilus influenzae, resistent gegen Ampicillin

  • Shigella spp.,resistent gegen Fluorchinolone

Auswahlkriterien der Forscher

Die Liste wurde von der WHO in Zusammenarbeit mit Forschern der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Universität Tübingen entwickelt und von internationalen Experten begutachtet. Kriterien für die Auswahl waren:

  • Mortalität der verursachten Infektionen

  • Dauer der Klinikaufenthalte

  • Resistenzrate in den betroffenen Patientengruppen gegenüber gängigen Antibiotika

  • Präventionsmöglichkeiten durch Hygienemaßnahmen und Impfungen

  • Ob und falls ja, welche Therapieoptionen sich in der Entwicklung befinden

Das zunehmende Resistenzproblem wird auch bei einem G20-Treffen in Berlin eine Rolle spielen, wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bestätigt. „Wir brauchen effektive Antibiotika für unser Gesundheitssystem. Wir müssen heute gemeinsame Aktionen für ein gesünderes Morgen unternehmen“, betont Gröhe im WHO-Statement.

 
Wir brauchen effektive Antibiotika für unser Gesundheitssystem. Wir müssen heute gemeinsame Aktionen für ein gesünderes Morgen unternehmen. Hermann Gröhe
 

„Die Entwicklung neuer Antibiotika wird dabei helfen, Todesfälle aufgrund von resistenten Infektionen weltweit zu reduzieren”, sagt Prof. Dr. Evelina Tacconelli, Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Universität Tübingen. „Noch länger damit zu warten würde zusätzliche Gesundheitsprobleme verursachen und die Patientenversorgung dramatisch beeinflussen“, warnt Tacconelli in der WHO-Mitteilung.

 

REFERENZEN:

1. WHO: 12 Bacteria Families Urgently Require New Antibiotics, 28. Februar 2017

Kommentar

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