Phytotherapie in der Menopause: Soja und Rotklee gegen Hitzewallungen und Scheidentrockenheit?

Inge Brinkmann

Interessenkonflikte

14. Juli 2016

Durch die aktuelle Diskussion um die Hormonersatztherapie bei Frauen im Klimakterium steigt auch das Interesse an pflanzlichen Alternativen. Belege für deren Wirksamkeit waren bislang rar. Eine kürzlich im JAMA publizierte Metaanalyse kommt nun zum Schluss, dass die Einnahme sogenannter Phytoöstrogene, wie sie beispielsweise in Soja und Rotklee vorkommen, bestimmte menopausale Beschwerden geringgradig verbessert [1].

Dr. Carolin Hack

Hitzewallungen und vaginale Trockenheit lassen demnach durch die Einnahme phytoöstrogenhaltiger Präparate geringfügig nach. Das Auftreten von Nachtschweiß scheint sich dagegen mit der Einnahme solcher Produkte nicht zu reduzieren. So lautet das Fazit der Autorengruppe um Prof. Dr. Oscar H. Franco vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam.

Für Dr. Carolin Hack, Funktionsoberärztin an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, gilt die aktuelle Metaanalyse als Beleg für die Wirksamkeit der phytoöstrogenen Inhaltsstoffe. Sie betont jedoch gegenüber Medscape: „Frauen sollten selbst pflanzliche Mittel nicht ohne vorherige ärztliche Beratung einnehmen.“ So könne Risiken, wie z.B. möglichen Interaktionen mit anderen Medikamenten, vorgebeugt werden. An der Universitätsklinik Erlangen sei auch deshalb eine Spezialambulanz für Integrative Therapie eingerichtet worden.

Fast jede zweite Frau mit Wechseljahresbeschwerden greift auf pflanzliche Produkte zurück

Wegen potenzieller Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie, wie Brustkrebs oder negativer Effekte auf die kardiovaskuläre Gesundheit, würden in westlichen Ländern mittlerweile 40 bis 50% der Frauen mit Wechseljahresbeschwerden auf komplementäre bzw. pflanzliche Therapien zurückgreifen, schreiben Franco und seine Kollegen in ihrer Publikation.

Zur Wahl steht den Frauen ein breites Spektrum von pflanzlichen (Nahrungsergänzungs-)Mitteln. Die Angebotsspanne reicht von (chinesischen) Kräutermitteln über apothekenpflichte Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze bis hin zu isolierten Isoflavonen aus Soja und Rotklee. Letztere gehören zu den Phytoöstrogenen, d.h. sie können an verschiedene Östrogenrezeptoren binden und im menschlichen Organismus eine (schwache) östrogene Wirkung hervorrufen.

Die Wirkungen von Isoflavonen und anderer pflanzlicher Präparate bei Wechseljahresbeschwerden sind bislang allerdings nicht hinreichend gesichert. Die Autoren der vorliegenden Studie kritisieren in dem Zusammenhang, dass bisherige Untersuchungen bedeutende Mängel (z.B. geringe Stichprobengröße oder kurze Follow-up-Zeiten) aufgewiesen hätten. Übersichtsarbeiten hätten sich überdies nur auf einzelne Symptome oder ein spezifisches Phytoöstrogen konzentriert. Einen umfassenderen Überblick sollte nun die aktuelle Untersuchung liefern. Finanziell unterstützt wurde die Untersuchung von Metagenetics Inc., einem auf Fertigung und Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln spezialisierten Unternehmen.

Große Datenmenge ist ein Plus – führt aber auch zur Vermengung unterschiedlichster Studien

In ihr Review und die Metaanalyse flossen Daten aus insgesamt 62 randomisierten klinischen Studien mit 6.653 Frauen ein, die die Wirkung von pflanzenbasierten Therapien – gegenüber einem Placebo oder keiner Therapie – auf die Symptome Hitzewallungen, Nachtschweiß und vaginale Trockenheit untersuchten.

