Capecitabin kann zum vorübergehenden Verlust der Fingerabdrücke führen

Fran Lowry

Interessenkonflikte

12. September 2016

Die Anwendung des verbreitetsten Chemotherapeutikums, Capecitabin, kann niederländischen Forschern zufolge zum Verlust der Papillarleisten der Fingerkuppen führen. Dieser Verlust ist jedoch nur vorübergehender Natur und die Papillarleisten bilden sich innerhalb von 2 bis 4 Wochen nach Behandlungsende wieder neu aus, schreiben die Autoren in JAMA Oncology [1].

Patienten vor Therapiebeginn aufklären

„Ärzte sollten jedoch diese mögliche Nebenwirkung einer Capecitabin-Therapie kennen und die Patienten darüber bereits zu Beginn der Therapie aufklären“, sagt Dr. Ron Mathijssen vom Erasmus MC Cancer Institute in Rotterdam gegenüber Medscape Medical News. „Diese Patienten sollten ein Attest ihres behandelnden Arztes mitführen, aus dem hervorgeht, dass ihre Fingerabdrücke aufgrund der Behandlung mit Capecitabin nicht oder nur eingeschränkt erkennbar sind.“

 
Ärzte sollten jedoch diese mögliche Nebenwirkung einer Capecitabin-Therapie kennen und die Patienten darüber bereits zu Beginn der Therapie aufklären. Dr. Ron Mathijssen
 

„Der persönliche Fingerabdruck spielt im Alltag eine zunehmende Rolle. Dabei geht es nicht nur um die Verbrechensbekämpfung, sondern auch um den Fingerabdruck als persönliches Kennzeichen und Erweiterung des Personalausweises. So etwa bei der Beantragung eines Ausweises in den Niederlanden oder bei der Einreise in verschiedene Staaten wie z.B. in die USA. Zunehmend finden sie auch als Ersatz für persönliche Passwörter beim Einloggen in ein Smartphone oder einen Tablet-PC Verwendung.“

Hand-Fuß-Syndrom als häufige Nebenwirkung

Capecitabin (Xeloda®, Roche; als Generikum seit 2013 im Handel) ist eine oral einzunehmende Vorstufe (Prodrug), die im Körper zu 5-Fluoruracil (5-FU) umgewandelt wird. Die Einsatzgebiete des Wirkstoffes sind vor allem metastasierte Mammakarzinome und kolorektale Karzinome.

Zu den Nebenwirkungen zählt auch das Hand-Fuß-Syndrom, bei dem es bei 60% der Patienten zu geröteten und schmerzempfindlichen Handflächen und Fußsohlen mit Blasenbildung und Desquamationen kommen kann. Diesem Effekt wird bisher auch der Fingerabdruckverlust zugeschrieben, der in der Literatur bisher nur sporadisch beschrieben wurde, erklärt Mathijssen weiter. Allerdings kommen die   Autoren in ihrer Studie zu einem anderen Ergebnis.

Qualität der Fingerabdrücke bei rund ein Sechstel der Patienten vermindert

 
Die Patienten können ein Hand-Fuß-Syndrom ohne Verlust der Fingerabdruckqualität erleiden und umgekehrt, was für einen ätiologischen Unterschied beider Phänomene spricht. Dr. Ron Mathijssen
 

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit den Polizeikräften in Den Haag durchgeführt. Mathijssen und seine Kollegen bestimmten den Zusammenhang zwischen dem Hand-Fuß-Syndrom und der Qualität der Fingerabdrücke an 337 Fingerabdruck-Sets mit sämtlichen 10 Fingern an 112 Patienten, die Capecitabin als Mono- oder Kombinationstherapie oder einen Tyrokinaseinhibitor (TKI) erhalten hatten. Die meisten Patienten wurden aufgrund eines kolorektalen oder hepatozellulären Karzinoms behandelt. 66 Patienten erhielten Capecitabin und 46 einen TKI. Die Fingerabdrücke wurden vor der Behandlung, 6 bis10 Wochen nach Therapiebeginn sowie nach Beendigung der Behandlung abgenommen.

Nach 8-wöchiger Behandlung wurde bei 9 Patienten (14%) ein schwerer Verlust der Fingerabdruckqualität unter Capecitabin und bei 1 Patienten (2%) unter dem TKI Sunitinib (Sutent®, Pfizer) festgestellt. Ein Hand-Fuß-Syndrom wurde überdies bei 46 Patienten (70%) der mit Capecitabin behandelten Patienten diagnostiziert und bei 21 Patienten (46%) unter TKI. Allerdings ist der Verlust der Papillarleisten kein Symptom des Hand-Fuß-Syndroms. Die Patienten können ein Hand-Fuß-Syndrom ohne Verlust der Fingerabdruckqualität erleiden und umgekehrt, was für einen ätiologischen Unterschied beider Phänomene spricht. Zudem ist die klinische Bedeutung des Fingerabdruckverlustes unklar“, sagt Mathijssen.


Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus http://www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

REFERENZEN:

1. van Doorn L, et al: JAMA Oncol. (online) 25. August 2016

 

Kommentar

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