Meinung

Pädiatrie 3.0: Wie die Digitalisierung bei der Behandlung von Kindern hilft

Hansa Bhargava, MD, Daniel Kraft, MD

Interessenkonflikte

4. Mai 2016

 

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Dr. Hansa Bhargava:
Hallo. Mein Name ist Dr. Hansa Bhargava, und ich arbeite  als Medizinredakteurin bei WebMD und als medizinische Beraterin für Medscape. Heute  sprechen wir über pädiatrische Trends mit Dr. Daniel Kraft. Können Sie uns ein  wenig über sich selbst erzählen?

Dr. Kraft: Ich bin als Kinderarzt und Internist ausgebildet,  und habe mich außerdem auf Hämatologie-Onkologie und Knochenmarktransplantationen  spezialisiert. Als Inhaber des Lehrstuhls für Medizin an der Singularity  University und als  Vorsitzender der Exponential Medicine beschäftigte ich mich außerdem mit der Zukunft der Medizin: In unserem  Programm untersuchen wir, wie sich die Technologie in medizinische Abläufe einfügt,  um so die Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Dr. Bhargava: Wir werden heute über neue Trends in der Pädiatrie  also, also lassen Sie uns mit der Definition des Arztbesuchs beginnen. Patienten  suchen Alternativen zum traditionellen Arztbesuch, aber Pädiater bieten virtuelle  Sprechstunden eher widerwillig an. Dabei hat eine große Krankenversicherungsgesellschaft  gerade erst angekündigt, bis 2016 bis zu 20 Millionen Videotermine zu  übernehmen. Glauben Sie, dass die Zeit reif für die virtuelle Sprechstunde ist?

Dr. Kraft: Ich denke, dass die Trennung beider Arten von  Sprechstunde fälschlicherweise eine Dichotomie signalisieren könnte. In der Ära  der Telemedizin, oder der virtuellen Sprechstunde, wird eine Ergänzung zur  Sprechstunde vor Ort geschaffen. Nachsorgeuntersuchungen können durch  intelligente digitale Touchpoints erfolgen – zum Beispiel, wenn Sie ein Kind mit  Otitis media nach Hause schicken und dann einige dieser neuen vernetzten Geräte  nutzen, zum Beispiel das CellScope® [Firma CellScope; San Francisco,  Kalifornien], um so eine virtuelle Untersuchung durchzuführen, anstatt das Kind  für das Follow-up in die Arztpraxis einzubestellen.

Alle Arten von Untersuchungen können zuhause mit Hilfe von tragbaren  Geräten durchgeführt werden, sogar Laboruntersuchungen. Ich denke, dass wir  diese Entwicklung überall sehen werden – in der Arztpraxis, im ambulanten  Sektor, in der Klinik – da neue Anreize für virtuelle Besuche, Email usw.  geschaffen werden.

Dr. Bhargava: Warum zögern einige Ärzte Ihrer Meinung nach, sich  dieser neue Technologie anzunehmen?

Dr. Kraft: Die Ära der vernetzten mobilen und digitalen  Gesundheitsversorgung beginnt gerade erst. Hinter der Zurückhaltung steht oft  eine Frage: Wie soll diese neue Ära in den eigenen Praxis-Alltag integriert  werden? Für digitale Ohrspiegelungen mag es beispielsweise noch keine  Abrechnungsziffer geben. In der Zeit der ergebnisbasierten und wertorientierten  Medizin ist es denkbar, dass der Hausarzt am Ende des Jahres einen Bonus dafür  bekommt, dass seine Diabetes-Patienten eine bessere Blutzuckerkontrolle erhalten  oder seine Hypertonie-Patienten bessere Werte erreichen. Daher könnte dieser  Arzt Ihnen eine mit dem Internet verbundene Blutdruckmanschette, Waage oder Wearables  verschreiben, um Ihre Fortschritte zu verfolgen und Ihnen mobil Hilfestellungen  zu geben.

Die Anreize ändern sich also. Und ich ermutige jeden Arzt, Kinderarzt oder  anderen Gesundheitsversorger dazu, einige dieser Technologien anzunehmen und versuchsweise  einzusetzen. Ein Schrittzähler muss nicht unbedingt von der US-amerikanischen Behörde  für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassung (Food and Drug  Administration, FDA) zugelassen sein, um bei einem adipösen Kind die  Schrittzahl oder den Schlafrhythmus zu ermitteln. Jetzt ist die Zeit, in der  Ärzte innovativ sein sollten, anstatt auf behördliche Genehmigungen zu warten.

Dr. Bhargava: Als Mutter finde ich virtuelle Besuche einfacher.  Aber glauben Sie, dass wir immer noch die Standards der Privatsphäre und des  Gesetzes für die elektronischen Transaktionen im Gesundheitssektor (HIPAA) einhalten  können? Und welche rechtlichen Konsequenzen sind denkbar, wenn Ärzte Emails,  SMS usw. an ihre Patienten schicken?

Dr. Kraft: Manchmal nehmen neue Technologien schneller Fahrt  auf, als dass es unsere Freunde bei den Aufsichtsbehörden oder die Kostenträger  realisieren. Es gibt gut gemeinte (aber alte) Vorschriften wie das HIPAA-Gesetz,  das aus meiner Sicht manchmal ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen ist.  Es gibt ganze Armeen von Menschen, die sich mit der Umsetzung des HIPAA beschäftigen,  während wir als Patienten lediglich Daten teilen wollen.

Zusammen mit dem Informationsaustausch zwischen elektronischer  Krankenakte und Arzt wächst das Konzept vom Patienten als Datenspender – dem  partizipatorischen Patienten, mit dem Potenzial alles zu beschleunigen und zu  erweitern, von klinischen Studien bis hin zum smarten Medikations-Management.

Ich denke, dass Emails im klinischen Bereich keine alte, sondern eine  neue Technologie sind, da vielfach damit begonnen wurde, Ärzte für das  Schreiben von Emails zu vergüten. Deshalb denke ich, dass wir über unsere gesetzlichen  Vorschriften informiert sein müssen. Wir müssen auch unseren Freunden bei der FDA,  den Kostenträgern und anderen Gruppen dabei helfen, Anreize für den Einsatz von  Technologie zu schaffen. Das ist anspruchsvoll – wie wollen Sie zum Beispiel gesetzliche  Bestimmungen für eine App schaffen? Wie für vernetzte medizinische Geräte? Aber  wir können sehen, wo die Technologie uns hinführt, und können bei der  Gestaltung von Vorschriften und Gesetzen helfen.

Kommentar

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