Frauen sollten selbst pflanzliche Mittel nicht ohne vorherige ärztliche Beratung einnehmen. Dr. Carolin Hack

36 dieser Studien konzentrierten sich speziell auf die Wirkung von Phytoöstrogenen (Isoflavone aus Sojabohnen, Rotklee u.a.), 16 untersuchten mögliche Effekte der Traubensilberkerze und weitere 10 die Wirkung (chinesischer) Heilkräuter. Im Mittel umfassten die Studien 80 Teilnehmerinnen mit einem Altersdurchschnitt von 52 bis 53,5 Jahren.

Die große Datenmenge stärke die Aussagekraft der Metaanalyse, meint Hack. Allerdings würden auf diese Weise auch Studien zu ganz verschiedenen Produkten mit unterschiedlichsten Zusammensetzungen vermengt. „Das ist durchaus ein möglicher Kritikpunkt“, räumt sie ein.

Hitzewallungen und vaginale Trockenheit wurden geringfügig reduziert

Die Analyse zeigte, dass zumindest die Anwendung von Phytoöstrogenen zu einer signifikanten, wenn auch nur geringfügigen Reduktion der Zahl täglicher Hitzewallungen sowie der Ausprägung der vaginalen Trockenheit geführt hat.

Für betroffene Frauen können ein bis zwei Hitzewallungen weniger pro Tag schon eine Erleichterung darstellen. Dr. Carolin Hack

Die Zahl der täglichen Schweißausbrüche reduzierte sich dabei um den Faktor 1,31 (95%-Konfidenzintervall -2,02 bis -0,61). Die Frauen mögen damit nicht komplett von den Hitzewallungen befreit sein, die Wirkung sei trotzdem nicht unbedeutend, meint Hack. „Für betroffene Frauen können ein bis zwei Hitzewallungen weniger pro Tag schon eine Erleichterung darstellen.“

Weiterhin verringerte sich die Trockenheit der Scheide auf dem Vaginal Dryness Score um 0,31 Punkte (95%-KI -0,52 bis -0,10), wobei 0 = nicht existent, 1 = mild, 2 = mittel, 3 = schwer bedeutet. Auswirkungen auf den Nachtschweiß ließen sich bei dieser Wirkstoffgruppe nicht nachweisen.

Aufgrund der generell suboptimalen Qualität und der Heterogenität der aktuellen Erkenntnisse sind weitere streng kontrollierte Studien notwendig. Prof. Dr. Oscar H. Franco

Gesonderte Analysen zu Kräutermitteln bzw. speziell chinesischen Kräuterpräparaten konnten aufgrund der geringen Studienzahl nicht durchgeführt werden. Die Autoren dokumentierten jedoch im Zusammenhang mit Kräuterprodukten (allerdings nicht mit chinesischen Kräutern) eine generelle Reduktion vasomotorischer Symptome.

Weitere streng kontrollierte Studien sind notwendig

Dass sich für die häufig im Zusammenhang mit Wechseljahresbeschwerden angewendete Traubensilberkerze keine Hinweise auf bedeutende Effekte zeigten, hat Hack überrascht. Ihrer Ansicht nach gebe es bereits genügend Belege für die Wirksamkeit der Heilpflanze.

Möglicherweise offenbare sich hier aber auch das Problem der großen Heterogenität der einzelnen Studien, meint Hack, Gründungsmitglied der Kommission Integrative Medizin in der Onkologie innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO), einer selbständigen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft.

Dass die Uneinheitlichkeit der einzelnen Studien ein grundsätzliches Problem der Metaanalyse gewesen sein könnte, räumen auch Franco und seine Kollegen ein. Sie schreiben: „Aufgrund der generell suboptimalen Qualität und der Heterogenität der aktuellen Erkenntnisse sind weitere streng kontrollierte Studien notwendig, um einen Zusammenhang zwischen pflanzenbasierten bzw. natürlichen Therapien und der Gesundheit in der Menopause zu ermitteln.“

REFERENZEN:

1. Franco OH, et al: JAMA. 2016;315(23):2554-2563

Kommentar

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