GLP1-Agonist zeigt Stärke: Überzeugende kardiovaskuläre Risikosenkung unter Antidiabetikum Liraglutid in LEADER-Studie

Manuela Arand

Interessenkonflikte

15. Juni 2016

Liraglutid senkt kardiovaskulären Mortalität um 22 Prozent gegenüber Placebo

Die Ergebnisse stellte Prof. Dr. Steven Marso, Direktor der Interventionellen Kardiologie an der Universität Dallas, nun erstmals beim Kongress vor. Liraglutid erwies sich als klar überlegen: Der primäre Endpunkt wurde um 13% gesenkt (p = 0,01), vor allem aufgrund der hoch signifikanten Reduktion der kardiovaskulären Mortalität um 22% (p = 0,007).

Prof. Dr. Michael Nauck

Bemerkenswert ist die hohe Konsistenz der Ergebnisse: Bei allen Unterpunkten des primären Endpunkts, aber auch bei allen sekundären Endpunkten schnitt Liraglutid besser ab als Placebo, auch wenn die Ereignisraten teilweise zu klein waren, um Signifikanz zu erreichen. Selbst bei der Gesamtmortalität wurde eine signifikante 15%ige Reduktion erreicht (p = 0,02). Außerdem ergab die Subgruppenanalyse keinen Anhaltspunkt, dass es eine Patientengruppe geben könnte, die nicht von dem GLP1-Analogon profitiert.

Positiv fielen auch die klinischen und laborchemischen Analysen aus. Der HbA1c-Wert sank unter Liraglutid deutlich schneller und stärker, auch wenn sich die Gruppen im Verlauf etwas annäherten (Unterschied zu Placebo nach 36 Monaten: 0,4%). Ferner gab es am Ende signifikante Unterschiede zugunsten von Liraglutid beim Körpergewicht (minus 2,3 kg) und beim systolischen Blutdruck (1,2 mmHg).

 
Die Effekte auf HbA 1c, Blutdruck und Gewicht reichen aber nicht aus, um den Benefit unter Liraglutid zu erklären. Prof. Dr. Laurie Baggio
 

Hinsichtlich der unerwünschten Wirkungen gab es wenig Überraschungen, berichtete Prof. Dr. Michael Nauck, St. Josef-Hospital der Universität Bochum. Auch ernsthafte und schwere traten unter Liraglutid nicht häufiger auf als unter Placebo. Signifikant  häufiger wurden unter dem GLP1-Analogon Gallensteine beobachtet (p < 0,001) und – wenig verwunderlich – Reaktionen an der Injektionsstelle (p = 0,002) sowie Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe (jeweils p < 0,001).

Effekte durch antiarteriosklerotische Wirkung?

„Die Effekte auf HbA1c, Blutdruck und Gewicht reichen aber nicht aus, um den Benefit unter Liraglutid zu erklären“, betonte Prof. Dr. Laurie Baggio, Mount Sinai Hospital Toronto, die gebeten worden war, die Studienergebnisse zu diskutieren. Welche Mechanismen im Einzelnen dahinter stecken, bleibe zu klären. Dass sich die Überlebenskurven schon früh im Verlauf trennen, um dann immer weiter auseinander zu streben, könnte ein Hinweis auf eine antiarteriosklerotische Wirkung sein.

 
Wir betreten jetzt endgültig die Ära, in der Antidiabetika effektiv Kurzzeit- und Langzeit-Outcomes unserer Patienten verbessern. Prof. Dr. Matthew Riddle
 

„LEADER ist die größte und längste Studie, die wir zu kardiovaskulären Effekten von Antidiabetika haben“, kommentierte Prof. Dr. Matthew Riddle, University of Oregon, Portland. „Wir betreten jetzt endgültig die Ära, in der Antidiabetika effektiv Kurzzeit- und Langzeit-Outcomes unserer Patienten verbessern.“

Ein solcher Erfolg war seit Inkrafttreten der neuen FDA-Regularien bisher nur einem Antidiabetikum beschieden, dem SGLT2-Inhibitor Empagliflozin in der kürzlich veröffentlichten EMPA-REG-OUTCOME-Studie, ebenfalls einer kardiovaskulären Sicherheitsstudie.

 

REFERENZEN:

1. 76th American Diabetes Association Scientific Sessions, 10. bis 14. Juni 2016, New Orleans/USA

 

Kommentar

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