Kolorektalkarzinom häufig schon bei unter 50-Jährigen – benötigen wir ein früheres Screening?

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

9. Februar 2016

Einer von 7 Patienten mit einem Kolorektalkarzinom erkrankt vor Erreichen des 50. Lebensjahres. Diese jüngeren Patienten werden normalerweise nicht gescreent, daher wird die Erkrankung häufiger in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert als bei Älteren.

Jüngere Patienten werden jedoch eher aggressiver behandelt und leben länger ohne erneute Krankheitsprogression als Ältere. Dies hat eine retrospektive Kohortenanalyse ergeben, die eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Samantha Hendren, Abteilung für Kolorektalchirurgie, Universität von Michigan, Ann Arbor,USA, Ende Januar 2016 in Cancer publiziert hat [1]. „Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, ob das Screening auf Darmkrebs nicht bereits in einem jüngeren Lebensalter beginnen sollte“, so Hendren gegenüber Medscape Medical News.

Unabhängig von Änderungen beim Screening hätten die Ergebnisse das Potential, die klinische Praxis zu verändern, denn die Ergebnisse „erhöhen die Aufmerksamkeit von Patienten und Ärzten gegenüber der steigenden Zahl von Patienten im Alter unter 50 Jahren, die ein Kolorektalkarzinom entwickeln“, so die Wissenschaftlerin.

 
Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, ob das Screening auf Darmkrebs nicht bereits in einem jüngeren Lebensalter beginnen sollte. Prof. Dr. Samantha Hendren und Kollegen
 

Das Kolorektalkarzinom wird derzeit primär als Erkrankung des älteren Menschen angesehen, dieses Paradigma scheint sich aber zu ändern. Zunehmend wird die Erkrankung bei Personen im Alter unter 50 Jahren diagnostiziert, wenn entsprechende Symptome auftreten.

SEER-Datenbank als Grundlage

In einer populationsbasierten, retrospektiven Studie untersuchten Hendren und ihre Kollegen mit Hilfe der Datenbank Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER), wie häufig jüngere Personen an Darmkrebs erkranken und ob sich das Erkrankungsstadium bei Diagnose, die Therapie und das Erkrankungs-spezifische Überleben zwischen älteren und jüngeren Patienten unterscheiden.

Ihre Ergebnisse: In den USA wurde zwischen 1998 und 2011 bei 258.024 Personen ein Kolorektalkarzinom diagnostiziert. Davon waren fast 15%, nämlich 37.847 Patienten jünger als 50 Jahre alt (Durchschnittsalter 42,5 ± 6,0 Jahre). Im Vergleich zu den älteren Personen waren bei den jüngeren Patienten eine regionale Erkrankung (mit Lymphknotenmetastasen in der Umgebung des Primärtumors) sowie distante Metastasen signifikant häufiger als ein lokaler Befund.

Bei jüngeren Patienten mit distanten Metastasen wurde der Primärtumor eher operiert (72%) als bei älteren (63%). Zudem wurden jüngere Patienten häufiger bestrahlt als ältere (53 vs 48%). Obwohl sich die Erkrankung der jüngeren Patienten bei Diagnosestellung häufiger schon in einem fortgeschrittenen Stadium befand, lebten sie länger ohne erneute Progression des Karzinoms als ältere Patienten. Das Krebs-spezifische Überleben betrug bei den jüngeren Patienten nach 5 Jahren im Vergleich zu den älteren

  • bei lokalisierter Erkrankung 95,1% versus 91,9%

  • bei regionaler Erkrankung 76% versus 70,3%

  • bei distanten Metastasen 21,3% versus 14,4%

Bei Risikofaktoren auch jüngere Personen screenen

 
Diese Studie ist ein Weckruf für die Medizin in Bezug auf die zunehmende Prävalenz des Kolorektalkarzinoms bei jungen Patienten. Prof. Dr. Samantha Hendren und Kollegen
 

Hendren und ihre Kollegen sind der Ansicht, dass bei Personen mit positiver Familienanamnese und anderen Risikofaktoren das Screening auf ein Kolorektalkarzinom schon vor dem 50. Lebensjahr beginnen sollte. Dies werde zwar derzeit schon empfohlen, aber viele Ärzte würden sich nicht daran halten.

„Diese Studie ist ein Weckruf für die Medizin in Bezug auf die zunehmende Prävalenz des Kolorektalkarzinoms bei jungen Patienten. Wir müssen die derzeit übliche Verzögerung der Diagnose bei jungen Patienten mit Warnsymptomen wie Änderungen der Darmfunktion oder Blut im Stuhl, das nicht von einer gutartigen anorektalen Veränderung stammt, vermeiden“, so die Autorengruppe.

 

REFERENZEN:

1. Abdelsattar ZM, et al: Cancer (online) 25. Januar 2016

 

Kommentar

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