MEINUNG

Heilsames Licht: Wie die Lichttherapie Winterdepressionen, Schlafstörungen und möglicherweise sogar Demenz lindern kann

Sabine Ohlenbusch

Interessenkonflikte

22. Februar 2016

Die Zeit der kurzen Tage macht vielen zu schaffen. Da Helligkeit die Stimmung positiv beeinflussen kann, ist Lichttherapie ein vielversprechender Ansatz in der Behandlung der Winterdepression. Doch möglicherweise ist die Lichttherapie auch bei nicht-saisonalen unipolaren und bipolaren Depressionen wirksam, wie eine neueStudie von Raymond Lam et al untersucht [1]. Medscape Deutschland hat zwei Expertinnen zu den Hintergründen befragt: Prof. Dr. Anja Ischebeck leitet das Institut für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz. Prof. Dr. Dr. Elisabeth Weiss forscht seit einigen Jahren zum Thema und hat gerade ein neues Forschungsprojekt zur Lichttherapie begonnen. Die Neurowissenschaftlerinnen erklären, wie die Behandlung erfolgt, wie sie wirkt und wo die Zukunft der Forschung liegt.

Medscape Deutschland : Die Lichttherapie wird in den deutschen Leitlinien der bipolaren Störungen empfohlen – wird sie auch systematisch angewendet?

Prof. Dr. Ischebeck

Prof. Dr. Ischebeck: Lichttherapie hat sich in verschiedenen klinischen Studien erfolgreich in der Behandlung von Schlafstörungen, saisonalen affektiven Störungen wie der Herbst/Winterdepression (SAD = Seasonal Affective Disorder), aber auch bei nicht-saisonalen unipolaren und bipolaren Depressionen gezeigt. Psychiatrische Kliniken in Österreich und Deutschland verwenden Lichttherapiegeräte vor allem bei SAD-Patientinnen und -Patienten.

Störungen biologischer Rhythmen und Schlafstörungen zeigen sich bei bis zu 80% der Patienten mit Depressionen. Bei einer Vielzahl weiterer neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Wochenbettdepressionen, Essstörungen, Alzheimer-Demenz, ADHS oder Parkinsonerkrankungen konnten saisonale Schwankungen in der Symptomatik sowie Veränderung des zirkadianen Rhythmus' von physiologischen Prozessen beobachtet werden. Allerdings ist die Datenlage in Bezug auf die Wirkung von Lichttherapie für diese Indikationen bisher nur gering und die Studienergebnisse sind auch deutlich inhomogener.

Prof. Dr. Dr. Weiss

Medscape Deutschland : Wie wird die Therapie durchgeführt?

Prof. Dr. Dr. Weiss: Für die Lichttherapie werden derzeit kleine diffus leuchtende Lichtboxen eingesetzt, welche Beleuchtungsstärken bis zu 10.000 Lux am Auge erzeugen. Diese Beleuchtungsstärke entspricht in etwa einem bewölkten Sommertag. Eine effektive Lichtbehandlung bei SAD und anderen affektiven Erkrankungen sieht eine fünfmalige Lichtexposition mit 5.000 Lux*Stunden pro Woche vor. Des Weiteren zeigen Studienergebnisse, dass die beste Wirkung erzielt wird, wenn die Lichtexposition am Morgen erfolgt.

Für die Erzielung einer therapeutischen Lichtdosis ist es wichtig, dass nur ein sehr kleiner Abstand (meist zwischen 25-60 cm je nach Größe des Lichttherapiegerätes) zwischen den Augen des bestrahlten Menschen und dem Lichttherapiegerät eingehalten wird. Deshalb kann es zu Beginn der Behandlung zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Augenschmerzen kommen, da relativ helles Licht ins Auge gelangt. Die meisten Menschen gewöhnen sich jedoch sehr schnell an das Lichttherapiegerät.

Kommentar

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