Die Dosis macht das Gift: FDA gibt Liste für Schwangere zur Quecksilberbelastung von Fischen heraus

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

13. Februar 2017

Mit Quecksilber belasteter Fisch stellt für Schwangere und Stillende sowie deren Feten und Neugeborene ein besonders hohes Risiko dar. Die US-Lebensmittel- und Arzneibehörde FDA hat deshalb zusammen mit der US-Umweltbehörde EPA Empfehlungen zum sicheren Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten herausgegeben, die sich speziell an diese Personengruppen richten [1].

Zu den empfehlenswerten Sorten mit geringerem Quecksilbergehalt gehören demnach Shrimps, Seelachs, Lachs, Light Tuna (meist Echter Bonito oder Gelbflossen-Thun) in Dosen, Tilapia und Kabeljau. Fischsorten, von deren Verzehr die beiden Behörden abraten, sind Torpedobarsch aus dem Golf von Mexiko, Haifisch, Schwertfisch, Kaiserbarsch, Großaugen-Thun, Speerfisch und Königsmakrele.

„In Deutschland wird Schwangeren empfohlen, die größeren fettreichen Fische wie Haifisch, Thunfisch, Rotbarsch, Steinbeißer, Heilbutt und Schwertfisch eher zu meiden, da sich Schadstoffe in ihnen anreichern können. Stattdessen sollten schwangere Frauen auf kleinere fettreiche Fische wie Makrele, Hering, Lachs oder Sardinen zurückgreifen“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf Nachfrage von Medscape.

Übersichtliche Einteilung: Empfehlenswert, ganz okay oder besser meiden?

Die beiden Behörden unterteilen die Fische und Meeresfrüchte in 3 Kategorien: Kategorie 1 ist die beste Wahl, von diesen Fischen und Meeresfrüchten können auch Schwangere unbesorgt 2 bis 3 Portionen pro Woche essen. Auch Kategorie 2 ist den Empfehlungen von FDA und EPA zufolge noch eine gute Wahl, allerdings sollten die angesprochenen Personengruppen davon maximal 1 Portion in der Woche verzehren. Kategorie 3 umfasst die Fische und Meeresfrüchte, auf die Schwangere komplett verzichten sollten.

Kategorien der Fischsorten laut FDA/EPA

Kategorie 1
Die beste Wahl, gerne 2-3 Portionen/Woche

Kategorie 2
Eine gute Wahl, aber
maximal 1 Portion/Woche

Kategorie 3
Schlechte Wahl,
nicht essen

Sardellen

Blaubarsch

Königsmakrele

Adlerfisch

Büffelfisch

Speerfisch

Makrele

Karpfen

Kaiserbarsch

Wolfsbarsch

Chilenischer Zackenbarsch/Schwarzer Seehecht

Haifisch

Butterfisch

Zackenbarsch

Schwertfisch

Seewolf

Heilbutt

Torpedobarsch (aus dem Golf von Mexiko)

Venusmuschel

Gemeine Goldmakrele

Großaugen-Thunfisch

Kabeljau

Seeteufel

 

Krabben/Krebse

Blaumaul

 

Langusten

Kohlenfisch

 

Flunder

Schafskopf

 

Schellfisch

Schnapper

 

Seehecht

Torpedo-Makrele

 

Hering

Streifenbarsch (Salzwasser)

 

Amerikanischer Hummer

Torpedobarsch (aus dem Atlantik)

 

Meeräsche

Thunfisch, Albacore/weißer Thunfisch (in Dosen, frisch oder gefroren)

 

Austern

Gelbflossen-Thunfisch

 

Japanische Makrele

Weakfish/Meerforelle

 

Barsch (Süß- und Salzwasser)

Weißer Umber

 

Hecht

 

 

Scholle

 

 

Alaska-Seelachs

 

 

Lachs

 

 

Sardine

 

 

Jakobsmuschel

 

 

Bastardmakrele

 

 

