Nach CASTOR jetzt POLLUX: Bislang unerreichte Ergebnisse mit Daratumumab plus Lenalidomid beim multiplen Myelom

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

14. Juni 2016

Kopenhagen – Die „Zwillingsstudien“ CASTOR und POLLUX belegen die hohe Wirksamkeit von Daratumumab und Dexamethason in Kombination mit Bortezomib bzw. Lenalidomid bei vorbehandelten Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom. Nachdem bei der Jahrestagung der ASCO 2016 vor wenigen Tagen die überzeugenden Ergebnisse der CASTOR-Studie vorgestellt worden waren, präsentierte Prof. Dr. Meletios A. Dimopoulos, Abteilung für klinische Therapie an der Medizinischen Klinik der Universität von Athen, beim 21. Jahreskongress der European Hematology Association (EHA) nun in Kopenhagen die Ergebnisse der Phase-3-Studie POLLUX [1].

Die Dreifachkombination aus Daratumumab, Lenalidomid und Dexamethason senkte bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom das relative Risiko für Progression oder Tod um 63% im Vergleich zu Lenalidomid/Dexamethason. Bei rund 30% der Patienten war bei Behandlung mit der Dreifachkombination keine minimale Resterkrankung mehr nachweisbar. „Diese Kombination repräsentiert damit möglicherweise einen neuen Therapiestandard für rezidivierte oder refraktäre Myelompatienten, die mit mindestens einer Therapie vorbehandelt wurden“, so Dimopoulos.

Unterschiede zur CASTOR-Studie gebe es z.B. in der Patientenpopulation, erläuterte er auf Nachfrage in einer Pressekonferenz der EHA. In der POLLUX-Studie wurden auf Lenalidomid refraktäre Patienten nicht aufgenommen. „Es waren zwar Patienten mit Lenalidomid vorbehandelt, sie waren jedoch nicht resistent.“ Entsprechend waren in der CASTOR-Studie auf Bortezomib refraktäre Patienten nicht aufgenommen worden. „In dieser Studie waren jedoch etwa 20 Prozent der Patienten resistent auf Proteasomenhemmer“, so Dimopoulos.

 
Diese Kombination repräsentiert damit möglicherweise einen neuen Therapiestandard für rezidivierte oder refraktäre Myelompatienten, die mit mindestens einer Therapie vorbehandelt wurden. Prof. Dr. Meletios A. Dimopoulos
 

„Ein weiterer Unterschied zwischen den Studien ist, dass die Patienten in beiden Armen der POLLUX-Studie bis zur Progression oder inakzeptablen Toxizität behandelt wurden, während in der CASTOR-Studie die Bortezomib/Dexamethason-Gabe nach acht Zyklen gestoppt wurde und die Patienten nur mit Daratumumab bis zur Progression weiterbehandelt wurden.“ Es handele sich um 2 unterschiedliche Studien, aber „beide zeigen den signifikanten Effekt einer Zugabe von Daratumumab zu einem derzeit anerkannten Standard für rezidiviertes Myelom auf“, erläuterte Dimopoulos.

Offene Phase-3-Studie mit mehr als 560 Patienten

In der offenen, randomisierten Phase-3-Studie POLLUX wurden bei Patienten mit vorbehandeltem rezidiviertem oder refraktärem multiplen Myelom Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Dreierkombination aus Daratumumab, Lenalidomid und Dexamethason (n=285) mit der Zweierkombination Lenalidomid/Dexamethason (n = 283) verglichen. Das mediane Alter der Patienten lag bei 65 Jahren, sie waren im Median seit etwa 3,5 Jahren am multiplen Myelom erkrankt.

63% hatten eine autologe Stammzelltransplantation erhalten, etwa 86% waren mit einem Proteasominhibitor und rund 55% mit einem Immunmodulator wie Lenalidomid vorbehandelt worden. Etwa 27% sprachen auf die letzte Behandlung nicht mehr an. Die Studie wurde am 20. Mai 2016 vorzeitig gestoppt, weil bei der ersten geplanten Interimsanalyse die hierfür definierten Grenzen erreicht worden waren.

Interimsanalyse zeigt überzeugenden Effekt der Daratumumab-Zugabe

Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben (PFS) ist in der Daratumumab-Gruppe derzeit noch nicht erreicht, in der Lenalidomid/Dexamethason-Gruppe überlebten die Patienten im Median 18,4 Monate progressionsfrei. Das 1-Jahres-PFS betrug mit der Dreifachkombination 83%, mit der Zweier-Kombination 60% (Hazard Ratio 0,37, p < 0,0001): Das bedeutet eine bisher noch nie erreichte 63-prozentige Reduktion des Risikos für Progression oder Tod durch Daratumumab/Lenalidomid/Dexamethason im Vergleich zu Lenalidomid/Dexamethason.

Der Effekt der Behandlung war unbhängig davon, ob die Patienten zuvor schon Lenalidomid erhalten hatten oder nicht. Auch die Gesamtansprechrate war mit 93 versus 76% signifikant höher (p < 0,0001). Besonders beeindruckend war der Anstieg des sehr guten partiellen Ansprechens von 44 auf 76 % (p < 0,0001) und des kompletten Ansprechens von 19 auf 43% (p = 0,0001). Eine minimale Resterkrankung war ebenfalls bei signifikant mehr Patienten nicht mehr nachweisbar (30 vs. 8%). Der Effekt von Daratumumab war in allen Subgruppen nachweisbar.

 
Beide (Studien) zeigen den signifikanten Effekt einer Zugabe von Daratumumab zu einem derzeit anerkannten Standard für rezidiviertes Myelom auf. Prof. Dr. Meletios A. Dimopoulos
 

Die Zugabe von Daratumumab führte häufig zu infusionsbedingten Reaktionen, die jedoch in 92% der Fälle nur während der ersten Applikation auftraten und meist vom Grad 1 oder 2 waren. Andere unerwünschte Wirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich häufig.

Vergleich mit anderen Studien

Ein Vergleich mit anderen Lenalidomid-basierten Studien bei vorbehandelten Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem multiplem Myelom zeigt nach Aussage Dimopoulos, dass mit Daratumumab/Lenalidomid/Dexamethason in der Wirkung auf das progressionsfreie Überleben die bislang niedrigste Hazard Ratio von 0,37 erreicht wurde.

Beim Vergleich von Carfilzomib/Lenalidomid/Dexamethason versus Lenalidomid/Dexamethason in der ASPIRE-Studie betrug die PFS-HR 0,69, beim Vergleich von Elotuzumab/Lenalidomid/Dexamethason versus Lenalidomid/Dexamethason in der ELOQUENT-2-Studie wurde eine PFS-HR von 0,73 erreicht, und beim Vergleich von Ixazomib/Lenalidomid/Dexamethason versus Lenalidomid/Dexamethason in der TOURMALINE-MM1-Studie lag sie bei 0,74.

 

REFERENZEN:

1. 21. Jahreskongress der European Hematology Association (EHA), 9. bis 12. Juni 2016, Kopenhagen

 

Kommentar

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