Meinung

Tipps für bessere Abstracts: „Die Details sind so wichtig wie der Inhalt“

Dr. Shari Langemak

Interessenkonflikte

20. Juli 2016

Dr. Hannah Cock

Gerade für junge Forscher ist es häufig sehr entmutigend, wenn der eigene Abstract bei einer Konferenz abgelehnt wird. Gründe dafür gibt es viele – doch auf die meisten hat der Forscher einen Einfluss, wie Dr. Hannah Cock in einem Workshop auf dem Europäischen Neurologenkongress (EAN) in Kopenhagen berichtete. Im Gespräch mit Medscape gibt die Vorsitzende des EAN-Fortbildungskommittees Tipps, wie es Ärzte künftig besser machen können.

Medscape: Besonders junge Ärzte, die noch nie einen Abstract eingereicht haben, fragen sich wahrscheinlich, wie Sie mit diesem Prozess beginnen sollen. Was sollten sie Ihrer Meinung nach zuerst tun?

Dr. Cock: Während unserer Abstract-Session haben wir festgestellt, dass tatsächlich gerade der erste Schritt vielen Ärzten schwer fällt. Es gibt viele Hindernisse: Sie wissen nicht, wie sie es insgesamt angehen sollen, die Fachsprache stellt ein Problem dar und sie wissen nicht genau, was der wahre Sinn eines Abstracts ist.

Als Erstes lohnt es sich zu prüfen, ob die „4 C’s“ beachtet worden sind – das heißt, ob der Abstract klar, kurz, vollständig und in sich geschlossen ist (auf Englisch: clear, concise, complete und cohesive). Außerdem sollten sich Ärzte über die Stichwörter im Titel Gedanken machen. Die Überschrift muss den Leser fesseln, zeigen, worum es im Abstract geht, aber auch eine eigene Botschaft enthalten. Kurz gesagt: Sie muss hervorstechen. Reviewer müssen hunderte von Abstracts prüfen, und manchmal sogar tausende. Deshalb bedarf es einer Überschrift, die sofort Aufmerksamkeit erregt und den Leser für sich einnimmt.

Der Abstract selbst sollte sehr gut strukturiert sein, und muss den Vorgaben des Kongresses folgen. Wir empfehlen beispielsweise Grafiken oder Tabellen zu benutzen. Trotzdem nutzen manche diese Option nicht – eine verpasste Gelegenheit. Abbildungen können Informationen sehr effizient zusammenfassen, und sagen gleichzeitig etwas über die Präsentations-Fähigkeiten aus. Das hilft uns zu entscheiden, ob jemand dazu fähig wäre, seine Ergebnisse in einem Poster oder Vortrag zu präsentieren.

Der Abstract ist oft die erste Bekanntmachung einer Studie mit dem Rest der Welt. Es ist die erste Gelegenheit Nachrichten und Ergebnisse zu teilen. Aber man muss den Abstract auch als Möglichkeit für sich begreifen, da dieser für immer online erscheinen wird, sobald er einmal publiziert worden ist.

Medscape: Was sind typische Fehler, die Sie und andere Reviewer häufig beobachten?

Dr. Cock: Viele der eingereichten Abstracts sind keiner vernünftigen Rechtschreibprüfung unterzogen worden. Offensichtlich ist das aber noch wichtiger wenn jemand in einer ihm fremden Sprache schreibt. Wir sehen viele Abstracts in denen Wörter vorkommen, die es in der englischen Sprache nicht einmal gibt. Auch wenn wir verstehen können, was eigentlich gemeint ist, können wir solche Einreichungen nicht akzeptieren. Wenn sich jemand bei seinem Abstract nicht die Mühe gemacht hat, frage ich mich, ob er es bei seiner Präsentation tun wird. Und, wie bereits erwähnt, werden alle Abstracts online publiziert. Ihre Qualität sagt damit auch etwas über unsere Gesellschaft aus. Deshalb akzeptieren wir nur Abstracts, die wir auch bedenkenlos publizieren könnten. Auf die Details zu achten – die Rechtschreibung, die Struktur, die Wortzahl, die Sprache – ist genauso wichtig wie der eigentliche Inhalt.

 
Es bedarf einer Überschrift, die sofort Aufmerksamkeit erregt und den Leser für sich einnimmt.
 

Außerdem sollte erst einmal darüber nachgedacht werden, was der eigentliche Inhalt ist. Es gibt 2 unterschiedliche Gründe, einen Abstract zu schreiben: Entweder möchte jemand neue Ergebnisse präsentieren, oder eine Geschichte teilen. Natürlich möchte man manchmal einfach eine Konferenz besuchen, darf aber nur hinfahren, wenn der eigene Abstract angenommen worden ist. Aber auch in diesem Fall muss man an den Inhalt denken.

