Zuviel des Guten? Linolsäure-reiche Pflanzenöle könnten in größeren Mengen auch schlecht fürs Herz sein

Petra Plaum

Interessenkonflikte

6. Mai 2016

Kann eine Ernährung mit viel Linolsäure der Herzgesundheit womöglich schaden? Wiesen die bisherigen Empfehlungen, gesättigte Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte zu ersetzen, in die falsche Richtung? Das legt eine aktuelle Veröffentlichung im British Medical Journal nahe [1]: Die neue Auswertung einer 40 Jahre alten, randomisiert-kontrollierten Langzeitstudie zeigt, dass eine Ernährung mit viel Maiskeimöl, das ungefähr zur Hälfte aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren besteht, zwar den Cholesterinspiegel signifikant senkt. Dieser Umstand verbessert jedoch die Überlebenswahrscheinlichkeit nicht, eher im Gegenteil: „Mit jeder Reduktion des Serumcholesterinspiegels um 30 mg/dl (0,78 mmol/l) stieg das Risiko zu sterben um 22 Prozent an“, berichtet das Autorenteam um Dr. Christopher E. Ramsden.

Prof. Dr. Sigrid Hahn

Ramsden, tätig am National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism in Bethesda, USA, nutzte für seine Untersuchungen bislang unpublizierte Daten des 9.423 Teilnehmer umfassenden Minnesota Coronary Experiment (MCE). Er präsentiert außerdem weitere, ebenfalls verspätet oder nicht vollständig publizierte Studienergebnisse zum Thema „Pflanzenöle und Herzgesundheit“. Alle wiesen in dieselbe Richtung, so Ramsden und seine Kollegen: „Die Benefits wurden über- und die potenziellen Risiken unterschätzt in Bezug auf eine Ernährung, die gesättigte Fettsäuren durch linolsäure-reiche Pflanzenölen ersetzt.“

Prof. Dr. Sigrid Hahn, Professorin für Diätetik an der Hochschule Fulda, nennt die Veröffentlichung „interessant“. Sie warnt jedoch davor, Pflanzenöle insgesamt und Maiskeimöl insbesondere nun als problematisch anzusehen. „Dazu lässt vor allem das Minnesota Coronary Experiment zu viele Fragen offen“, kritisiert sie. „Wir wissen, dass es bei Psychopharmaka viele Interaktionen zu Mikronährstoffen gibt. Das Gros der Studienteilnehmer lebte in psychiatrischen Kliniken, doch welche Medikamente sie bekamen, ist nirgends erläutert“, merkt sie an. Unabhängig davon gelte: „Weder der Antioxidantien-Status noch das Gesamt-Fettsäuremuster der Teilnehmer wurden ermittelt.“ Weitere Studien, die diese Parameter miteinbeziehen, müssten folgen, um klare Aussagen zu ermöglichen.

Linolsäure ist eine 2-fach ungesättigte Fettsäure mit 18 Kohlenstoffatomen. Der Name leitet sich vom lateinischen linum (griech. linon) für Lein (Flachs) und oleum „Öl“ ab. Sie wird aufgrund der Position ihrer 2. Doppelbindung zu den Omega-6-Fettsäuren gerechnet. Linolsäure ist in vielen pflanzlichen Ölen in hohen Mengen enthalten. Dazu gehören vor allem Traubenkernöl und Distelöl, aber auch Weizenkeimöl, Maiskeimöl, Sonnenblumenöl und Rapsöl sowie Hanföl, Sojaöl, Baumwollsaatöl. Dagegen hat Olivenöl nur 3 bis 20% Linolsäure-Gehalt, aber einen hohen Anteil der einfach ungesättigten Ölsäure (55 bis 83%).

Kommentar

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