Schutz für das Herz und vor Darmkrebs: Neue US-Leitlinie zeigt auf, wer von niedrig dosierter ASS profitiert

Marcia Frellick

Interessenkonflikte

21. April 2016

Menschen zwischen 50 und 69 Jahren mit einem 10-Jahres-Risiko von mindestens 10% für eine kardiovaskuläre Erkrankung, aber ohne erhöhtes Blutungsrisiko, sollten nach den letzten Empfehlungen der US Preventive Services Task Force (USPSTF) Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosierung einnehmen, um kardiovaskulären Erkrankungen und dem Kolonkarzinom vorzubeugen. Der vollständige Bericht dazu wurde am 12. April online in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht [1].

Die Empfehlungen sind ein Update des USPSTF-Berichtes zur präventiven Einnahme von ASS aus dem Jahre 2009 sowie der Empfehlungen von 2007 zur Prävention des Kolonkarzinoms durch ASS.

Für eine Dauerbehandlung mit niedrig dosierter ASS (≤ 100 mg/d) sollte eine Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren gegeben sein und die Bereitschaft bestehen, das Medikament entsprechend der Leitlinie mindestens 10 Jahre lang einzunehmen, schreibt Dr. Albert L. Siu im Auftrag der USPSTF.

Risiken im Einzelfall gegeneinander abwägen

Die USPSTF erkennt an, dass die Ärzte zwar an der Evidenz nicht vorbeikommen, aber im Einzelfall auch noch andere Aspekte in die Überlegungen für eine Therapieempfehlung mit einfließen müssen. Die tägliche Aspirineinnahme kann Herzanfällen, Schlaganfällen und Krebserkrankungen vorbeugen, ist jedoch auch mit ernsten Risiken verbunden, vor allem für gastrointestinale Blutungen und hämorrhagische Infarkte. Die Entscheidung dafür oder dagegen sollte daher in jedem Einzelfall im Gespräch mit dem Hausarzt fallen.

In der gegenwärtigen Praxis, so die Wissenschaftler, werden 41% der Personen, die für eine ASS-Therapie infrage kommen und ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweisen, von ihren Hausärzten zur ASS-Einnahme angehalten. In der Gruppe der Personen über 65 Jahre folgten 80% dieser Empfehlung.

Für manche Personen sei, so die Autoren weiter, die Verhinderung eines Herz- oder Hirninfarktes wichtiger als das Risiko einer gastrointestinalen Blutung, sodass sie sich für die niedrig dosierte Therapie mit ASS entschieden, während andere sich eher vor einer Blutung fürchteten.

Die USPSTF unternahm vor der Publikation der Empfehlungen den unkonventionellen Schritt, eine Simulationsstudie in Auftrag zu geben, um die Vor- und Nachteile im Hinblick auf Alter, Geschlecht und kardiovaskuläres Risiko zu analysieren und mit 3 Reviews zu vergleichen, die ebenfalls in dem Journal veröffentlich worden waren.

Welche Gruppe profitiert am stärksten?

Dr. Steven P. Dehmer und seine Mitarbeiter vom HealthPartners Institute in Minneapolis fanden heraus, dass Männer und Frauen zwischen 40 und 69 Jahren im Hinblick auf die Senkung der Morbidität am stärksten von einer lebenslangen ASS-Einnahme profitieren, wenn sie möglichst früh beginnen und kein erhöhtes Blutungsrisiko besteht (z.B. gastrointestinale Ulzera oder kürzliche Blutungen in der Vorgeschichte oder Einnahme von Medikamenten, welche das Blutungsrisiko erhöhen).

Eine solche Therapie erhöht wahrscheinlich die Lebenserwartung der meisten Männer und Frauen, die zwischen dem 40. und 59. Lebensjahr damit beginnen, aber auch derjenigen, die zwischen dem 60. und 69. Lebensjahr beginnen und ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben.

Bei Personen über 70 mit einem 10-Jahres-Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung von bis zu 20% überwiegt der Gesamtvorteil nicht mehr die Gefahren. Zudem gab es nicht genug primäre Evidenz, um eine ASS-Empfehlung für Personen unter 50 auszusprechen. Um eine Leitlinie für diese Altersgruppe zu entwickeln, bedarf es noch weiterer Untersuchungen.

ASS hilft bei der Vorbeugung von kardiovaskulären Erkrankungen, weil es die Menge der Blutgerinnsel verringert, die sich infolge des gebremsten Blutflusses an atherosklerotischen Plaques bilden. Außerdem vermindert der Wirkstoff hypoxische Schädigungen an Herz und Hirn. Über die Mechanismen eines protektiven Effekts auf die Entwicklung eines Kolonkarzinoms gibt es bislang nur Spekulationen. Hier wird von den Autoren etwa die antiinflammatorische Wirkung des ASS genannt.

Eine effektive Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen zu finden, wäre ein ganz wichtiger Schritt. Nach Angaben der Autoren gingen im Jahre 2011 in den USA über die Hälfte aller Todesfälle auf Herzkrankheiten, Schlaganfälle oder Krebserkrankungen zurück, unter denen das Kolonkarzinom einen der Spitzenplätze innehat.


Dieser Artikel wurde von Dr. Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

REFERENZEN:

1. Bibbins-Domingo K, et al: Ann. of Intern. Med.(online) 12. April 2016

 

Kommentar

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