Doppelt hält besser: STIKO hält Auffrischung der Pneumokokken-Impfung bei Senioren für sinnvoll

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

31. August 2016

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat jetzt ihre neuen Empfehlungen im Epidemiologischen Bulletin 34/2016 veröffentlicht [1]. Die Überarbeitung der Empfehlung für die Pneumokokken-Schutzimpfung für Senioren und andere gefährdete Risikogruppen steht dabei im Mittelpunkt. Aufgrund der begrenzten Dauer des Impfschutzes durch den 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23) hält die STIKO Wiederholungsimpfungen nach mindestens 6 Jahren nach individueller Indikationsstellung für sinnvoll. Erstmals gibt die STIKO Hinweise, wie sich Schmerz- und Stressreaktionen beim Impfen verringern lassen.

Eine Neuerung gibt es bei der Impfung gegen das Humane Papilloma Virus (HPV): Seit April 2016 ist neben den Impfstoffen Cervarix® und Gardasil® der 9-valente HPV-Impfstoff Gardasil®9 verfügbar. Alle 3 Impfstoffe können verwendet werden, um das Impfziel, eine Verringerung von Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen, zu erreichen. Eine begonnene Impfserie sollte möglichst mit dem gleichen HPV-Impfstoff vervollständigt werden.

Weniger als ein Drittel der Senioren gegen Pneumokokken geimpft

Pneumokokken sind in Europa die Hauptursache für bakterielle Lungenentzündungen. Nach Schätzungen der STIKO sterben jedes Jahr mehr als 5.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Pneumokokken-Erkrankung. Besonders gefährdet sind Kinder unter 2 Jahren, Menschen ab 60 Jahren sowie Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit bestimmten Grundkrankheiten, z.B. Personen mit einer Immunschwäche oder mit chronischen Krankheiten des Herzens oder der Lunge.

Nach den Daten der Deutschen Erwachsenengesundheitsstudie DEGS des RKI sind bislang nur 31% der Senioren (im Alter von 65 bis 79 Jahren) gegen Pneumokokken geimpft. „Eine bessere Umsetzung der Impf-Empfehlungen ist dringend wünschenswert“, so die STIKO. Dabei kann die Pneumokokken-Impfung beim gleichen Impftermin durchgeführt werden wie die Grippeschutzimpfung, die ebenfalls für Ältere und für chronisch Kranke aller Altersstufen empfohlen ist.

STIKO setzt weiterhin auf 23-valenten Pneumokokken-Impfstoff für Senioren

 
Die Angst oder Sorge vor möglichen Schmerzen kann die Einstellung gegenüber dem Arztbesuch, dem Impfen und die Akzeptanz von Impfungen ein Leben lang negativ beeinträchtigen … STIKO
 

Neben dem seit 1983 zugelassenen 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23) steht zwar seit einigen Jahren mit dem 13-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV13) ein zweiter Impfstoff für Erwachsene zur Verfügung, wie Medscape berichtete. Die STIKO empfiehlt nach gründlicher Analyse aller verfügbaren Studien allerdings weiterhin Patienten ab 60 Jahren als Standardimpfung ausschließlich mit PPSV23 zu impfen. PPSV23 hat gegenüber PCV13 den Vorteil gegen 23 statt 13 der insgesamt über 90 Pneumokokken-Serotypen zu schützen.

Wiederholungsimpfungen mit PPSV23 in einem Mindestabstand von 6 Jahren hält die STIKO bei Erwachsenen aufgrund der begrenzten Dauer des Impfschutzes grundsätzlich für sinnvoll. Jedoch sollten gesunde Erwachsene nicht routinemäßig erneut geimpft werden. Wiederholungsimpfungen könnten bei Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen in Erwägung gezogen werden, schreibt die STIKO mit Bezug auf die Fachinformation zu PPSV23.

Für Immungeschwächte und wenige andere Risikogruppen (Patienten mit Asthma, Lungenemphysem, COPD, Diabetes mellitus, Zerebralparesen oder Anfallsleiden) wird nun eine sequenzielle Impfung mit PCV13, gefolgt von PPSV23 nach 6 bis 12 Monaten empfohlen.

Für Kinder unter 2 Jahren gilt weiterhin die Empfehlung der routinemäßigen Impfung mit Konjugatimpfstoff, weil sie nach Impfung mit PPSV23 keine ausreichende Immunantwort entwickeln.

Erstmals Tipps gegen Schmerzen und Stressreaktionen nach Impfungen

Im Vergleich zu den Empfehlungen von 2015 nimmt die Aufklärungspflicht bei Schutzimpfungen einen noch größeren Raum ein, auch auf die Aufklärungsmerkblätter, die unentgeltlich über die Homepage des „Forum impfende Ärzte“ zur Verfügung stehen (www.forum-impfen.de, nach Anmeldung mit Passwort) wird ausführlich hingewiesen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass bei der Injektion von Impfstoffen Schmerzen und Stressreaktionen auftreten. Die Angst oder Sorge vor möglichen Schmerzen kann die Einstellung gegenüber dem Arztbesuch, dem Impfen und die Akzeptanz von Impfungen ein Leben lang negativ beeinträchtigen, sowohl bei Kindern als auch ihren Eltern“, schreibt die STIKO. Erstmals gibt die Impfkommission deshalb Tipps, wie sich Schmerzen und Stress für die zu Impfenden verringern lassen. Dazu gehören Hinweise auf bestimmte Injektionstechniken, schmerzstillende Medikamente und altersabhängige Ablenkungsmethoden.

 
Eine bessere Umsetzung der Impf-Empfehlungen ist dringend wünschenswert. STIKO
 

Generell sollte das Gesundheitspersonal beim Impfen eine ruhige Ausstrahlung haben, kooperativ und sachkundig sein. Wird der zu impfenden Person das Impfprocedere beschrieben, sei es wichtige eine neutrale Sprache zu wahren und die Worte sorgfältig zu wählen. Vermeiden sollte man fälschlich beruhigende oder unehrliche Phrasen wie: „Das tut überhaupt nicht weh.“

In Einzelfällen können Lidocain-haltige Schmerzpflaster oder Cremes unter einem Okklusionsverband bei Kindern ab dem Alter von 4 Monaten bis zum Alter von 12 Jahren benutzt werden, um die Schmerzen bei der Injektion zu reduzieren. Auch bei Jugendlichen und Erwachsenen mit einer ausgeprägten Angst vor der Injektion kann ein Schmerzpflaster hilfreich sein. Die Kosten der Pflaster müssen die Eltern oder die zu impfende Person gewöhnlich selbst tragen. Zur Schmerzreduktion kann auch Eisspray verwendet werden. Die Aufsprühzeit beträgt 2 bis 8 Sekunden und im Anschluss kann, nach entsprechender Desinfektion, sofort geimpft werden. Als nicht empfehlenswert stuft die STIKO die Erwärmung des Impfstoffs, die Stimulation der Injektionsstelle durch Reiben oder Kneifen und die orale Analgetika-Gabe vor oder während der Impfung ein.

Die Impfempfehlungen wurden auf der 82. bis 84. Sitzung der STIKO verabschiedet und ersetzen die Empfehlungen aus 2015. Eine ausführliche Darstellung aller Neuerungen und die wissenschaftlichen Begründungen veröffentlicht die STIKO in den Ausgaben 35 bis 37 des Epidemiologischen Bulletins.

 

REFERENZEN:

1. Robert Koch-Institut: Epid Bull, 34/2016

 

Kommentar

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