MEINUNG

Deutliche Zunahme von glutenfreier Ernährung: Modeerscheinung oder tatsächlich oft gesünder?

William F. Balistreri, MD

Interessenkonflikte

2. Juni 2016

In diesem Artikel

Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität

Non-celiac gluten sensitivity (NCGS, Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität) ist der frisch gebackene Begriff, der eine klinische Erkrankung beschreibt, die mit der Zunahme von Gluten oder glutenhaltigem Getreide verbunden ist.[8,9,10,11,12,13] Lebwohl und Kollegen[14] legen nahe, eine genauere Bezeichnung für diesen Zustand sei einfach „Menschen, die Gluten meiden“.

Klinisches Spektrum

NCGS wird weitgehend durch eine Reihe selbst berichteter gastrointestinaler Symptome gekennzeichnet: zum Beispiel Bauchschmerzen, gastroösophagealen Reflux, Gasentwicklungen/Blähungen, Übelkeit, Durchfall und/oder Verstopfung.[15] Allerdings wird auch eine Vielzahl nicht gastrointestinaler Symptome berichtet wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, „benebelter Geist“, Angstzustände, Depressionen, Muskelschmerzen und Hautausschläge. Ein ähnliches Spektrum von Symptomen wurde bei Kindern beobachtet.[16,17] Aziz und Hadjivassiliou[9] haben gezeigt, dass bei Patienten mit NCGS Gluten unabhängig mit Depression assoziiert ist. Vielleicht liegen diesem Phänomen dieselben pathophysiologischen Mechanismen zu Grunde wie anderen neurologischen Manifestationen, die bei Störungen in Verbindung mit Gluten auftreten, wie Ataxie und Enzephalopathie.

Arbeitsdefinition

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht von Fasano und Kollegen[8] diskutiert das aktuelle Verständnis von NCGS und beschreibt Schritte, um bestehende Unklarheiten bei dieser Erkrankung zu beseitigen. Sie schlagen folgende Arbeitsdefinition vor: „ein klinisches Bild, das durch die Aufnahme von Gluten hervorgerufen wird und zu intestinalen und/oder extraintestinalen Symptomen führt, die verschwinden, sobald Gluten gemieden wird.“ Diese Definition erfordert, dass Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen wurden. Sie nehmen außerdem an, dass NCGS mit einer gluteninduzierten Aktivierung einer angeborenen, und nicht einer adaptiven, Immunantwort assoziiert ist – in Abwesenheit von erkennbaren Veränderungen und Schleimhautbarrierefunktion. Glutenunverträglichkeit wurde in ähnlicher Weise von einem internationalen Panel definiert als das Auftreten intestinaler und extraintestinaler Symptome im Zusammenhang mit der Aufnahme glutenhaltiger Lebensmittel bei Patienten ohne Zöliakie oder Weizenallergie.[18,19,20,21]

Häufigkeit

Aziz und Kollegen führten eine Umfrage durch, um die Prävalenz selbst diagnostizierter NCGS in der allgemeinen Bevölkerung und die Verbreitung einer glutenfreien Diät außerhalb der Zöliakie abzuschätzen.[1,22] Sie stellten fest, dass 13% der Bevölkerung (79% Frauen, Durchschnittsalter 39,5 Jahre) selbst von Glutenunverträglichkeit berichteten, von denen nur 0,8% eine gültige Diagnose einer Zöliakie hatten. Bei der Untersuchung einer anderen Kohorte von 200 Patienten mit vermuteter Glutenunverträglichkeit (84% Frauen, Durchschnittsalter 39,6 Jahre), wurde bei 7% Zöliakie und bei 93% NCGS festgestellt.[1,22] Alle Patienten mit Zöliakie reagierten positiv mit HLA (humanem Leukozyten-Antigen), DQ2 oder DQ8 gegenüber 53% der Patienten mit NCGS. Mangelernährung, Autoimmunerkrankungen (23% vs 10%) und ein niedrigerer Body-Mass-Index waren signifikant mit Zöliakie assoziiert im Vergleich zu NCGS.

In einer Befragung von mehr als 1000 Australiern berichteten 7% über Nebenwirkungen bei der Aufnahme von Weizenprodukten, obgleich die Mehrheit keiner formellen Beurteilung über Zöliakie oder Weizenallergie unterzogen worden war.[23]

Biesiekierski und Kollegen[15] untersuchten auch eine Reihe Erwachsener, die glaubten, an NCGS zu leiden. Sie erfuhren, dass unter den Befragten die glutenfreie Ernährung am häufigsten selbst initiiert war (44%) und weniger häufig von alternativen Heilpraktikern (21%), Ernährungsberatern (19%) oder Allgemeinmedizinern (16%) verschrieben wurde. Der Beginn der glutenfreien Diät fand häufig ohne ausreichenden Ausschluss von Zöliakie statt; bei 15% der Befragten wurden keine Untersuchungen durchgeführt, um Zöliakie auszuschließen. Bei 25% sind die Symptome schlecht kontrolliert trotz Glutenvermeidung.

Kommentar

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