Der „Rote-Hand-Brief“ bekommt einen Bruder: „Blaue Hand“ kennzeichnet ab sofort Schulungsmaterial für Medikamente

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

5. Dezember 2016

Ein neues Logo – die „Blaue Hand“– kennzeichnet ab sofort angeordnetes und behördlich genehmigtes Schulungsmaterial. Darauf haben sich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH), der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und Pro Generika geeinigt. Schulungsmaterialien für Fachkräfte und Patienten sind – je nach Gefährdungspotenzial – Teil des Risikomanagement-Plans, den Behörden bei der Zulassung neuer Medikamente fordern.

Die Logo-Darstellung zeigt eine blaue Hand, die der bekannten „Roten Hand“ für Arzneimittelwarnungen nachempfunden wurde. Der Schriftzug „behördlich genehmigtes Schulungsmaterial“ erklärt, was sich hinter der Kennzeichnung verbirgt. Ziel ist, Ärzte, Apotheker, aber auch Patienten verlässlicher zu erreichen.

Die Spreu vom Weizen trennen

Diese Maßnahme wurde nach Hinweisen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) notwendig. Mehrfach hatten Heilberufler wichtige Informationen von Herstellern mit Werbung verwechselt und einfach entsorgt. Folge waren zum Teil fatale Ereignissen, etwa Überdosierungen aufgrund einer neuen Wirkstärke.

 
Die Apotheke kann sich nicht erinnern, dieses Material erhalten zu haben und könnte das u.U. auch mit Werbung verwechselt haben. Ein Apotheker
 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie das Paul-Ehrlich-Institut zitieren 2 Antworten, die sie nach solchen Fehlern erhalten hatten: „Die Apotheke kann sich nicht erinnern, dieses Material erhalten zu haben und könnte das u.U. auch mit Werbung verwechselt haben“, erklärte ein Pharmazeut. Ähnlich äußerte sich ein Arzt: „Ich kann mich ebenfalls nicht erinnern, das Material erhalten zu haben. Falls ich es erhalten haben sollte, habe ich es wohl mit Werbung verwechselt.“

Generell sollen aber nicht nur Ärzte und Apotheker erreicht werden. Die Materialien können sich auch an Laien richten. Es kann sich auch um einen Patientenpass zur Verlaufskontrolle, eine Patientenbroschüre oder um Unterstützung zur sachgemäßen Anwendung transdermaler Pflaster handeln.

Kein europaweiter Standard

Neue Informationsmedien tragen das „Blaue-Hand-Logo“ seit 1. Dezember. Für bereits genehmigtes und im Verkehr befindliches Schulungsmaterial werden entsprechende Kennzeichnungen bei jeder Neuerung aufgebracht. Das BfArM und das PEI stellen alle angeordneten und behördlich genehmigten Schulungsmaterialien online bereit.

Wie die „rote Hand“ wird auch die „blaue Hand“ nur in Deutschland genutzt. Andere EU-Länder haben sich für andere Lösungen entschieden.

 

Kommentar

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