Tyrosinkinase-Hemmer bei CML: Dosisreduktion oft möglich – dies bessert die Verträglichkeit und senkt die Kosten

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

5. Dezember 2016

San Diego – Bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML), die auf Tyrosinkinase-Inhibitoren gut ansprechen (molekulares Ansprechen MR3 oder MR4), kann die Dosis halbiert werden, ohne dass es zu einem erneuten Rückfall kommt. Gleichzeitig bessern sich häufige Nebenwirkungen. Dies ergab die britische Studie DESTINY (De-Escalation and Stopping Therapy with Imatinib, Nilotinib or sprYcel), deren Ergebnisse Prof. Dr. Mhairi Copland, Paul O'Gorman Leukaemia Research Centre, Universität von Glasgow, bei einer Pressekonferenz der 58. Jahrestagung der American Society of Hematology in San Diego vorgestellt hat [1].

Prof. Dr. Mhairi Copland

Ein weiterer positiver Zusatzeffekt: Durch die Dosisreduktion ließen sich die Kosten für die Tyrosinkinase-Inhibitor-Therapie um etwa 45% senken. Copland sagte, sie würde bei Patienten, die sehr gut ansprechen, die Therapie auch ganz absetzen, aber „wir wissen, dass sich manche Patienten unwohl fühlen, wenn man die Behandlung komplett stoppt. Sie fühlen sich wohler, wenn man die Dosis reduziert.“

Während ein Therapiestopp nur bei tiefem molekularem Ansprechen (MR4) sinnvoll ist, kann eine Dosisreduktion auch schon bei Patienten mit stabilem molekularem Ansprechen (MR3) erwogen werden. „Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, dass ein Teil der Patienten möglicherweise unnötig übertherapiert wird“, so Copland.

Die DESTINY-Studie liefert nach Aussage von Moderator Prof. Dr. Mikkael Sekkeres, Cleveland Clinic, Cleveland, 2 wichtige Erkenntnisse: CML-Patienten, die eine lebenslange Therapie benötigen, können deren Dosis und damit deren Nebenwirkungen reduzieren – und die Dosisreduktion senkt die Kosten der Therapie deutlich.

Wie lange muss bei CML behandelt werden

Es ist eine der großen Fragen in der Behandlung der CML, ob bei Patienten mit anhaltend tiefem Ansprechen die Behandlung mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) beendet werden kann. Einige Studien zeigen, dass es bei 50 bis 60% der Patienten nach Therapiestopp zu keinem erneuten Rezidiv kommt, Voraussetzung ist jedoch, dass zuvor mit der Behandlung ein anhaltend tiefes Ansprechen mit einer MR4 erreicht wurde.

Dies bestätigen die von Prof. Dr. Francois-Xavier Mahon, Universität von Bordeaux, in der gleichen Pressekonferenz vorgestellten aktualisierten Daten der EURO-SKI-Studie, die im Wesentlichen schon beim ESMO-Kongress präsentiert worden waren (wie Medscape berichtete). 6 Monate nach Stopp der TKI-Behandlung waren noch 61% der Patienten in Remission, nach 12 Monaten waren es 55%, nach 24 Monaten 50% und nach 36 Monaten 47% der Patienten. Je länger die vorherige Imatinib-Therapie gedauert hatte, umso länger lebten die Patienten nach dem Behandlungsende ohne Rezidiv. Als optimal erwies sich eine Therapiedauer von mindestens 5,8 Jahren.

Dosisreduktion auch bei MR3-Ansprechen möglich

Allerdings war bislang offen, ob die 40 bis 50% Patienten mit tiefem Ansprechen, aber Rezidiv nach Absetzen von einer niedriger dosierten Behandlung profitieren können und ob dies auch für Patienten mit weniger tiefem Ansprechen (MR3) eine Option ist. Dieser Frage ist unter Leitung von Prof. Dr. Richard Clark, Universität von Liverpool, die britische DESTINY-Studie nachgegangen.

 
Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, dass ein Teil der Patienten möglicherweise unnötig übertherapiert wird. Prof. Dr. Mhairi Copland
 

An der Studie nahmen zwischen Dezember 2013 und April 2015 insgesamt 174 Patienten (98 Männer, 76 Frauen) in 20 britischen Zentren teil, die unter Behandlung mit Imatinib (n = 148), Nilotinib (n = 16) oder Dasatinib (n = 10) ein mindestens stabiles Ansprechen erreicht hatten. Zu Studienbeginn hatten in den letzten 12 Monaten 49 Patienten einen MR3-Status und 125 Patienten einen MR4-Status erreicht. Sie wurden über 12 Monate mit der halben Dosis des Tyrosinkinase-Inhibitors weiterbehandelt, also mit täglich 200 mg Imatinib, 50 mg Dasatinib oder zweimal täglich 200 mg Nilotinib.

 
Bei 93 Prozent der Patienten kam es also innerhalb von zwölf Monaten bei dosisreduzierter Therapie nicht zum Rezidiv. Prof. Dr. Mhairi Copland
 

Ein molekularer Rückfall war als Verlust des MR3-Status bei 2 aufeinanderfolgenden Messungen definiert, er wurde in 12 Fällen zwischen dem 2. und 12. Monat der dosisreduzierten Behandlung beobachtet. „Bei 93 Prozent der Patienten kam es also innerhalb von zwölf Monaten bei dosisreduzierter Therapie nicht zum Rezidiv“, so Copland. Ein Rückfall trat bei 9 von 49 MR3-Patienten (18,4%) nach einer medianen Zeit von 4,4 Monaten und bei 3 von 125 Patienten (2,4%) nach einer medianen Zeit von 8,7 Monaten auf. Wurden die Patienten erneut mit der vollen Dosis behandelt, erholten sie sich rasch.

„Die Nebenwirkungen – wie Lethargie, Durchfall, Hautausschlag, Übelkeit, periorbitales Ödem und dünnes Haar – besserten sich in den ersten ein bis zwei Monaten der Deeskalation deutlich, aber danach nicht mehr signifikant“, berichtete Copland. Und die Halbierung der Dosis hatte deutliche finanzielle Auswirkungen. So errechneten die britischen Forscher, dass bei den 174 Patienten hierdurch rund 1,9 Millionen britische Pfund – das entspricht ca. 2,3 Millionen Euro – (46,7%) im Vergleich zur vollen Dosis (ca. 4,2 Mio. britische Pfund oder ca. 5 Mio. Euro) über ein Jahr gespart werden konnten. In der MR4-Gruppe betrug die Einsparung 47,7%, in der MR3-Gruppe 44,2%.

 

REFERENZEN:

1. 58. ASH Annual Meeting (American Society of Hematology), 3. bis 6. Dezember 2016, San Diego, Kalifornien, USA

 

Kommentar

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