Antibiotic Stewardship: Infektiologen fordern verbindliche Programme zur Resistenzbekämpfung

Michael Simm

Interessenkonflikte

1. Juli 2016

Die meisten Resistenzen entstehen nicht erst in der Klinik

Prof. Dr. Sebastian Lemmen

Neben ABS sollte man andere Maßnahmen zur Bekämpfung des Resistenzproblems nicht vernachlässigen, erinnerte in Würzburg Prof. Dr. Sebastian Lemmen. „Nicht mehr das Krankenhaus lässt die Erreger resistent werden, sondern in 90 Prozent der Fälle kommen die Patienten damit zu uns“, sagte der Leiter des Zentralbereichs Krankenhaushygiene und Infektiologie an der Universitätsklinik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

 
Nicht mehr das Krankenhaus lässt die Erreger resistent werden, sondern in 90 Prozent der Fälle kommen die Patienten damit zu uns. Prof. Dr. Sebastian Lemmen
 

Demnach liegt es nicht alleine an den Krankenhausärzten, Antibiotika limitiert und rational einzusetzen. Laut Lemmen werden nämlich 85% der Antiinfektiva im ambulanten Bereich eingesetzt und nur 15% stationär. Außerdem würden bakterielle Resistenzen durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Tiermast erzeugt, kritisierte der Infektiologe.

 
Die Compliance (beim Händewaschen) müsste auf 60 Prozent steigen – und an diesem Rad dreht ganz Deutschland. Prof. Dr. Sebastian Lemmen
 

Während erregerspezifische Präventionsmaßnahmen wie Screening, Eradikation und Isolierung in der Literatur kontrovers diskutiert würden, blieben die Hände des Personals der wichtigste Vektor für die Übertragung von Erregern.

Für die adäquate hygienische Händedesinfektion sieht Lemmen bundesweit eine Compliance von lediglich 20 bis 30%, wofür er auch die Arbeitsdichte, insbesondere im Pflegebereich, mitverantwortlich macht. „Die Compliance müsste auf 60 Prozent steigen – und an diesem Rad dreht ganz Deutschland.“

 

 

REFERENZEN:

1. 13. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, 15. bis 18. Juni 2016, Würzburg

 

Kommentar

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