Larynxkarzinom: Bei wem kann die Stimme erhalten werden? Neuer Score verbessert personalisierte Therapie

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

14. Februar 2017

Mit Hilfe eines neuen Scores können Ärzte besser entscheiden, welche Patienten mit Larynxkarzinom von einer Therapie ohne Entfernung des Kehlkopfs profitieren und bei welchen der Kehlkopf entfernt werden sollte, um die Überlebenszeit zu verlängern. Dieser LFS-Score wurde in der Studie DeLOS-II (Deutsche Larynx-Organerhalt-Studiengruppe) von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Gunnar Wichmann und Prof. Dr. Andreas Dietz, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde/Plastische Operationen, Universität Leipzig, erarbeitet und im European Journal of Cancer publiziert [1].

Bei Patienten mit Kehlkopfkrebs im fortgeschrittenen Stadium besteht die Möglichkeit, den Kehlkopf vollständig zu entfernen, wozu in Deutschland die Mehrheit der Experten tendiert, oder den Kehlkopf zu erhalten – durch eine Behandlung mit Bestrahlung und Chemotherapie. Wird der Kehlkopf entfernt, bedeutet das den Verzicht auf ein Organ, das Sinne wie Riechen und Schmecken beeinflusst. Und es bedeutet den Verlust der eigenen Stimme – was für bestimmte Berufsgruppen wie Koch, Lehrer oder Politiker besonders schwerwiegend ist.

 „Die Ergebnisse unserer Studie markieren einen deutlichen Fortschritt in der personalisierten Therapieentscheidung. Mit ihnen können die weiteren Schritte der Behandlung jetzt noch besser auf den Patienten abgestimmt werden“, so Dietz in einer Pressemitteilung der Universität Leipzig. Mit einer Kurzchemotherapie über wenige Tage könne nach 2 Wochen das gute oder schlechte Ansprechen des Krebses bestimmt und mittels einer endoskopischen Aufnahme das Ergebnis sichtbar gemacht werden. „Damit können wir auch den Patienten selbst in die anstehende Entscheidung einbeziehen“, so Dietz weiter.

„Bisher war nicht klar, welche Diagnostik bzw. welche Untersuchung am besten geeignet ist, um einen dauerhaft sicheren Kehlkopferhalt zu prognostizieren“, erklärt Wichmann. „Wir haben herausgefunden, dass wir dafür die Informationen mehrerer Untersuchungen brauchen: zuerst die endoskopische Bewertung durch den HNO-Arzt, die Bildanalysen der Nuklearmediziner (Positronenemissionstomografie, PET), aber auch das mittels Computertomografie (CT) bestimmte Tumorvolumen.“ Daraus könne man ein Bewertungsmodell ableiten, das bei der Bewertung der Ergebnisse hilft.

 
Die Ergebnisse unserer Studie markieren einen deutlichen Fortschritt in der personalisierten Therapie- entscheidung. Prof. Dr. Andreas Dietz
 

Dietz erläutert: „Es müssen HNO-Ärzte, Radiologen, Nuklearmediziner, Strahlenonkologen und Pathologen eng interdisziplinär zusammenarbeiten, um gemeinsam mit dem Patienten unter Abwägung von jetzt besser bewertbaren Risiken die optimale Therapieentscheidung zu fällen“.

Kehlkopf möglichst erhalten

Zwischen 2007 und 2012 wurden 52 Patienten in die prospektive Studie der Leipziger Universitätsmedizin aufgenommen. Sie litten an einem therapienaiven fortgeschrittenen Kehlkopfkrebs oder hypopharyngealen Kopf-Hals-Tumor. Alle Patienten wurden mit einem Zyklus Docetaxel, Cisplatin und Fluorouracil (TPF) ± Cetuximab behandelt, im Verlauf der Studie wurde bei der Induktions-Chemotherapie auf Fluorouracil verzichtet.

Ein endoskopisch nachgewiesener Rückgang des Tumors um mindestens 30% galt als Ansprechen. Die Responder erhielten 2 weitere Zyklen Chemotherapie, gefolgt von Bestrahlung. Bei Non-Respondern wurde der Kehlkopf entfernt.

Die endoskopische Untersuchung konnte bei 49 Patienten nach dem ersten Therapiezyklus durchgeführt werden. 39 Patienten wurden als Responder eingeordnet, 10 hatten nicht angesprochen.

Computertomographische Untersuchungen des Tumorvolumens sowie nuklearmedizinische Untersuchungen (PET) zeigten ebenfalls bei den Respondern eine signifikante Besserung, nicht jedoch bei den Non-Respondern.

 
Der prädiktive Wert des LFS-Scores bis 16 für den Erhalt des Kehlkopfs bei Respondern muss in einer prospektiven Studie validiert werden. Prof. Dr. Gunnar Wichmann und Kollegen
 

Score muss noch evalutiert werden

Aufgrund dieser Ergebnisse entwickelten die Leipziger Forscher einen so genannten LFS-Score (LFS = Langzeitüberleben ohne Laryngektomie), der klinische Daten sowie Daten der Endoskopie, CT und PET-Untersuchung beinhaltet.

  • Ein LFS-Score von 16 oder niedriger lässt darauf schließen, dass die Patienten unter Erhalt des Kehlkopfs behandelt werden können.

  • Bei einem LFS-Score über 16 wird eine Laryngektomie empfohlen, um einen Tumor-bedingten Tod zu verhindern.

„Der prädiktive Wert des LFS-Scores bis 16 für den Erhalt des Kehlkopfs bei Respondern muss in einer prospektiven Studie validiert werden“, so die Autoren.

 

REFERENZEN:

1. Wichmann G, et al: Eur J Cancer 2017;72:144-155

 

Kommentar

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