Zika-Virus: Erreger scheint stark neurotrop – erster Nachweis im Hirn und Augenschäden bei Feten

Inge Brinkmann

Interessenkonflikte

11. Februar 2016

Zika-Virus schädigt auch die Augen der Kinder

Auch die Augen von Kindern mit  Mikrozephalie sollten von Ärzten spezielle Aufmerksamkeit erhalten. Denn in  einer weiteren aktuellen Veröffentlichung im JAMA Ophthalmology berichten Dr. Bruno de Paula Freitas vom Roberto Santos General Hospital in Salvador, Brasilien, und seine Kollegen von  regelmäßig auftretenden Visus-Beeinträchtigungen bei Kindern, die in Brasilien  mit den Fehlbildungen geboren wurden [2].

So stellten sie bei 10 von 29  untersuchten Kindern (34,5%) – bzw. bei insgesamt 17 einzelnen Augen –  Anomalien fest. 7 der 10 Kinder wiesen bilaterale Augenschädigungen auf,  zumeist in Form fokaler Pigmentierungen der Retina oder chorioretinaler  Atrophien (11 von 17 Augen; 65,7%). Außerdem war der Sehnerv bei 8 Augen  geschädigt (47,1%).

„Die aktuell beschriebenen Augenschädigungen hängen  vermutlich mit dem Zika-Virus zusammen“, schreiben die Ophthalmologen Prof. Dr. Lee M. Jampol und Prof. Dr. Debra A. Goldstein von der  Northwestern University in Chicago in einem begleitenden Kommentar [3].  Tatsächlich wurden ähnliche Beeinträchtigungen auch schon beim West-Nil-Virus, einem Verwandten des Zika-Virus, beschrieben. Jampol und Goldstein  raten deshalb, alle Mikrozephalie-Kinder in Zika-Ausbruch-Gebieten  augenärztlich zu untersuchen.

 
Die aktuell beschriebenen Augenschädigungen hängen vermutlich mit dem Zika-Virus zusammen. Prof. Dr. Lee M. Jampol und Prof. Dr. Debra A. Goldstein
 

Allerdings weisen auch sie  explizit darauf hin, dass es sich derzeit noch um einen vermuteten Zusammenhang  handelt – genau wie die Mikrozephalie selbst auch immer noch andere, z.B.  genetische oder metabolische Ursachen haben oder durch Drogenkonsum, perinatale  Hypoxien oder weitere Infektionen hervorgerufen werden könnte.

Der Eindruck eines  Zusammenhangs zwischen Zika-Virus und fetalen Fehlbildungen verdichtet sich  jedoch auch mit dieser Veröffentlichung. Immerhin konnten sich 23 der 29 Mütter  an typische Symptome einer Zika-Virus-Infektion in der Schwangerschaft  erinnern; bei 18 Frauen traten Hautausschläge, Fieber, Gelenk- und  Kopfschmerzen oder Juckreiz im ersten Trimester der Schwangerschaft auf.

 

REFERENZEN:

1. Mlakar J,  et al: NEJM (online) 10. Februar 2016

2. de Paula Freitas B, et al: JAMA Ophthalmol. (online) 9. Februar 2016

3. Jampol LM und Goldstein DA: JAMA Ophthalmol. (online) 9. Februar 2016

 

Kommentar

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