Weniger Demenzerkrankungen in den USA: Prävention durch Bildung und gesunden Lebensstil – auch in Deutschland?

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

13. Dezember 2016

Das Durchschnittsalter der Deutschen steigt und mit ihm – natürlicherweise – die  Rate altersbedingter Erkrankungen wie Demenz: Waren 2012 etwa 1,4 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, wird sich die Zahl nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bis 2050 auf etwa 3 Millionen erhöhen. Schätzungen aus den USA rechnen gar mit einer Verdreifachung im gleichen Zeitraum.

Prof. Dr. Wolfgang Maier

Trotz der düsteren Aussichten gibt es auch gute Nachrichten: Der Anteil der Senioren mit Demenz ist in den USA seit dem Jahr 2000 um ein Viertel gesunken. Das ist das Ergebnis der Kohortenstudie HRS (Health and Retirement), die Dr. Kenneth M. Langa von der Universität von Michigan in Ann Arbor und seine Kollegen jetzt in JAMA Internal Medicine publiziert haben [1].

„Die Health and Retirement-Studie ist damit die 4. Studie, die einen Rückgang bei den altersspezifischen Neuerkrankungen zeigt. Die Ergebnisse früherer Arbeiten hatten bereits dieselbe Beobachtung gezeigt. Insofern waren die Studienergebnisse aus HRS zu erwarten gewesen“, kommentiert Prof. Dr. Wolfgang Maier die Ergebnisse von HRS. Maier ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn und Koordinator der AgeCoDe-Studie. Diese Kohortenstudie in der hausärztlichen Versorgung untersucht, welche Faktoren die Entstehung und den Verlauf einer demenziellen Erkrankung beeinflussen.

Demenzfälle nehmen zu, gleichzeitig sinkt das Erkrankungsrisiko des Einzelnen

 
Die Health and Retirement-Studie ist damit die 4. Studie, die einen Rückgang bei den altersspezifischen Neuerkrankungen zeigt. Prof. Dr. Wolfgang Maier
 

Mit dem Eintritt der Babyboomer ins Rentenalter war mit einer deutlichen Zunahme von Demenzerkrankungen gerechnet worden, zumal Adipositas und Diabetes – die über eine Zerebralsklerose das Demenzrisiko steigern – stark zugenommen haben. Doch erste Hinweise auf rückläufige Demenzraten gab es schon vor Jahren. Eine US-Studie aus 2008 zeigt einen Rückgang kognitiver Störungen bei älteren Menschen.

Hinweise auf eine Abnahme der altersspezifischen Neuerkrankungen bei unter 75-jährigen Schweden fand eine Arbeit aus 2013. Zu ähnlichen Ergebnissen gelangte eine im selben Jahr veröffentlichte britische Studie an 65-Jährigen. Nach Hochrechnungen dieser Studie gab es 1991 in England 664.000 Demenzkranke. Deren Zahl hätte sich bis 2011 auf 884.000 erhöhen müssen, wenn man die Alterung der Bevölkerung berücksichtigt. Tatsächlich lag die Zahl 2011 aber wesentlich niedriger, bei etwa 670.000. Das individuelle Risiko, an Demenz zu erkranken, ist demnach zurückgegangen.

„Damit haben alle 4 Studien – die aus den USA, aus Großbritannien, die schwedische Studie und jetzt die HRS – eine klare Reduktion der altersspezifischen Neuerkrankungsrate gezeigt“, betont Maier. „Es wird in Zukunft aber trotzdem mehr Demenzerkrankungen geben, weil die Anzahl alter Menschen enorm steigt. Dieser absoluten Zunahme an Erkrankungen steht das geringere Risiko des Einzelnen gegenüber, im Alter auch an einer Demenz zu erkranken“, erklärt Maier.

Kommentar

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