Shrimps

 

 

Rochen

 

 

Goldlachs

 

 

Seezunge

 

 

Tintenfisch

 

 

Tilapia (Buntbarsch)

 

 

Forelle (Süßwasser)

 

 

Thunfisch in Dosen (Light Thuna, auch Skipjack)

 

 

Felchen

 

 

Weißfisch

 

 

Tabelle adaptiert nach FDA

Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel

Aufgrund der ernährungsphysiologischen Vorteile des Fischverzehrs für das Wachstum und die Entwicklung des Kindes während der Schwangerschaft und der frühen Kindheit raten die beiden Behörden zu einem Mindestverzehr von 2 bis 3 Portionen Fisch (230-340 g) mit geringerem Quecksilbergehalt pro Woche.

Da jedoch alle Fischsorten zumindest Spuren von Quecksilber enthalten, das dem Gehirn und dem Nervensystem bei zu starker Exposition schaden kann, gibt es auch eine Empfehlung für einen Maximalverzehr von 340 g Fisch pro Woche.

Ähnliche Empfehlungen in Deutschland: Auf große fettreiche Fische verzichten

 
In Deutschland wird Schwangeren empfohlen, die größeren fettreichen Fische wie Haifisch, Thunfisch, Rotbarsch, Steinbeißer, Heilbutt und Schwertfisch eher zu meiden … Silke Restemeyer
 

In Deutschland werden im Allgemeinen etwas kleinere Mengen pro Woche empfohlen: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 1 bis 2 Portionen Fisch pro Woche – eine Portion (80-150 g) fettarmen Seefisch (z. B. Seelachs) und eine etwas kleinere Portion (70 g) fettreichen Fisch. Übrigens raten die deutschen Behörden Schwangeren und Stillenden auch vom Verzehr von Aal ab, eine Fischart, die von den FDA/EPA-Empfehlungen nicht erfasst wird.

Entsprechende Hinweise enthalten etwa die Handlungsempfehlungen des vom Bundesernährungsministerium geförderten Netzwerks Junge Familie und Veröffentlichungen der DGE.

FDA und EPA unterscheiden zwischen empfehlenswerten Thunfischarten (Kategorie 1 und 2) und zu vermeidenden (Kategorie 3). In Deutschland wird Schwangeren dagegen generell vom Verzehr von Thunfisch abgeraten, denn „es gibt für den deutschen Markt keine verbindliche Vorschrift, welche Thunfischarten in welcher Größe bzw. welchem Alter in die Dosen gelangen“, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme.

Der Verbraucher könne aufgrund der derzeitig gültigen Handelsbezeichnungen beim Einkauf nicht sicher erkennen, um welche Thunfischspezies es sich in welcher Alters- bzw. Gewichtsklasse in der Konserve handele. Eine weitere Differenzierung der Verzehrempfehlung in verschiedene Thunfischarten würde ihn in seiner Kaufentscheidung nicht unterstützen.

Hobbyangler sollten sich über Schadstoffbelastung informieren

Bei selbst gefangenem Fisch raten die Behörden zur Vorsicht: Angler und ihre Familien sollten sich bei den zuständigen Behörden über die Belastungssituation der Fische in den lokalen Gewässern informieren. Liegen solche Daten nicht vor, sollten schwangere Frauen nur eine Portion davon essen und für den Rest der Woche auf weiteren Fisch verzichten.

Von selbst gefangenem Fisch sollten zudem Fett und Haut sorgfältig entfernt werden, da lokal geangelter Fisch neben Quecksilber noch andere Schadstoffe enthalten kann. Diese können durch ein sorgfältiges Putzen und die richtige Zubereitung reduziert werden. Beim Grillen können Schadstoffe etwa mit dem Fett wegtropfen, während sie beim Braten in der Pfanne erhalten bleiben.

 

REFERENZEN:

1.  Food and Drug Administration: Pressemitteilung, 18. Januar 2017

 

Kommentar

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