Mammakarzinom: Residual-Cancer-Burden-Score erlaubt Prognose des Langzeitüberlebens nach neoadjuvanter Therapie

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

10. Februar 2017

Der „Residual Cancer Burden“-Score (RCB) ermöglicht Aussagen zum Langzeitüberleben nach neoadjuvanter Behandlung von Frauen mit Mammakarzinom, so die Ergebnisse einer Publikation im Journal of Clinical Oncology [1]. Er liefert nach Meinung der Autorengruppe um Prof. Dr. W. Fraser Symanns, MD Anderson Cancer Center, Houston, USA, zusätzliche wichtige Informationen zu klinischen Parametern vor Therapie, zu den pathologischen Befunden und zum ypTNM-Status (Tumorausmaß) nach Therapie. Allerdings sollten diese Befunde extern validiert werden.

Komplettes pathologisches Ansprechen bleibt Standard der Wirksamkeitsbestimmung

Prof. Dr. Sibylle Loibl, German Breast Group, Neu-Isenburg, und Prof. Dr. Carsten Denkert, Institut für Pathologie, Charité, Berlin, weisen im begleitenden Editorial darauf hin, dass die Daten zwar eine prognostischen Aussagekraft des RCB bei neoadjuvanter Therapie belegten, aber es noch völlig offen sei, ob eine exakte Prognoseerhebung mit Hilfe des RCB bei allen Patienten erforderlich ist [2]. Derzeit sei der Nutzen dieser Information für die zukünftige Therapie sehr begrenzt. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn es neue neoadjuvante Behandlungsoptionen gibt. Zudem erhöhe sich durch die standardisierte Bestimmung des RCB die Arbeitsbelastung des Pathologen.

 
Derzeit bleibt das komplette pathologische Ansprechen (pCR) der Standard in klinischen Studien, um die Wirksamkeit einer neoadjuvanten Therapie zu erheben. Prof. Dr. Sibylle Loibl und Prof. Dr. Carsten Denkert
 

Loibl und Denkert sind der Ansicht, dass eine externe Validierung der Ergebnisse und der Vergleich der Ergebnisse mit anderen Prognosescores zunächst wichtige Schritte sind, um den Wert des RCB-Scores weiter zu definieren. „Derzeit bleibt das komplette pathologische Ansprechen (pCR) der Standard in klinischen Studien, um die Wirksamkeit einer neoadjuvanten Therapie zu erheben“, so ihre Schlussfolgerung.

Bei neoadjuvanter Therapie von Patientinnen mit Brustkrebs gilt der histopathologische Befund eines kompletten Ansprechens (pCR) als Prädiktor für einen anhaltenden klinischen Nutzen. Das pathologische Ansprechen wird derzeit von der Food and Drug Administration (FDA) und der Europäischen Zulassungsbehörde als Endpunkt bei klinischen Studien zur Untersuchung neuer neoadjuvanter Therapien bei Mammakarzinom anerkannt.

Weil aber unter anderem die Größe des residualen Tumorgewebes, dessen Zelldichte und die Zahl der befallenen Lymphknoten für die Prognose ebenfalls von Bedeutung sind, entwickelten Symmans und Kollegen ein neues Klassifikationssystem, die „Residual Cancer Burden“ (RCB), die sie 2007 erstmals vorstellten.

Unterschiedlicher Rezeptorstatus, unterschiedliche neoadjuvante Therapie

In ihrer Studie haben sie die Bedeutung der RCB für die Langzeitprognose untersucht – dies bei verschiedenen phänotypischen Brustkrebsformen nach neoadjuvanter Chemotherapie ohne und mit Trastuzumab. Das Überleben der Patienten wurde prospektiv erhoben. 3 Patientenkohorten erhielten Paclitaxel (T), gefolgt von Fluorouracil, Doxorubicin und Cyclophosphamid (T/FAC), und zwar die Originalkohorte für die Entwicklung des RCB (T/FAC-1, n = 219) und 2 Validierungskohorten für den RCB (T/FAC-2, n = 262 und T/FAC-3, n = 342). Eine weitere Validierungskohorte erhielt nur FAC (n = 132), eine 5. Kohorte wurde mit Trastuzumab (H) und sequenziellem Paclitaxel und Fluorouracil, Epirubicin und Cyclophosphamid (FEC; H + T/FEC, n = 203) behandelt.

Die verschiedenen Phänotypen waren durch den Hormonrezeptor(HR)- und HER2-Status bei der Diagnose bestimmt. Es gab folgende Subtypen: HER2-/HR+, HER2+/HR-, HER2+/HR+ oder 3-fach-negative Patienten. Der kontinuierliche RCB-Index wurde retrospektiv in den Kohorten erhoben. Ein pCR war als RCB = 0 definiert, eine Resterkrankung wurde nach 3 prädefinierten Klassen in RCB-I, -II oder -III eingeordnet.

Die 5 Kohorten hatten ein medianes ereignisfreies Überleben von 13,5; 9,1; 6,8; 16,4 und 7,1 Jahren. Der kontinuierliche RCB-Index war mit dem Rezidiv- und Sterberisiko in allen 5 Kohorten assoziiert. Die RCB-Klasse bestimmte das prognostische Risiko insgesamt, bei jedem Phänotyp und in den ypTNM-Kategorien (yp = postoperativ/nach pathologischer Untersuchung und Behandlung). Für die 4 RCB-Klassen 0, I, II und III wurden folgende Raten für ein rezidivfreies 10-Jahres-Überleben errechnet:

  • 86%, 81%, 55% und 23% bei 3-fach negativem Brustkrebs

  • 83%, 97%, 74% und 52% bei HER2- /HR+-Brustkrebs in den T/FAC-Kohorten

  • 95%, 77%, 47% und 21% in der H+T/FEC-Kohorte

Als Schwäche der Studie bezeichnen die Autoren, dass es sich um Erfahrungen an nur einem Zentrum handelt. Darüber hinaus fehlt ein Vergleich des RCB mit Prognosescores, die Informationen zur Vorbehandlung berücksichtigen. Die niedrigen Patientenzahlen ermöglichen es zudem nicht, kleinere Differenzen in der prognostischen Aussagekraft zwischen den RCB-Klassen in den verschiedenen Phänotyp-Subgruppen und Niedrigrisiko-Subgruppen zu erkennen.

 

REFERENZEN:

1. Symmans WF, et al: J Clin Oncol (online) 30. Januar 2017

2. Loibl S, et al: J Clin Oncol (online) 30. Januar 2017

 

Kommentar

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