Giftige Dämpfe in Flugzeugkabinen: Forscher finden Schadstoffe in Blut und Urin des Flugpersonals

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

25. Februar 2016

Fume Events werden seit den 50er Jahren beschrieben. Für die Zeit von 2006 bis 2013 hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) bei deutschen Fluggesellschaften nicht weniger als 663 Fälle registriert. Aufsehen rief Ende 2010 ein Zwischenfall in einem Germanwings-Airbus beim Landeanflug auf Köln hervor. Pilot und Copilot setzten während der Landung Sauerstoffmasken auf, nachdem sie einen scharfen Brandgeruch wahrgenommen hatten und ihnen übel geworden war. Die Maschine landete sicher.

Die Pilotenvereinigung Cockpit sieht Flugzeughersteller und die europäische Zulassungsbehörde EASA in der Pflicht. Der Verband fordert technische Vorkehrungen, um gefährliche Dämpfe in Flugzeugkabinen zu vermeiden. Cockpit befürwortet zusätzliche Hilfsturbinen für die Kabinenluft. Zu Beginn des Düsen-Zeitalters waren Hilfsturbinen üblich, wurden dann aber aus Kosten- und Gewichtsgründen eingespart. Bei modernen Großraum-Jets verzichtet allein Boeing beim Typ 787 auf Zapfluft direkt aus dem Antrieb. Hersteller und EASA müssten die Gesundheitsrisiken für Passagiere und Besatzungen endlich abstellen, fordert Cockpit. Die BFU verlangt einheitliche Standards für die Qualität der Kabinenluft.

Fehlende Richtwerte für Atemluft

 
Um Gesundheitsrisiken zu vermeiden, braucht es klare Standards im Hinblick auf die Kabinenluft. Dirk Gerdom
 

„Die Ergebnisse zeigen, dass wir bei diesem Thema dringend Klarheit brauchen.“ Crew und Fluggäste dürften keine gesundheitlichen Folgen davon tragen, fordert Dirk Gerdom, Präsident des GeschäftreiseVerbands VDR in einer Stellungnahme.

Wie Gerdom betont, fehlten noch immer Studienreihen, die solche Effekte belegen und auf Basis derer auch die Fluggesellschaften zum Handeln veranlasst werden. „Um Gesundheitsrisiken zu vermeiden, braucht es klare Standards im Hinblick auf die Kabinenluft. Hier sind die Fluggesellschaften ebenso wie die Politik und die Zulassungsbehörden gefragt“, so Gerdom weiter. Mit den Untersuchungsergebnissen von Heutelbeck und ihrem Team verdichten sich nun die Hinweise weiter, dass die bei Fume Events freigesetzten Schadstoffe direkt für die Gesundheitsschäden verantwortlich sind.

Kommentar

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