Heilung vom Brustkrebs mit „Kollateralschäden“ – Therapie des frühen Mammakarzinoms oft belastender als angenommen

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

8. Februar 2017

Frauen mit einem invasiven Mammakarzinom im frühen Stadium berichten über erhebliche Therapie-assoziierte Toxizitäten und Belastungen. Für fast die Hälfte der Frauen sind diese schwer bis sehr schwer. „Die Belastung durch die Toxizitäten, wie sie von den Patientinnen empfunden wird, dürfte höher sein, als vom Arzt vermutet und erfordert eine routinemäßige Erfassung während und zwischen den Arztterminen“, so eine Autorengruppe um Prof. Dr. Christopher R. Friese, Department of Systems, Populations, and Leadership, University of Michigan School of Nursing, Ann Arbor, USA, die die Ergebnisse online in Cancer publiziert hat [1].

„Diese hohen Raten belastender Toxizitäten, die von Frauen mit Brustkrebs im frühen Stadium berichtet wurden, belegen erneut, dass viele Frauen mit an sich heilbarer Erkrankung durch die Therapie einen ‚Kollateralschaden‘ erleiden“, so die Autoren. Die häufigen Berichte über schwere Übelkeit und Erbrechen deuteten darauf hin, dass entsprechende Leitlinien zur Prävention nicht ausreichend beachtet würden. Es sei wichtig, die häufigen und schweren unerwünschten Wirkungen entsprechend anzugehen, um den Therapieerfolg für diese Frauen zu verbessern.

Fragebögen von rund 2.000 Frauen ausgewertet

Bislang gibt es nur wenige Studien, in denen die von Patienten berichteten Erfahrungen mit Nebenwirkungen systematisch erfasst wurden. Daher analysierten Friese und seine Kollegen in der iCanCare-Studie Daten aus einer populationsbasierten Untersuchung von Frauen mit invasivem Mammakarzinom im frühen Stadium.

 
Diese hohen Raten belastender Toxizitäten … belegen erneut, dass viele Frauen mit an sich heilbarer Erkrankung durch die Therapie einen ‚Kollateralschaden‘ erleiden. Prof. Dr. Christopher R. Friese und Kollegen
 

Für die Studie wurden 3.880 Frauen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren berücksichtigt, bei denen ein Mammakarzinom im Frühstadium diagnostiziert worden war und die zwischen Juli 2013 und September 2014 operiert worden waren. Sie erhielten etwa 2 Monate nach der Operation den Fragenbogen geschickt. 249 Frauen waren für die Untersuchung nicht geeignet, 1.053 wurden nicht erreicht oder schickten den Fragenbogen nicht zurück. Beantwortete Fragebögen lagen von 2.578 Frauen vor (71%). Davon wurden nochmals 694 Frauen ausgeschlossen, weil sie an einem duktalen Carcinoma in situ (DCIS) oder bilateraler Erkrankung litten.

Schmerzen sind häufigste schwere Nebenwirkung

Mit dem Fragebogen wurde die Schwere von 7 Nebenwirkungen abgefragt: Übelkeit/Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Schmerz, Arm-Ödeme, Dyspnoe und Hautirritation an der Brust. 132 Frauen (7%) berichteten, dass keine dieser Nebenwirkungen während der Therapie aufgetreten waren. Bei 93% war es zu mindestens einer unerwünschten Wirkung gekommen und 45% beurteilten mindestens eine unerwünschte Wirkung als schwer oder sehr schwer. Schmerz (23%) war dabei die häufigste als schwer/sehr schwer beurteilte unerwünschte Wirkung, gefolgt von Obstipation (14%) und Hautirritationen (13%).

Wegen der unerwünschten Wirkungen suchten 9% außerplanmäßig den Arzt auf, 5% gingen in eine Notfallambulanz oder Klinik. Übelkeit und Erbrechen führte bei 29% und Durchfall bei 27% zu einem E-Mail-Kontakt oder Telefonanruf. Häufigere und stärkere unerwünschte Wirkungen waren mit einem schlechteren Allgemeinzustand assoziiert.

 

REFERENZEN:

1. Friese CR, et al: Cancer (online) 24. Januar 2017

 

Kommentar

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