Stammzellen nach Herzinfarkt: Phase-2-Studie sieht Herzleistung etwas gebessert – alles eine Frage der Dosis?

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

21. Dezember 2016

Die intrakoronare Gabe von autologen Stammzellen nach Myokardinfarkt ist verträglich und sicher – und scheint die Prognose günstig zu beeinflussen. Das ist das Ergebnis der PreSERVE-AMI-Studie, die jetzt in Circulation Resarch erschienen ist. Prof. Dr. Arshed A. Quyyumi vom Emory Clinical Cardiovascular Research Institute (ECCRI) der Emory University und Kollegen hatten in der Studie die Sicherheit von intrakoronaren Infusionen mit autologen CD34+-Zellen bei Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion (LVD) nach ST-Hebungsinfarkt (STEMI) evaluiert [1].

Prof. Dr. Andreas M. Zeiher

„PreSERVE hat etwas grundsätzlich Neues gezeigt, nämlich dass es eine Beziehung gibt zwischen der Anzahl der infundierten Zellen, also der Dosis, und der Verbesserung der Herzleistung“, sagt dazu Prof. Dr. Andreas M. Zeiher, Direktor der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Bislang, so der Experte, war unklar ob und inwieweit die Zelldosis einen Einfluss auf die Herzleistung hat.

Eingeschlossen wurden 161 Probanden mit erfolgreichem Stenting nach STEMI und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von 48% oder niedriger. Den Teilnehmern wurden autologe Zellen aus dem Knochenmark entnommen und sie erhielten dann 1:1 randomisiert autologe CD34+-Zellen (minimum 10M Zellen; M = Million) oder eine Placeboinfusion, jeweils intrakoronar infundiert.

Primäre Sicherheits-Endpunkte waren die Nebenwirkungen allgemein (AEs), schwere Nebenwirkungen (SAEs) und schwere kardiale Ereignisse (MACE: Herztod, erneut auftretender MI, Herzversagen, Hospitalisierung, koronare Revaskularisierung während des Follow-up von 3 Jahren). Primärer Effektivitäts-Endpunkt war die Veränderung der myokardialen Perfusion in Ruhe über 6 Monate.

Nebenwirkungen: Keine Unterschiede zur Placebogruppe

Bei den Nebenwirkungen zeigten sich zwischen der Interventionsgruppe und der Placebogruppe keine Unterschiede (p = 0,9). das Gleiche galt für die myokardiale Perfusion, die sich in beiden Gruppen in den ersten 6 Monaten der Studie erhöhte (p < 0,001).

In den Sekundäranalysen ergab sich jedoch eine günstige Veränderung der linksventrikulären Ejektionsfraktion und der Infarktgröße – dies abhängig war von der Zelldosis (p = 0,05):

  • bei Probanden, die eine Dosis von weniger als 14 M erhalten hatten, lag die Verbesserung der LVEF bei 3,1%,

  • bei denjenigen, die mehr als 14 M erhalten hatten, war die Herzfunktion um 5,8% verbessert,

  • und bei Probanden, die mehr als 20 M erhalten hatten, betrug die Verbesserung 10,2%. 
    Nach einem Jahr war in der Interventionsgruppe auch die Mortalität niedriger: In der Kontrollgruppe starben 3 Patienten, in der Behandlungsgruppe keiner (p = 0,04). Bei den MACE gab es dagegen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen (p = 0,66).

„Statistisch signifikante Verringerung der Sterblichkeit“

„In unserer Phase 2-Studie war die intrakoronare Gabe von autologen CD34+Zellen sicher und wurde gut vertragen. Es ergab sich eine statistisch signifikante Verringerung der Sterblichkeit“, betont Studienleiter Quyyumi. Abhängig von der infundierten Zelldosis nahm die Zahl schwerer Nebenwirkungen (SAE) ab: Unter der Dosis kleiner 14 M traten 47 SAE auf, unter der Dosis größer 20 M sank die Zahl der SAE auf 15. Ebenso nahmen numerisch, aber nicht signifikant schwere kardiologische Ereignisse ab: Unter der Zelldosis kleiner 14 M wurden 47 MACE dokumentiert, bei einer Dosis größer 14 M waren es 31 und unter der Dosis von mehr als 20 M waren es 15 schwere kardiologische Ereignisse.

