Das Aus für Hoffnungsträger Solanezumab: Lilly gibt Alzheimer-Medikament nach enttäuschender Phase-3-Studie auf

Deborah Brauser

Interessenkonflikte

9. Dezember 2016

Solanezumab verfehlt den primären Endpunkt: Der monoklonale Antikörper konnte die Abnahme der kognitiven Fähigkeiten bei Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz nicht verlangsamen, so das Fazit der mit Spannung erwarteten Ergebnisse aus der Phase-3-Studie EXPEDITION-3, die Lilly jüngst veröffentlicht hat [1].

Nur geringe Effekte unter Solanezumab

Die Studie umfasste mehr als 2.100 Patienten aus 11 Ländern, von denen etwa die Hälfte über 74 Wochen 400 mg Solanezumab i.v. im monatlichen Rhythmus erhielt. Die andere Hälfte hatte ein Placebo erhalten. Nach 80 Wochen konnte im ADAS-Cog14 k (Beurteilungsskala der kognitiven Fähigkeiten von Alzheimer-Patienten) kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden (p = 0,095).

„Auch wenn die Studienergebnisse inclusive vieler sekundärer klinischer Endpunkten einen Trend zugunsten von Solanezumab zeigen, war das Ausmaß der Behandlungs-Unterschiede gering“, erklärte das Unternehmen. Weiter gab es an, dass es keine weiteren Anstrengungen unternehme, um eine Zulassung des Wirkstoffs für diese Patientengruppe zu erlangen.

Suche nach antiamyloidalen Wirkstoffen geht weiter

„Die Alzheimer's Association ist von den negativen Studienergebnissen betroffen und auch enttäuscht“, sagt Dr. Maria Carrillo als wissenschaftliche Leiterin der Organisation gegenüber Medscape Medical News. „Das bedeutet jedoch nicht, dass wir die Suche nach anti-amyloidalen Wirkstoffen einstellen sollten. Es gab zudem diskrete Hinweise auf einen Nutzen durch Solanezumab. Vielleicht würde ja eine frühere Diagnose der Krankheit eine höhere Wirksamkeit zeigen können, aber das wissen wir nicht.“

Während die Fragen zu den nächsten Schritten in der Entwicklung des Wirkstoffes noch unbeantwortet bleiben müssen, will Lilly mit den beteiligten Prüfärzten zusammenarbeiten, um die offenen Nachfolgestudien von EXPEDITION, EXPEDITION-2 und EXPEDITION-3, angemessen abzuschließen.

 
Auch wenn die Studienergebnisse inklusive vieler sekundärer klinischer Endpunkten einen Trend zugunsten von Solanezumab zeigen, war das Ausmaß der Behandlungs-Unterschiede gering. Lilly
 

Solanezumab ist immer noch Gegenstand anderer Untersuchungen, einschließlich der Prüfung einer möglichen Anwendung bei Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen bei der Alzheimer-Krankheit in EXPEDITION-PRO, bei Patienten mit präklinischer Alzheimer-Krankheit in der A4-Studie (Anti-Amyloid Treatment in Asymptomatic Alzheimer's) sowie bei der DIAN-Studie (Dominantly Inherited Alzheimer's Disease).

Wie Medscape Medical News bereits berichtet hat, konnte bei Patienten mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz in der EXPEDITION-1- und auch -2-Studie kein signifikanter Vorteil von Solanezumab 400 mg per Infusion gegenüber Placebo festgestellt werden.

Die im Vorfeld definierte Sekundäranalyse der ersten Studie zeigte jedoch einen Rückgang des kognitiven Abbaus in der Subgruppe mit leichter Alzheimer-Demenz. Dieser Rückgang war in der Sekundäranalyse der zweiten Studie nicht signifikant. Gepoolte Daten zeigten jedoch eine signifikante 34%-ige Reduktion des kognitiven Abbaus im ADAS-Cog14.

Somit waren laut Lilly auch die Erwartungen an die EXPEDITION-3 als erster Phase-3-Studie bei ausschließlich leicht dementen Alzheimer-Patienten hoch.

 
Vielleicht würde ja eine frühere Diagnose der Krankheit eine höhere Wirksamkeit zeigen können, aber das wissen wir nicht. Dr. Maria Carrillo
 

„Sie war ein gutes Beispiel für das, was wir als „Next-Generation-Studie” bezeichnen. Es wurde sichergestellt, dass jeder Patient Amyloide oder zumindest das zu behandelnde Protein aufweist. Die Hoffnung war also groß“, führte Carillo an.

„Jahrelang hatten wir in unseren Studien einen Patientenanteil von vielleicht 25 oder 30%, die gar keine Alzheimer-Demenz hatten, sondern unter einer anderen Demenzform litten. Wir haben also aus der EXPEDITION-1- und -2-Studie eine Menge gelernt“, fügte sie hinzu.

Die Ergebnisse entsprachen „allerdings nicht dem, was wir erwartet hatten und es tut uns für die Millionen Menschen leid, die auf eine Behandlung warten, welche den Verlauf der Alzheimer-Demenz zu beeinflussen vermag“, sagt Lilly-Präsident und -Geschäftsführer Dr. John C. Lechleiter.

Weitere Studienergebnisse hat das Unternehmen für den CTAD-Kongress (Clinical Trials on Alzheimer´s Disease) in San Diego angekündigt.

 

REFERENZEN:

1. Lilly: Mitteilung zur Phase-3-Studie mit Solanezumab, 23. November 2016

 

Kommentar

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