Meinung

Antibiotika-Allergie? Diese anamnestischen Kriterien helfen beim Ausschluss

PD Dr. Martin Hartmann

Interessenkonflikte

9. Februar 2017

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Hallo, hier ist Martin Hartmann aus der Hautklinik in Heidelberg. Heute geht es um Penicillin-Allergien.

Reaktionen auf Arzneimittel sind häufig. Am häufigsten werden Reaktionen auf Antibiotika mit ca. 25% angegeben. Kurz darauf folgen dann die nicht-steroidalen Antiphlogistika inklusive Paracetamol. Die am meisten beobachtete Reaktionsform ist das morbiliforme Exanthem, also eine Spättyp-Reaktion die typischerweise 8-10 Tage nach Medikamentengabe auftritt. Diese ist von der Soforttyp-Reaktion zu unterscheiden. Hier kommt es meist zu einer stillen Sensibilisierung, und es tritt sehr schnell nach Gabe des Antibiotikums eine Reaktion auf, die bis zum anaphylaktischen Schock gehen kann.

Man rechnet mit 1–4 anaphylaktischen Reaktionen bei Penicillin pro 10.000 Gaben – eher bei i.m.- und i.v-. als bei oraler Gabe. Am häufigsten tritt diese bei Patienten zwischen 20–40 Jahren auf. 5 Jahre nach dem Ereignis haben 50% Patienten die Ig-vermittelete Penicillian Reaktivität verloren. Nach 10 Jahren haben 80% diese verloren. Bei 10–15% der Patienten mit einer Penicillin-Allergie in der Anamnese besteht eine aktuelle Penicillin-Allergie, also nur bei jedem 10. Patienten.

98% der positiv getesten Patienten vertragen ein Cephalosporin, in der Regel ein Cephalosporin der 3. Generation. Es besteht eine Kreuzreaktivität bzgl des Betalaktamringes und diese ist bei den Cephalosporinen der 3. Generation in der Regel nicht von Bedeutung. Bei den Aminopenicillinen, die in Europa häufiger eingesetzt werden als in den USA, ist zu beachten dass diese auch viral getriggert sein können, typischerweise bei einer EBV-Reaktion, seltenerweise bei einer CMV-Infektion. Und ist diese virale Reaktion vorbei, dann werden die entsprechenden Aminopenicilline wieder vertragen. Es besteht also keine echte Aminopenicillin-Allergie. Zusätzlich ist zu beachten, dass bei den Aminopenicillinen über die Seitenketten auch eine Kreuzreaktion bei danach gegeben Cephalosporinen auftreten kann.

Die Diagnostik der Arzneimittelreaktion ist typischerweise eine Prick-Testung. Dabei werden bei der Betalaktam-Testung die Major-Determinante PPL und die Minor-Determinante MDM getestet. Zusätzlich sollte man die Aminopenicilline ebenfalls testen. Eine Epikutantestung kann einen Teil der Exantheme miterfassen. Die spezifische IgE-Bestimmung ist mit etwa 50% nicht sehr sensitiv. Klarheit kann dann nur eine Exposition geben.

Was ist zusammenfassend zu beachten?

Man sollte genauer nachfragen, wenn ein Patient eine Allergie auf Antibiotika angibt, insbesondere auf Penicilline. Man sollte nachfragen, ob diese Reaktion schnell oder langsam kam, und ob es eher ein Auschlag war, oder eben eine typische anaphylaktische Reaktion. Man sollte ebenfalls bedenken, dass häufig parainfektiöse Exantheme als Arzneimittelreaktion gedeutet werden können, insebsondere auf die Aminopenicilline bei den EBV-  bzw. CMV-Infektionen. Cephalosporine der 3. Generation sind in der Regel sicher und werden von den Patienten gut vertragen.

Vielen Dank.

 

REFERENZEN:

1. Vaisman A, et al. JAMA Intern. (online) 03. Januar 2017

2. Picard M al., Treatment of patients with a history of penicillin allergy in a large tertiary-care academic hospital. J Allergy Clin Immunol 2013: 252-7

 

Kommentar

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