Man kann nicht einfach irgendetwas einreichen. Es muss eine neue Botschaft, einen neuen Ansatzpunkt oder irgendetwas anderes geben, was andere noch nicht kennen. Dagegen nützt es dem Publikum nichts, einen weiteren Fallbericht über eine Krankheit zu hören, die schon zehnmal zuvor beschrieben worden ist.

Ein weiterer häufiger Grund für eine Absage ist außerdem, dass sich der Einreichende nicht genügend Gedanken über sein Publikum gemacht hat. Die wichtige Frage ist dabei immer: Ist dies der richtige Kongress für diese Botschaft? Wenn jemand zum Beispiel eine hervorrangende Studie zur Mortalität von Krebs in seinem Land präsentiert, ist der EAN der falsche Kongress. Wenn es aber speziell um die Mortalität von Hirntumoren geht und dieser Aspekt herausgearbeitet wird, dann kann es hier interessant sein. Deshalb sollte man zuallererst an das Publikum denken.

Medscape: Das klingt nach einer Menge, die es vorab zu bedenken gilt. Wie viel Zeit sollten Interessierte ungefähr für die gesamte Vorbereitung einplanen?

Dr. Cock: Man sollte sich mindestens 2-3 Monate Zeit bis zum Einreichen geben, wenn man es gut machen will – es sei denn, man ist bereits ein erfahrener Abstract-Schreiber. Wer bereits viele Abstracts eingereicht hat, kann theoretisch eine Idee eine Woche vor Ende der Deadline haben und es dann innerhalb weniger Tage fertig stellen. Aber für die meisten, die noch recht unerfahren in dem Thema sind, dauert es eher Wochen anstatt Tage: Erst einmal müssen Inhalt, Botschaft und Sprache verbessert werden. Zusätzlich braucht man Zeit, um sich mit den Co-Autoren abzustimmen. Wir empfehlen außerdem, den Abstract jemandem zu zeigen, der nicht an der Studie mitarbeitet, um festzustellen, ob er den Inhalt verstehen können – denn die eigentliche Review-Situation kommt diesem Szenario sehr nahe.

Medscape: Nicht immer zahlt sich die gute Vorbereitung aus, und ein Abstract wird abgelehnt. Was empfehlen Sie in so einem Fall zu tun?

Dr. Cock: In unserer Session haben wir gefragt, wer jemals eine Ablehnung bekommen hat. Tatsächlich wurde jeder, der bereits einmal angenommen worden ist, auch schon einmal abgelehnt. Also sollte man eine Ablehnung nicht persönlich nehmen. Üblicherweise wird man über das Ergebnis etwa einen Monat nach Entscheidung informiert – ob man für einen Vortrag, ein Poster, oder einen Kurzvortrag angenommen, oder ob man eben abgelehnt worden ist. Im zweiten Fall gibt die EAN ein persönliches Feedback über die Gründe der Ablehnung, wenn möglich. Wir bitten unsere Reviewer – insbesondere wenn sie einen Vortrag ablehnen oder für einen Award empfehlen – ihre Entscheidung zu begründen. Dies gibt uns die Möglichkeit, das Feedback weiterzuleiten.

 
Eine Ablehnung sollte man nicht persönlich nehmen.
 

Wer nicht für einen Vortrag, aber ein Poster eingeladen worden ist, sollte außerdem wissen, dass dies manchmal nichts mit der Qualität der Arbeit, sondern mit der Struktur des Kongresses zu tun hat. Manchmal wissen wir einfach nicht, wo ein spezifischer Vortrag noch platziert werden kann. Die Schlüsselbotschaft lautet: Sich nicht entmutigen lassen, und herausfinden, wieso man abgelehnt worden ist, um diese Informationen dann in Zukunft zu nutzen.

Tatsächlich ist dies einer der Gründe, warum wir den Workshop überhaupt gehalten haben. Wir wollen nicht, dass sich jemand von der Gesellschaft abgelehnt fühlt. Wir wollen vielmehr helfen, ihre Arbeit zu verbessern. Es macht keinen Sinn, jemanden abzulehnen und dann aber keine Möglichkeit zur Verbesserung zu geben. Feedback hilft nicht nur dabei, die Qualität des Kongresses zu verbessern, sondern auch die Qualität der Wissenschaft und Arbeit in Europa. Und wenn wir als wissenschaftliche Organisation zeigen können, dass wir helfen wollen, bekommen wir hoffentlich auch mehr hervorragende wissenschaftliche Arbeiten.

 

REFERENZEN:

1. Kongress der European Academy of Neurology (EAN), 28. bis 31. Mai 2016, Kopenhagen (Dänemark)

 

Kommentar

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