Asymptomatische pAVK: Statintherapie scheint sich für per Knöchel-Arm-Index identifizierte Patienten zu lohnen

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

16. Februar 2016

Patienten mit asymptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) – diagnostiziert anhand eines Knöchel-Arm-Index (ABI, Ankle-Brachial Index) von 0,95 oder niedriger – haben weniger kardiovaskuläre Ereignissen und ein geringeres Todesrisiko, wenn sie eine Statintherapie erhalten. Dies ergab eine Datenbankanalyse spanischer Wissenschaftler [1].

Dr. Wolfgang Derer

Die Schlussfolgerung der Autoren: Es könnte sinnvoll sein, Patienten in der Primärversorgung mithilfe des ABI systematisch auf pAVK zu screenen und bei Vorliegen der Erkrankung mit einer Statintherapie zu starten. So könnte auf Bevölkerungsebene kardiovaskulären Ereignissen vorgebeugt werden.

„Patienten, die zwischen Knöchel und Arm arteriosklerotisch veränderte Gefäße aufweisen, sollten leitliniengerecht mit einem Statin behandelt werden“, bestätigt auch der Kardiologe Dr. Wolfgang Derer, Oberarzt und Leiter der Poliklinik an der Klinik für Kardiologie und Nephrologie im HELIOS-Klinikum Berlin-Buch, gegenüber Medscape Deutschland. Er kritisiert jedoch den in der Analyse verwendeten ABI-Grenzwert von 0,95 oder niedriger. „Die Diagnose einer pAVK wird bei einem ABI unter 0,9 gestellt, Personen mit einem höheren ABI müssen keine pAVK haben“, betont er.

Kardiovaskuläres Risiko mit und ohne Statintherapie im Vergleich

Die Teilnehmer für die Datenbankanalyse stammen aus Hausarztpraxen in Katalonien. Von 2006 bis 2011 ermittelten 1.365 Allgemeinmediziner bei 74.280 Patienten im Alter von 35 bis 85 Jahren den ABI. Von den 74.280 Patienten mit ABI-Messung hatten 12.119 (16%) einen ABI ≤ 0,95, was die Autoren um Dr. Rafel Ramos vom Institut Universitari d’Investigació en Atenció Primària Jordi Gol in Catalunya als Vorliegen einer pAVK definierten.

„Personen mit einem ABI zwischen 0,91 und 0,95 können zwar als grenzwertig kardiovaskulär gefährdet angesehen werden, dennoch haben wir uns für einen ABI-Grenzwert ≤ 0,95 entschieden, denn diese Personen haben ein merklich höheres Risiko als Personen mit einem ABI von 1 bis 1,1“, erklären Ramos und seine Kollegen.

 
Patienten, die zwischen Knöchel und Arm arteriosklerotisch veränderte Gefäße aufweisen, sollten leitliniengerecht mit einem Statin behandelt werden. Dr. Wolfgang Derer
 

Als asymptomatisch galten die pAVK-Patienten, wenn bei ihnen noch keine kardiovaskuläre Erkrankung diagnostiziert worden war, sie keine Claudicatio-intermittens-Beschwerden aufwiesen und auch nicht wegen einer Claudicatio in Behandlung waren.

Um den Einfluss potenzieller Störfaktoren auf die Ergebnisse zu reduzieren, führten die Autoren eine Propensity-Score-gematchte Analyse durch. Gesamtmortalität und schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MAjor Cardiovascular Events, MACE) wurden für 5.480 Personen bestimmt: 2.740 Patienten mit asymptomatischer pAVK, die ein Statin erhielten, und 2.740 Propensity-Score-gematchte Patienten mit asymptomatischer pAVK, die nicht mit einem Statin behandelt wurden.

Weniger kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle mit Statinen

Die Patienten wurden median 3,6 Jahre nachbeobachtet. In der Gruppe, die Statine erhielt, reduzierte sich das relative Risiko für MACE bzw. Tod um 20% bzw. 19%. In absoluten Zahlen: In der mit Statinen behandelten Gruppe kam es bei 7,3% zu einem MACE, in der Gruppe ohne Statintherapie bei 8,9%. Auch die Mortalitätsraten unterschieden sich: 9,6% in der mit Statin behandelten Gruppe und 11,5% in der unbehandelten Gruppe.

 
Die Statintherapie war bei Teilnehmern ohne kardiovaskuläre Erkrankung, aber mit asymptomatischer pAVK sicher und signifikant mit einer Reduktion von MACE und Gesamtmortalität assoziiert. Dr. Rafel Ramos und Kollegen
 

„Die Statintherapie war bei Teilnehmern ohne kardiovaskuläre Erkrankung, aber mit asymptomatischer pAVK sicher und signifikant mit einer Reduktion von MACE und Gesamtmortalität assoziiert“, schreiben die Autoren. „Die absolute Risikoreduktion entspricht der, die man in der Sekundärprävention erreicht. Diese Ergebnisse sprechen dafür, bei asymptomatischen Patienten eine Statinindikation zu stellen, wenn der ABI ≤ 0,95 ist, auch ohne weitere kardiovaskuläre Risikobewertung. Dies muss nun in prospektiven randomisiert-kontrollierten Studien geklärt werden.“

Derer bewertet die Ergebnisse jedoch zurückhaltender: „Die Analyse ist gut geeignet, um für die Bedeutung des Cholesterins als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen zu sensibilisieren. Sie zeigt außerdem, dass man durch die Messung des ABI – eine einfache Screening-Methode – die Indikation für eine Statinbehandlung stellen kann, aber nicht mit dem verwendeten ABI-Grenzwert“, betont er. 

 

REFERENZEN:

1. Ramos R, et al: J Am Coll Cardiol. 2016;67(6):630-640

 

Kommentar

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