Deutsche Ärzte: Sportmuffel, kaum Burnout, dafür glücklich und gesund trotz Übergewicht und Vorurteilen

Dr. Franz Jürgen Schell

Interessenkonflikte

14. April 2016

Deutsche Ärzte sind beruflich wie privat überwiegend glücklich, neigen verhältnismäßig selten zum Burnout und fühlen sich gesund – und das, obwohl sie im internationalen Vergleich eher zu den Sportmuffeln gehören. Das ergab die Online-Befragung von 541 deutschen Ärzten im Medscape-Lebensstil-Report.

Glücklich und gesund

Nur knapp jeder dritte deutsche Arzt leidet unter Burnout. Das ist deutlich weniger als in angloamerikanischen Ländern. Auch wird, wenn sie sich ausgebrannt fühlen, dies als allenfalls mittelschwer empfunden. Dabei leiden ältere Kollegen mit 16% deutlich häufiger darunter als Mediziner unter 45. Ursachen für einen Burnout sind in Deutschland vor allem der bürokratische Aufwand und die umfangreiche Arbeitszeit.

Im persönlichen Leben fühlen sich über 80% mindestens „etwas glücklich“, knapp die Hälfte ist sogar „sehr glücklich“. Im Berufsleben liegt die Quote mit 65% „etwas glücklich“ deutlich niedriger, ist aber immer noch für deutsche Verhältnisse – bekanntlich sind wir anders als unsere dänischen Nachbarn nicht für unser Glücksempfinden bekannt – sehr ordentlich.

Vielleicht liegt das auch am eigenen Gesundheitszustand, der von 83% der Ärzte als gut bis exzellent eingeschätzt wird. Zwar sagen nur 8% er sei „exzellent“, der geringste Wert im internationalen Vergleich – 3-mal so viele US-Kollegen geben sich ein solches Gesundheitszeugnis – aber die positive Selbsteinschätzung kann sich insgesamt international sehen lassen und sie ist auch über die Altersstufen stabil. 4 von 5 Ärzten attestieren sich auch mit 56 und älter einen mindestens guten eigenen Gesundheitszustand.

Weniger Sport als in den USA

Beim Übergewicht stehen deutsche Ärzte mit 39%, die sich als übergewichtig bezeichnen, zwischen den eher schlankeren Franzosen und Spaniern einerseits und den schwereren Anglo-Amerikanern auf der anderen Seite. Ähnlich wie in der Gesamtbevölkerung tendieren ältere Ärzte mehr zu Übergewicht als jüngere Kollegen und Männer sehr viel deutlicher als Frauen, von denen fast 3 Viertel Normalgewicht halten können.

Bei körperlicher Bewegung sind deutsche Ärzte im internationalen Vergleich die größten Sportmuffel: Jeder Vierte macht gar nichts und ein Drittel trainiert einmal pro Woche. Ähnlich bewegungsfaul sind nur die Franzosen, während US-Ärzte zu über 60% mindestens 2-mal pro Woche trainieren. Sport scheint auch altersabhängig zu sein. Denn mit zunehmendem Alter bewegen sich deutsche Ärzte mehr. Bei den über 56-Jährigen trainiert schon knapp die Hälfte mindestens 2-mal wöchentlich.

International die wenigsten Abstinenzler

Beim Konsum von Rauschmitteln unterscheiden sich deutsche Ärzte kaum von ihren Kollegen in anderen Ländern, haben aber beim Alkoholkonsum mit nur 22% die geringste Quote an Abstinenzlern. Fast jeder Vierte trinkt täglich mindestens 1 bis2 alkoholische Getränke. Auch hier fällt eine Beziehung zum Alter auf: Je älter, desto entspannter der Umgang mit Alkohol. Mit 31% leben mehr Allgemeinmediziner abstinent als Fachärzte (21%).

22% der deutschen Ärzte haben auch schon mal gekifft – ein internationaler Mittelwert, der auch in etwa dem Erfahrungshorizont der Allgemeinbevölkerung entsprechen dürfte. Zwar hat von denen wiederum nur 12% auch Erfahrung im medizinischen Gebrauch gemacht, aber das genügt überraschenderweise zum internationalen Spitzenplatz. In den USA zum Beispiel, wo jeder vierte Arzt Selbsterfahrung mit Cannabis angibt, kennen es nur 4% aus medizinischen Anwendungen.

Trotz des offenbar auch bei Ärzten schon mal kreisenden Joints sind Hanfprodukte bekanntlich in Deutschland noch verboten. Das erklärt wahrscheinlich die große Unsicherheit, die beim Thema medizinischer Gebrauch noch herrscht. So glaubt deutlich über die Hälfte der Befragten, Marihuana-Produkte könnten nicht verschrieben werden – obwohl das in Deutschland bei entsprechender Indikation schon möglich ist, allerdings nur auf Privat- und BTM-Rezept.

Mehr Vorurteile unter deutschen Ärzten

Wenig rühmlich schneiden deutsche Kollegen bei der Frage nach Vorurteilen gegenüber speziellen Patientengruppen ab. Mit 56% hängen sie alle anderen Nationen, die hier auf um die 40% kommen, deutlich ab. Interessant dabei: Jüngere zeigen mit 63% die höchsten Werte, bei den Ärzten über 56 sind es nur noch 47%. Am ehesten lösen Intelligenz, emotionale Probleme, das Körpergewicht und Störungen in der sprachlichen Verständigung Vorurteile aus. Geschlecht, Ethnie oder Einkommenslevel spielen eine untergeordnete Rolle.

Gut jeder vierte Arzt gibt an, dass Vorurteile auch die Patientenbehandlung beeinflussen können. Interessanterweise ist das bei Allgemeinmedizinern ein Drittel, bei Fachärzten nur ein gutes Viertel.

Lesen Sie mehr zum Medscape-Lifestyle-Report unter http://deutsch.medscape.com/features/diashow/49000553

 

Kommentar

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