Prostatakrebs-Risiko nach Vasektomie: Cancer Prevention Study II sieht keine Erhöhung – ältere Studien aber schon

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

27. Oktober 2016

Männer, die sich einer Vasektomie unterziehen, haben kein erhöhtes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken oder zu sterben. Dass ergab die bislang größte prospektive Studie zu dieser Fragestellung, deren Ergebnisse Dr. Eric J. Jacobs, Krebsepidemiologe bei der American Cancer Society, Atlanta (USA), und Kollegen online im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht haben.

„Während Ergebnisse einer früheren Studie auf eine Assoziation hingewiesen hatten, zeigen unsere Ergebnisse keine Verbindung zwischen Vasektomien und dem Risiko für ein Prostatakarzinom bzw. für Tod aufgrund eines Prostatakarzinoms. Sie dürften für Männer, die eine Sterilisation in Erwägung ziehen, eine gewisse Beruhigung bedeuten“, so Jacobs in einer Pressemitteilung der ASCO. „Männer, die befürchten an einem Prostatakarzinom zu erkranken, sollten auf ein normales Körpergewicht achten und, wenn sie rauchen, darauf verzichten. Sowohl Übergewicht als auch Rauchen sind mit einem erhöhten Risiko für ein Prostatakarzinom assoziiert und erhöhen auch das Risiko für viele andere Erkrankungen“, ergänzte der Epidemiologe.

„Die hier vorgelegte Arbeit von Eric Jacobs und Koautoren ist die bislang zahlenmäßig größte prospektive Untersuchung zur Frage eines möglichen Zusammenhangs zwischen einer vorausgegangenen Vasektomie und dem späteren Entstehen eines Prostatakarzinoms bzw. der Prostatakarzinommortalität“, erläutert Dr. Christian Leiber, Leiter der Sektion Andrologie an der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Die Untersuchung konnte keinen statistisch signifikanten Zusammenhang finden, obwohl in dem untersuchten Kollektiv 7.000 Todesfälle durch ein Prostatakarzinom auftraten.“

Damit würden die Ergebnisse der Health Professionals Follow-Up Study (HPFS) deutlich relativiert. In dieser bislang größten prospektiven Studie zu dieser Frage war eine Vasektomie mit einem um etwa 10% höheren Risiko für ein Prostatakarzinom insgesamt sowie mit einem um etwa 20% höheren Risiko für ein höhergradiges oder tödliches Prostatakarzinom assoziiert.

 
Unsere Ergebnisse dürften für Männer, die eine Sterilisation in Erwägung ziehen, eine gewisse Beruhigung bedeuten. Dr. Eric J. Jacobs
 

Leiber weiter: „Letztlich sind aber auch diese Daten keine abschließende Antwort auf die Frage nach einem möglichen Zusammenhang von Vasektomie und Prostatakarzinom, da die Studie zwar prospektiv angelegt war, aber natürlich nicht mit dieser gezielten Fragestellung. Außerdem war es keine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT), die eigentlich notwendig wäre, um die Frage mit der höchstmöglichen wissenschaftlichen Evidenz zu beantworten.“

Zwei Kohorten analysiert

Jacobs und seine Kollegen analysierten den Zusammenhang zwischen Vasektomie und Prostatakarzinom-Sterblichkeit anhand der Daten von 363.726 Männern im Alter über 40 Jahren in der Cancer Prevention Study II (CPS II). In dieser Kohorte waren zwischen 1982 und 2012 insgesamt 7.451 Männer an einem Prostatakarzinom gestorben. 42.015 Männer dieser Kohorte hatten sich sterilisieren lassen.

Zudem untersuchten die amerikanischen Epidemiologen die Assoziation zwischen Vasektomie und Inzidenz eines Prostatakarzinoms bei 66.542 Männern in der CPS-II-Ernährungs-Kohorte, einer Subgruppe der CPS-II-Kohorte. In dieser Gruppe waren 10.589 Männer sterilisiert. Bei 9.133 Männern der Subgruppe wurde zwischen 1992 und 2011 ein Prostatakarzinom diagnostiziert. Die Hazard-Ratios wurden mit Cox-Modellen berechnet und an Alter, ethnische Herkunft, Ausbildung, Körpermassenindex sowie Raucherstatus adjustiert.

 
Letztlich sind aber auch diese Daten keine abschließende Antwort auf die Frage nach einem Zusammenhang von Vasektomie und Prostatakarzinom … Dr. Christian Leiber
 

Die Analyse der beiden Gruppen ergab, dass eine Vasektomie nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert war und auch nicht mit einer erhöhten Inzidenz für Prostatakrebs einherging.

Auch die Autoren weisen darauf hin, dass sich ihre Ergebnisse von denen der HPFS unterscheiden. „Die unterschiedlichen Ergebnisse könnten Zufall sein“, so ihre Meinung. Immerhin waren in der HPFS nur etwa 800 Todesfälle aufgrund eines Prostatakarzinoms berücksichtigt worden, während es in ihrer eigenen Studie rund 7.000 waren. Als große Vorteile ihrer Studie sehen Jacobs und Kollegen das prospektive Design und die hohen Patientenzahlen an. Ein gewisser Nachteil könnte sein, dass der Vasektomie-Status aufgrund der Aussagen der Frauen der Studienteilnehmer und damit möglicherweise zu niedrig erfasst worden ist. 

 

REFERENZEN:

1. Jacobs EJ, et al: J Clin Oncol (online) 19. September 2016

 

Kommentar

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