Giftige Dämpfe in Flugzeugkabinen: Forscher finden Schadstoffe in Blut und Urin des Flugpersonals

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

25. Februar 2016

Dämpfe und seltsame Gerüche in Flugzeugkabinen – wie gesundheitsschädlich sind sie? Kranke Stewardessen, kranke Piloten – seit Jahren gibt es Berichte über Zwischenfälle, die möglicherweise auf giftige Dämpfe in Flugzeugkabinen zurückzuführen sind. In der Regel ist das Flugpersonal davon betroffen, das Risiko für Passagiere scheint deutlich geringer zu sein. Doch trotz vieler Vorfälle fehlt bislang der wissenschaftliche Nachweis, dass Kabinenluft Krankheiten verursachen kann.

Zahlreiche Fälle, vielfältige Symptome

Neue Erkenntnisse in diese Richtung liefern nun Göttinger Wissenschaftler. PD Dr. Astrid Heutelbeck vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Göttingen und ihre Kollegen haben in Blut und Urin von Betroffenen schädliche Stoffgemische nachgewiesen, die möglicherweise aus den Triebwerken stammen.

Die Forscher haben in den vergangenen 3 Jahren 140 Patienten – zum Großteil Flugpersonal – mit gesundheitlichen Problemen infolge von Fume Events untersucht. Die Arbeitsmediziner wiesen enzymatische Reaktionen auf Organophosphat-Belastungen sowie sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOC) oder deren Abbauprodukte nach. Diese Stoffe können Nerven und Herz-Kreislauf-System angreifen und reizen zudem die Atemwege.

Die Symptome sind heterogen – gastrointestinale Probleme, Einschränkungen der Lungenfunktion, Gedächtnisstörungen, neurologische Störungen, Tachykardien oder Kopfschmerzen“, zählt Heutelbeck im Gespräch mit Medscape Deutschland auf. „Als Ursachen dieser Fume Events vermuten wir Störfälle im Flugzeug, da die gefundenen Stoffe als Bestandteile von Ölen und Kerosin beschrieben sind.“ Die betroffenen Patienten – in der Regel Flugbegleiter und Piloten – bemerkten häufig auch entsprechende Gerüche.

 
Als Ursachen dieser Fume Events vermuten wir Störfälle im Flugzeug, da die gefundenen Stoffe als Bestandteile von Ölen und Kerosin beschrieben sind. PD Dr. Astrid Heutelbeck
 

Die Symptome träten im Allgemeinen im zeitlichen Zusammenhang mit den Geruchsbelastungen auf, betont Heutelbeck. Wichtig sei dann, die Patienten möglichst rasch zu untersuchen, wobei die Schadstoffe im Urin länger nachweisbar seien als im Blut. Beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin in München Anfang März wird Heutelbeck einige ihrer Daten vorstellen.

Woher stammen die Stoffe?

Die Schadstoffe werden in den Turbinen bei starker Hitze aus Kerosin, Ölen oder Enteisungsmitteln freigesetzt und können über undichte Stellen im Triebwerk in die Zapfluft gelangen, vermuten die Mediziner. In fast allen Passagierflugzeugen wird die Kabinenluft aus den Triebwerken abgezapft. Dort finden Techniker immer wieder Lachen von Öl oder Enteisungsmitteln.

Kommentar

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