Krank statt schön: Immer mehr Melanome bei jungen Frauen, die Sonnenstudios besuchen

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

18. Februar 2016

Der Besuch von Sonnenstudios ist vermutlich ein Faktor, der in den USA bei jungen Frauen für den stärkeren Anstieg der Melanomhäufigkeit im Vergleich zu Männern verantwortlich ist. „Die Melanom-Epidemie wird solange dauern, bis die Nutzung von Sonnenstudios eingeschränkt wird.“ So lautet das Fazit von Dr. DeAnn Lazovich, Abteilung für Epidemiologie und Allgemeingesundheit, Universität von Minnesota in Minneapolis, USA, zu ihrer in JAMA Dermatology publizierten Studie [1].

„Dieser Artikel belegt die Notwendigkeit, den Gebrauch der Sonnenbank bei jungen weißen Frauen zu thematisieren“, kommentieren Dr. Gery P. Guy, Jr., Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta, und seine Kollegen im begleitenden Editorial [2]. Und weiter: „Die Verringerung der UV-Strahlen-Exposition durch Sonnenstudios ist eine wichtige Strategie zur Melanomprävention.“

Sonnenbaden bleibt Hauptrisikofaktor für Hautkrebs

Prof. Dr. Claus Garbe, Ärztlicher Leiter der Sektion für Dermatoonkologie der Universitäts-Hautklinik Tübingen kommentiert die Daten gegenüber Medscape Deutschland: „Diese Studie zeigt schlüssig, dass Solarienbesuche das Melanomrisiko erhöhen. Dies sollte uns aber nicht davon ablenken, dass wahrscheinlich mehr als 90 Prozent des Risikos auf das Sonnenbaden zurückzuführen sind und dass Sonnenbaden für den enormen Anstieg der Hautkrebse verantwortlich ist.“

 
Die Melanom-Epidemie wird solange dauern, bis die Nutzung von Sonnenstudios eingeschränkt wird. Dr. DeAnn Lazovich
 

Zwischen 1970 und 2010 habe die Häufigkeit des Melanoms in Deutschland um 800% zugenommen. Garbe weiter: „Da immer noch viele unserer Mitbürger meinen, sie könnten sich beim Sonnenbaden durch Sonnencremes schützen, wird diese starke Zunahme der Hautkrebse mindestens die nächsten zwei Jahrzehnte anhalten. Wenn man sich absichtlich der UV-Strahlung ohne Schutz durch Kleidung aussetzt, gibt es keine Evidenz für auch nur die geringste Schutzwirkung von Sonnencremes vor Hautkrebs – und deshalb werben die Hersteller auch nicht damit.“

Seit dem Jahr 2006 steigt die Melanominzidenz bei jüngeren Frauen in den USA stärker als bei gleichaltrigen Männern. Parallel dazu veränderte sich die Lokalisation der Melanome. Bei Männern sind nun Melanome am Körperstamm seltener, dafür treten sie anderen Stellen häufiger auf. Bei jungen, jedoch nicht bei älteren Frauen fand ein Wechsel der Melanomlokalisation von Kopf, Nacken und Extremitäten zum Körperstamm statt. Zumindest zum Teil dürfte dieses neue Erkrankungsmuster auf die verstärkte Nutzung von Sonnenstudios zurückzuführen sein, die von der WHO schon im Jahr 2009 als karzinogen für den Menschen eingestuft wurden.

Jüngere Frauen nutzen Sonnenbanken häufiger

 
Diese Studie zeigt schlüssig, dass Solarienbesuche das Melanomrisiko erhöhen. Prof. Dr. Claus Garbe
 

Lazovich und Kollegen verglichen nun die Daten von 681 Erwachsenen, die zwischen 2004 und 2007 im Alter von unter 50 Jahren an einem Melanom erkrankt waren, mit den Daten von 654 Personen im Alter von 25 bis 49 Jahren ohne Melanom. In der Melanomgruppe betrug der Frauenanteil 68,3%, in der Vergleichsgruppe 68,2%. Rund 80% der Frauen hatten Sonnenstudios besucht im Vergleich zu 44% der Männer.

Frauen im Alter unter 40 Jahren gaben durchschnittlich an, dass sie seit dem Alter von 16 Jahren ins Sonnenstudio gingen, während Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren Sonnenstudios durchschnittlich ab einem Alter von 25 Jahren besuchten. Die jüngeren Frauen waren etwa 100-mal auf der Sonnenbank gewesen, die Älteren ca. 40-mal.

61 von 63 der Frauen unter 30 mit einem Melanom hatten Sonnenstudios besucht. Diese jungen Frauen hatten damit ein 6-fach erhöhtes Risiko, an einem Melanom zu erkranken im Vergleich zu Sonnenstudio-Abstinenzlerinnen. Bei etwa einem Drittel der Frauen, die im Alter unter 30 Jahren erkrankten, war das Melanom am Körperstamm lokalisiert, bei den 40- bis 49-Jährigen war dies in 24% der Fall.

Unabhängig vom Alter wurde bei den Frauen eine Dosis-Wirkungs-Beziehung beobachtet. Je häufiger sie das Studio besuchten, umso höher war das Melanomrisiko.

 

REFERENZEN:

1. Lazovich D, et al: JAMA Dermatol. (online) 27. Januar 2016

2. Guy GP, et al: JAMA Dermatol. (online) 27. Januar 2016

 

Kommentar

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