Multiresistenter Hefepilz: US-Behörde warnt vor Candida auris – doch wie gefährdet sind deutsche Patienten?

Anke Brodmerkel

Interessenkonflikte

11. Juli 2016

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) warnen vor einem multiresistenten Hefepilz, der sich in Krankenhäusern verbreiten könnte. Candida auris siedelt sich bevorzugt im Blut, in Wunden und im Ohr von Patienten an. Darüber hinaus habe man ihn bereits im Lungen- und im Urogenitaltrakt nachgewiesen, heißt es in Mitteilungen der CDC [1;2].

Ein Ausbruch in Deutschland gilt derzeit als unwahrscheinlich

 
Keiner, der in einem hiesigen Krankenhaus behandelt wird, muss sich vor einer Infektion mit dem Hefepilz fürchten. Prof. Dr. Oliver Kurzai
 

Auch hierzulande beobachte man die Situation genau, sagt Prof. Dr. Oliver Kurzai vom Nationalen Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk) in Jena im Gespräch mit Medscape. Ein Ausbruch von Candida auris in Deutschland sei derzeit aber sehr unwahrscheinlich. „Keiner, der in einem hiesigen Krankenhaus behandelt wird, muss sich vor einer Infektion mit dem Hefepilz fürchten“, sagt Kurzai, der am Jenaer Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie, dem Hans-Knöll-Institut, systemische Pilzerkrankungen des Menschen erforscht.

Infektionen mit dem Pilz, gegen den viele der gängigen Antimykotika nicht wirken, führen anscheinend häufig zu lebensgefährlichen Komplikationen. Nach Angaben der US-Behörde sind bislang 60% aller Patienten, in deren Körper Candida auris nachgewiesen wurde, gestorben. Allerdings war ein Teil dieser Menschen bereits vor der Infektion schwer krank, sodass sich nicht genau sagen lässt, wie viele der Todesfälle tatsächlich auf den Hefepilz zurückzuführen sind.

Besonders gefährdet für eine Infektion mit Candida auris sind den CDC zufolge Patienten, die auf der Intensivstation liegen und/oder über einen zentralen Venenkatheter versorgt werden. Diabetes sowie eine Behandlung mit Antibiotika oder Antimykotika erhöhten ebenfalls das Risiko einer Infektion mit dem Hefepilz, warnen die Experten. Das Alter scheine für das Infektionsrisiko hingegen keine Rolle zu spielen.

 
Oft ist Candida auris in diesen Datenbanken noch gar nicht enthalten, weswegen der Pilz nicht erkannt beziehungsweise für eine andere Art gehalten wird. Prof. Dr. Oliver Kurzai
 

Erstmals beschrieben wurde Candida auris im Jahr 2009, nachdem er im Ohrenausfluss eines japanischen Patienten entdeckt wurde. Infiziert hatte der Pilz Menschen allerdings schon zuvor, erstmals vermutlich im Jahr 1996 in Südkorea. Inzwischen ist der Erreger dem CDC-Bericht zufolge in 7 weiteren Ländern nachgewiesen worden: in Indien, Südafrika, Kuwait, Kolumbien, Venezuela, Pakistan und Großbritannien. Allerdings unterscheidet sich das genetische Profil des Pilzes in den einzelnen Ländern recht deutlich voneinander. Auch am NRZMyk sei man schon einmal auf Candida auris gestoßen, berichtet Kurzai, und zwar bei einem Patienten aus Stuttgart. Daraus ließen sich natürlich keine Fallzahlen für Deutschland ableiten, sagt der Experte.

Noch fehlt es an zuverlässigen Tests

Derzeit ist es schwierig, Candida auris überhaupt nachzuweisen. Denn bei den gängigen Tests wird ein Profil des Erregers erstellt, das anschließend automatisch mit den vorhandenen Profilen einer Datenbank abgeglichen wird. „Oft ist Candida auris in diesen Datenbanken noch gar nicht enthalten, weswegen der Pilz nicht erkannt beziehungsweise für eine andere Art gehalten wird“, sagt Kurzai. Laut den CDC kommt es insbesondere mit den Arten Candida haemulonii and Saccharomyces cerevisiae häufiger zu Verwechslungen. „Wichtig ist es daher jetzt vor allem, dass die kommerziellen Tests den multiresistenten Erreger mitaufnehmen“, betont Kurzai.

 
Da es bislang weltweit nur einige hundert Fälle gegeben hat, bei denen Candida auris einen Menschen infiziert hat, können die Resistenzen nicht therapiebedingt erworben sein … Prof. Dr. Oliver Kurzai
 

Wie die CDC berichten, sind fast alle der bisher isolierten Stämme des Hefepilzes resistent gegen Fluconazol. Bei mehr als der Hälfte der Stämme habe Voriconazol keine Wirkung gezeigt. Etwa ein Drittel sei gegen Amphotericin B und einige wenige gegen Echinocandine resistent gewesen, heißt es in dem US-Report. „Da es bislang weltweit nur einige hundert Fälle gegeben hat, bei denen Candida auris einen Menschen infiziert hat, können die Resistenzen nicht therapiebedingt erworben sein, sondern sind offenbar zumindest teilweise primär vorhanden“, sagt Kurzai.

Infizierte Patienten müssen isoliert werden

Um eine Infektion dennoch zu behandeln, empfehlen die Experten der CDC, wenn selbst eine Behandlung mit Echinocandin nicht anschlägt, mehrere Klassen von Antimykotika in hohen Dosen miteinander zu kombinieren. Zudem rät die Behörde dazu, infizierte Patienten zu isolieren, beim Umgang mit ihnen entsprechende Schutzkleidung zu tragen und auf gute Handhygiene zu achten. Auch alle Oberflächen in der Umgebung sollen gut gesäubert und desinfiziert werden. Zwar ist bislang noch unklar, auf welche Weise Candida auris sich verbreitet. Vieles deute jedoch daraufhin, dass die Übertragung sowohl von Mensch zu Mensch als auch durch kontaminierte Oberflächen erfolgen könne, schreiben die CDC-Mitarbeiter.

Sollte in Deutschland der Verdacht auf eine Infektion mit Candida auris entstehen, rät Kurzai dazu, in jedem Fall zunächst das Referenzlabor zu kontaktieren – um sicherzugehen, dass es sich bei dem Pilz wirklich um die multiresistente Variante handelt. „Erst bei einem Nachweis des Erregers ist es sinnvoll, Gegenmaßnahmen einzuleiten“, sagt der Wissenschaftler. Prophylaktische Schritte, um das Auftauchen des Hefepilzes im Vorfeld zu verhindern, seien derzeit nicht notwendig: „Dafür ist das Risiko eines Ausbruchs zu gering.“

 

REFERENZEN:

1. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Alert, 24. Juli 2016

2. Centers for Disease Control and Prevention: Candida auris Questions and Answers, 24. Juni 2016

 

Kommentar

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