Meinung

Gesundheits-Gefahr durch Sonnencreme? Die häufigsten Mythen

Hansa Bhargava, MD

Interessenkonflikte

11. August 2016

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Worüber machen sich Ihre Patienten wirklich Gedanken, wenn es um Sonnencreme geht? Der Sommer ist da, und Eltern sorgen sich um den Sonnenschutz. Oder etwa nicht? Interessanterweise wird in den Medien wesentlich mehr über die Gefahr geredet, dass man infolge von Sonnencreme nicht genug Vitamin D abbekommt, als über die Wichtigkeit der Hautkrebs-Prävention. Ihre Patienten sind möglicherweise auch darüber besorgt, ob Sonnencreme sogar Krebs verursacht und ob manche Bestandteile endokrine Disruptoren sind.

Kürzlich fragte mich eine Mutter wie es sein kann, dass die Europäische Kommission bestimmte Sonnencremes verbietet, während dieselben Produkte von der US Food and Drug Administration (FDA) für den Gebrauch in den USA noch zugelassen sind. Lassen Sie uns auf Grundlage dieser kursierenden Mythen über häufige Mythen und wahre Fakten reden.

Mythos #1: Man bekommt einen Vitamin-D-Mangel, wenn man Sonnencreme benutzt.

Auch wenn die American Academy of Dermatology (AAD) sich darüber einig ist, dass keine Menge an UV-Exposition sicher genug ist, um Hautkrebs zu verhindern, wissen wir, dass die Sonne tatsächlich dazu beitragen kann, angemessene Vitamin-D-Spiegel zu erreichen. Eine prospektive schwedische Studie, die Frauen über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht hat und in diesem Jahr publiziert worden ist, unterstreicht die wichtigen gesundheitsfördernden Wirkungen der Sonnen-Exposition.[1] Die Forscher fassen zusammen, dass die völlige Vermeidung von Sonne negative Auswirkungen auf die Gesundheit hätte, die denen des Rauchens ähnlich wären. Ein paar Experten führten an, dass allein zweimal pro Woche 5 bis 30 Minuten Sonnen-Exposition genügen würden, um genug Vitamin D zu synthetisieren.

"Sonnencremes sind ein wirksames Mittel, um Hautkrebs zu verhindern, und sie sind notwendig."

Ein Review, der diese Frage prüfen wollte, kam zu dem Schluss, dass – auch wenn Sonnencreme die Produktion von Vitamin D unter sehr kontrollierten Bedingungen verringern kann – der alltägliche Gebrauch üblicherweise keinen Vitamin-D-Mangel verursacht.[2] Außerdem benutzen die meisten Menschen nicht genug Sonnencreme und frischen den Sonnenschutz mit Sicherheit nicht regelmäßig auf. Tatsächlich wenden nur 15% der Männer und 30% der Frauen Sonnencreme so an, wie es empfohlen wird – das war das Resultat einer Studie, die im letzten Jahr im Journal of the American Academy of Dermatology veröffentlicht worden ist.[3] Fast die Hälfte, nämlich 42% der Männer, haben noch nie Sonnencreme benutzt. Vorliegende Daten lassen vermuten, dass der Gebrauch von Sonnencreme keinen substantiellen Effekt auf die Vitamin-D-Absorption hat.

Mythos #2: Sonnencreme ist mit früher Pubertät, Krebs, und weiteren Erkrankungen assoziiert.

Der chemischer Bestandteil Oxybenzon, der in Sonnencreme gefunde wird, wurde von verschiedenen Verbraucher-Seiten als endokriner Disruptor bezeichnet. Eine Studie mit Ratten, denen große Mengen an Oxybenzon oral gegeben worden ist, hat Bedenken bezüglich der östrogenen Effekte dieses Bestandteils geweckt.[4] Aber verschiedene Studien zu diesem Produkt, das topisch als Sonnencreme bei Menschen verwendet worden ist, kamen zu dem Schluss, dass diese Bedenken unbegründet sind – selbst bei einer hohen topischen Dosis.[5]

Mythos #3: Europa hat chemische Bestandteile verboten, die in US-Sonnencremes noch benutzt werden.

Kurz gesagt: Es gibt keine Bestandteile, die in den USA erlaubt und in Europa verboten sind. Das Wissenschaftliche Kommitee der Europäischen Kommission für Verbraucherschutz hat im Jahr 2008 ein Positionspapier veröffentlicht. Dieses basiert auf einem Review, der sich mit der aktuellen Evidenz der Sicherheit des Oxybenzons auseinandersetzt und letztendlich dessen Sicherheit schlussfolgert. Im Gegensatz dazu gibt es 8 Sonnencreme-Bestandteile, die in Europa zugelassen sind, aber nicht von der FDA in den USA. Für alle diese Bestandteile hat die FDA festgestellt, dass mehr Daten benötigt werden, um die Sicherheit der Verwendung in frei verkäuflichen Sonnencreme-Produkten sicherzustellen.

Was sollten Patienten über Sonnencreme wissen?

Sonnencremes sind ein wirksames Mittel, um Hautkrebs und Sonnen-bedingte Schäden zu verhindern, und sie sind notwendig. Die AAD berät online Konsumenten zum Gebrauch und Kauf von Sonnencreme. Die Skin Cancer Foundation stellt Patienten eine Reihe an downloadbarem Lehrmaterial zu Sonnen-Themen – darunter Sonnenschutz, Kleitdung und Augen-Schutz – zur Verfügung (Anmerkung der Redaktion: Deutsches Infomaterial gibt es u.a. bei der Deutschen Krebshilfe).

Erinnern Sie Ihre Patienten und Ihre Familie daran, dass zusätzlich zur Sonnencreme weitere Mittel ebenso wichtig sind – zum Beispiel, sich bedeckt zu halten, nicht zu bestimmten Zeiten draußen zu spielen, und Sonnencreme alle 2 Stunden erneut aufzutragen, besonders, wenn geschwommen wird. Tragen Sie auch eine Sonnenbrille.

Da Sie nun die Fakten kennen, sind Sie hoffentlich gewappnet und bereit Ihre Patienten darüber aufzuklären, was sie wirklich tun sollten: Sonnencreme benutzen, und sich selbst und ihre Familien zu schützen.

Kommentar

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