Zika bei Neugeborenen: Die wichtigsten Fragen und Antworten für Ärzte

Laurie Scudder, DNP, PNP

Interessenkonflikte

17. Februar 2016

Beurteilung von Neugeborenen mit Zikavirus-Exposition

Welche Neugeborenen sollten auf eine Infektion mit dem Zikavirus getestet werden?

Tests auf eine Infektion durch das Zikavirus werden bei Kindern empfohlen, deren Mütter während der Schwangerschaft in einem Gebiet aktueller Zikavirus-Übertragung reisten oder wohnten, und 1.) bei denen Mikrozephalie oder intrakranielle Verkalkungen pränatal erkannt oder bei der Geburt diagnostiziert wurden, oder 2) deren Mütter positive oder nicht eindeutige Testergebnisse für Zikavirus-Infektion zeigen.

Wie wird eine Zikavirus-Infektion bei Kindern diagnostiziert?

Eine Zikavirus-Infektion kann durch eine Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) im Serum des Säuglings nachgewiesen werden. Serologische Methoden können auch zum Nachweis der spezifischen IgM des Zikavirus und neutralisierender Antikörper verwendet werden. Da aber bislang nicht festgestellt worden ist, welcher Test für die Diagnose bei Säuglingen am zuverlässigsten ist, sollten sowohl RT-PCR und IgM-Tests durchgeführt werden. Neutralisationstests (NT) können auch hilfreich sein, um virusspezifische neutralisierende Antikörper zu messen und diese von anderen Flaviviren zu unterscheiden.

Wenn eine Untersuchung auf das Zikavirus bei einem Neugeborenen indiziert ist, wie wird der Test bestellt?

Es gibt keine kommerziell erhältlichen Tests auf das Zikavirus. Für die USA gilt: Sie werden im Arbovirus Diagnostic Laboratory der CDC und bei einigen staatlichen und territorialen Gesundheitsämtern durchgeführt. Gesundheitsdienstleister sollten sich an ihr staatliches und örtliches Gesundheitsamt wenden, wenn ein Test durchgeführt werden soll. Auf der Website der CDC finden Sie weitere Informationen darüber, wie Sie Zikavirus-Tests erhalten.

Welche Proben sind zu entnehmen, wenn ein Zikavirus-Test indiziert ist?

Eine RT-PCR zum Zikavirus und serologische Methoden können im Serum des Säuglings oder in aus der Nabelschnur gewonnenem Serum oder Plasma durchgeführt werden. Wenn Proben aus der Rückenmarksflüssigkeit (cerebrospinal fluid, CSF) zur Verfügung stehen, sollte eine RT-PCR auf das Zikavirus durchgeführt werden. Jedoch sollten die CSF-Proben nicht alleine für den Test auf das Zikavirus gewonnen werden. Andere Proben, die getestet werden können, umfassen die Plazenta und die Nabelschnur. Histopathologische Untersuchung und immunhistochemische Färbung können durchgeführt werden. Eine RT-PCR zum Zikavirus auf fixiertem und gefrorenem Gewebe sollten ebenfalls in Betracht kommen.

Sollten Ärzte Säuglinge mit positiven oder nicht eindeutigen Zikavirus-Testergebnissen melden?

Für Deutschland wie auch für die USA gilt: Medizinisches Fachpersonal sollte positive oder unklare Ergebnisse dem staatlichen oder territorialen Gesundheitsamt melden. Als arbovirale Erkrankung ist die Zikavirus-Infektion, ebenso wie auch das Denguefieber, in Deutschland meldepflichtig [2].

Wie sollten Ärzte Säuglinge mit positiven oder nicht eindeutigen Zikavirus-Testergebnissen bewerten?

Eine gründliche körperliche Untersuchung sollte durchgeführt werden, die auch eine sorgfältige Messung von Kopfumfang, Länge und Gewicht sowie eine Beurteilung der Schwangerschaftsdauer umfasst. Ein kranielles Ultraschall wird empfohlen, sofern es nicht als Teil des pränatalen Screenings im dritten Trimester bereits durchgeführt wurde und dabei definitiv keine Auffälligkeiten des Gehirns zeigte. Eine ophthalmologische Bewertung ebenso wie ein wiederholtes Hörscreening im Alter von sechs Monaten werden empfohlen. Eine fortgesetzte Bewertung der Entwicklungsmerkmale und Meilensteine wie des Kopfumfangs wird durch das erste Lebensjahr hindurch empfohlen.

Wenn eine Mutter während der Schwangerschaft an einer Zikavirus-Infektion erkrankte, aber die Tests auf das Zikavirus beim Neugeborenen negativ ausfielen, welche zusätzlichen Folgeuntersuchungen werden empfohlen?

Wenn das Neugeborene bei der Untersuchung auffällige Befunde nicht vorweist, sollte das Kind die übliche pädiatrische Versorgung erhalten wie die Messung des Wachstums und der Entwicklung sowie angemessene Bewertung und Folgeuntersuchungen für alle sich ergebenden klinischen Befunde. Wenn das Neugeborene auffällige Befunde bei der Untersuchung aufweist, sollten diagnostische Untersuchungen auf andere Ursachen für die Erkrankung des Neugeborenen stattfinden, auch auf andere angeborene Virusinfektionen, sofern eine Indikation besteht.

Wenn eine Mutter während der Schwangerschaft mit dem Zikavirus infiziert war, sollte sie ihr Kind dann stillen?

Obwohl die RNA des Zikavirus in Muttermilch nachgewiesen wurde, ist die Übertragung von Zika durch das Stillen nicht dokumentiert. Auf Grundlage der verfügbaren Erkenntnisse überwiegen die Vorteile des Stillens für Säuglinge jedes theoretische Risiko im Zusammenhang mit einer Zikavirus-Infektion.

 

REFERENZEN:

1. Staples JE, et al: Morb Mortal Wkly Rep. 2016

2. Bundesgesundheitsministerium: Informationen zum Zika-Virus. 10. Februar 2016.

 

Kommentar

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