Meinung

Pädiatrie 3.0: Wie die Digitalisierung bei der Behandlung von Kindern hilft

Hansa Bhargava, MD, Daniel Kraft, MD

Interessenkonflikte

4. Mai 2016

Dr. Bhargava: Es gibt eine Menge Technologien, die uns Ärzten  bei der Wahrung der Privatsphäre helfen. Eine elektronische Krankenakte, mit  der ich gearbeitet habe, unterstützt die Einbindung hoch-qualitativer Grafiken,  so dass wir Bilder von Patienten aufnehmen können. Gleichzeitig müssen Versorger  und Ärzte allerdings die AirWatch® herunterladen (Firma vmware, Atlanta, Georgia).  Ist es ein geeigneter Weg, die Privatsphäre der Patienten zu schützen, wenn die  Technologie von Ärzten verlangt, eine App zu nutzen, die dem Softwareanbieter ermöglicht,  alles auf Ihrem Telefon zu löschen?

Dr. Kraft: Wir befinden uns jetzt in einer Zeit, in der uns  eine ganze Reihe von verschiedenen Geräten und Apps zur Verfügung steht, ob es nun  die AirWatch oder eine andere ist. Wir beginnen damit, uns von einer Ära zu  lösen, in der die Gesundheitsversorgung intermittierend und reaktiv war. Wir bekamen  immer wieder Daten-Brocken, entweder per Fax oder persönlich übermitteln, und  reagierten dann darauf. In der Vergangenheit warteten wir, bis wir einen akuten  Asthmaanfall oder einen Knoten in einem bereits fortgeschrittenem Stadium  entdeckten. Aber jetzt sollen diese intelligenten und vernetzten Technologien  und Apps in unsere Versorgung integriert werden. Niemand will sich in fünf  verschiedene Anwendungen separat einloggen. Vielmehr soll sich die Technologie automatisch  in den Tagesablauf integrieren.

Es werden also viele Funktionen gebraucht. Technologie muss Teil der  Arbeitsabläufe von Ärzten oder Krankenschwestern werden. Wir sehen zum Beispiel,  wie Apple‘s HealthKit jetzt damit beginnt, Ihre Waage, Ihr Blutzucker- und Blutdruckmessgerät,  Ihren Schrittzähler und Fitnessapps zu integrieren, während all diese Geräte an  einem einzigen Ort bei Ihnen zusammenlaufen. In Zukunft werden Pädiater also  auch ein Wearable, eine Waage oder einen neonatalen Monitor verschreiben. Die  damit ermittelten Daten werden auf smarte Art und Weise zu dem Arzt  zurückfließen, sodass er diese nicht kontinuierlich überwachen muss.

Wir müssen zusätzlich zum maschinellen Lernen intelligente Datenlayer entwickeln  –oder vielleicht eine künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) – die  Aufgaben von uns übernimmt. Dazu kann beispielsweise gehören, den Patienten frühzeitig  einer Behandlung zuzuführen, bevor sich sein Zustand verschlimmert, oder ihn bei  nachlassender Compliance an seine Therapie zu erinnern. Der Trick ist also, die  große Masse an Big Data in die bestehenden Abläufe zu integrieren und einen Weg  zu finden, sie für den Arzt, den Verbraucher, die Pflegekraft und die Eltern  einsetzbar zu machen, anstatt jeden mit zusammenhangslosen Daten zu überhäufen.

Dr. Bhargava: Ein weiterer großer Trend betrifft am Körper tragbare  Technologie. Dies sind zum Beispiel Fitnessgeräte, die Schritte, Herzfrequenz und  Schlaf tracken. Wir sehen jetzt, wie Kinder Fitbits und Apple Watches tragen.  Denken Sie, es sollte Regeln für Wearables bei Kindern geben?

Dr. Kraft: Auf jeden Fall. Wir befinden uns derzeit in der  Ära des Quantified Self, was die Möglichkeit kennzeichnet, bespielsweise  Schritte und Schlaf kontinuierlich zu messen. Aber wir bewegen uns ebenso in  die Ära von Quantified Health. Wie ich bereits erwähnt habe, werden Kinder- und  Amtsärzte zunehmend mehr Daten erhalten. Dies kann hilfreich sein. Noch stehen  wir am Anfang, und tracken Schritte oder einfache Daten zum Schlaf.

Doch die Daten werden immer komplexer. Täglich werden Terrabytes von  Daten, die direkt vom Körper oder dem vernetzten Zuhause kommen, zu jedem  Patienten generiert werden. Die Frage ist nun: Was tun wir damit? Ein Beispiel  ist, Schrittzähler zur Motivation von Kindern einzusetzen, die Gewichtsprobleme  haben oder den ganzen Tag auf der Couch sitzen und Videospiele spielen. Das  Gerät kann ihnen einen Einblick geben, wieviel sie sich täglich bewegen. Auch  könnten sie mehr Zeit vor dem Bildschirm als Belohnung bekommen, sofern sie  10.000 Schritte täglich schaffen. Wir können uns mit diesen Technologien ebenso  einen Einblick in den Schlafrhythmus eines Jugendlichen verschaffen, der nicht  genügend Schlaf bekommt, was für eine gesunde Entwicklung wichtig ist.

Wir stehen mit dieser Art von Schrittzählern also noch am Anfang. Auch  für Babies gibt es am Körper tragbare Monitoring-Geräte, die sie an ihren  Knöcheln tragen können, und die es dem Gesundheitsversorger ermöglichen, es  früher aus der neonatologischen oder pädiatrischen Intensivstation nach Hause  zu entlassen.

Ich möchte über den recht einfachen Schrittzähler hinaus denken und  sehen, wie diese Geräte die Patientenversorgung verbessern können. Sie können  sogar ein Wearable für das Asthma- oder Sauerstoff-Monitoring verschreiben,  oder zur Früherkennung von Krampfanfällen. Lassen Sie uns über den  Schrittzähler hinaus denken, während wir über die Zukunft der vernetzten Geräte  nachdenken.

Kommentar

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