 
PreSERVE hat etwas Neues gezeigt, nämlich dass es eine Beziehung zwischen … der Dosis und der Verbesserung der Herzleistung gibt. Prof. Dr. Andreas M. Zeiher
 

Dass der Unterschied bei den MACE-Ereignissen nicht signifikant war, sei nicht überraschend, meint Zeiher: „Dazu war die Studie, eine proof of concept-Studie, einfach zu klein. Vielleicht hätte sich eine signifikante Reduktion der MACE gezeigt, wenn man noch 50 Patienten mehr eingeschlossen hätte“, spekuliert er. „Doch es ist erfreulich, dass die Studie kein neutrales Ergebnis gezeigt hat“.

Dosisbeziehung weiter erforschen

Er hält es für wünschenswert, die Dosisbeziehung weiter zu erforschen. Ob das passieren werde, sei jedoch fraglich. Denn die Studie habe ihr ursprüngliches Ziel, einen deutlichen Effekt der Zelltherapie auf die Verbesserung der Pumpfunktion nachzuweisen, nicht erreicht.

Grundsätzlich ist das Ziel der Zelltherapie, eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion zu verbessern und die Pumpfunktion wiederherzustellen. Infrage kommt sie demnach nach einem frischen Infarkt, wenn trotz Reperfusionstherapie die Pumpfunktion eingeschränkt bleibt, bei chronischer Ischämie nach Infarkt oder auch bei Kardiomyopathie sowie Myokarditis.

 
In unserer Phase-2-Studie war die … Sterblichkeit statistisch signifikant verringert. Prof. Dr. Arshed A. Quyyumi
 

Derzeit scheint der Erfolg auch von der Ausgangserkrankung abzuhängen, so gibt es Befunde, dass sich beim akuten Myokardinfarkt mittels Zelltherapie der Heilungsprozess positiv beeinflussen lässt, während bei der chronischen Herzinsuffizienz, wenn es darum geht, das linksventrikuläre Remodeling umzukehren, die Erfolge eher bescheiden sind.

BAMI-Studie läuft

Unmittelbar auf die Praxis werden sich die Studienergebnisse von PreSERVE nicht auswirken, bestätigt Zeiher. Zunächst seien die Ergebnisse der BAMI-Studie abzuwarten, die die Wirksamkeit der Zelltherapie nach Myokardinfarkt in einem großen Setting untersucht.

In die BAMI-Studie (Bone-marrow-derived mononuclear cell on all cause mortality in Acute Myocardial Infarction) sind bislang knapp 500 Patienten eingeschlossen worden, 3.000 sollen es werden. Untersucht wird der Effekt einer intrakoronaren Infusion von mononuklearen Knochenmarks-Stammzellen 3 bis 6 Tage nach primärer PCI auf die Mortalität von Patienten, deren Zustand sich trotz Reperfusion nicht zufriedenstellend gebessert hatte. Bis Oktober 2017 sollen auch in Frankfurt noch Patienten in die Studie eingeschlossen, berichtet Zeiher, der selbst an der Studie mitwirkt.

„Mit ersten Ergebnissen aus BAMI ist in zweieinhalb Jahren zu rechnen“, betont er. Von den Ergebnissen hänge ab, ob die Methode in der klinischen Praxis eine Chance habe. „In der Kardiologie sind wir mit guten Therapien verwöhnt. Entsprechend muss die Zelltherapie tatsächlich gute Ergebnisse liefern und zeigen, dass die Mortalität auch wirklich abnimmt.“

 

REFERENZEN:

1. Quyyumi AA, et al. Circ Res (online) 7. November 2016

 

Kommentar

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