Zika-Virus in Deutschland: Das Auswärtige Amt rät Reiserückkehrern zu Kondomen

Inge Brinkmann

Interessenkonflikte

8. Februar 2016

„Zika ist nicht Ebola“, hatte Dr. Marcos Espinal, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) anlässlich des Treffens des WHO Executive Boards am 28. Januar in Genf klargemacht. Damit meinte er vor allem, dass das Zika-Virus – anders als Ebola – zur Übertragung einen Vektor braucht, sprich die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Regionen wie Deutschland, in denen die Stechmücke nicht heimisch ist, hätten dementsprechend wenig zu befürchten.

Nun aber sind am vergangenen Donnerstag von brasilianischen Gesundheitsbehörden die ersten 2 Fälle einer Zika-Virus-Übertragung durch Bluttransfusionen gemeldet worden und in Dallas, Texas, bestätigte sich ein (weiterer) Fall einer sexuellen Ansteckung. Die WHO warnt nun alle Länder vor Blutspenden von Reiserückkehrern und das Auswärtige Amt empfiehlt den Rückkehrern aus betroffenen Regionen den Gebrauch von Kondomen. In Deutschland wird zudem eine Meldepflicht für Arboviren eingeführt.

Keine Blutspenden von Reiserückkehrern

Zumindest in einem brasilianischen Fall gilt die Virus-Übertragung durch Bluttransfusion als erwiesen, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag berichtete. So erklärte Marcelo Addas Carvalho, Direktor des Blutzentrums der Sao Paulo State University of Campinas, gegenüber der Agentur, dass ein Gentest den Ansteckungsweg bestätigt habe.

In einem weiteren Fall aus Brasilien stehe der genetische Nachweis noch aus. Der besagte Patient habe jedoch nach einer Schussverletzung mehrere Bluttransfusionen erhalten, unter anderem von einem infizierten Spender, sagte Carvalho. Dass das Virus über Mückenstiche übertragen worden sei, erscheine aufgrund des mehrmonatigen Aufenthalts des Patienten auf der Intensivstation eines Krankenhauses als unwahrscheinlich.

Noch am selben Tag empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegenüber der Nachrichtenagentur AFP allen Ländern, „wegen des Risikos neuer Zika-Virus-Infektionen in vielen Ländern und des potentiellen Zusammenhangs zwischen einer Zika-Virus-Infektion und Mikrozephalie sowie anderen klinischen Konsequenzen“ auf Blutspenden von Reiserückkehrern aus Epidemiegebieten zu verzichten.

Sechs Fälle in Deutschland nachgewiesen

Auch nach Deutschland hat das Virus seinen Weg bereits gefunden: Seit Herbst 2015 sind hierzulande 6 Zika-Fälle bei Reiserückkehrern festgestellt worden. Da nun der Karneval in Rio de Janeiro und die Olympischen Sommerspiele in Brasilien vor der Tür stehen und sich vermutlich auch viele Deutsche diese Ereignisse nicht entgehen lassen werden, könnten die Fallzahlen zukünftig steigen.

In einem aktuellen „Merkblatt für Beschäftigte und Reisende“ listet das Auswärtige Amt die typischen Anzeichen einer Infektion (Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, eine Entzündung der Augenbindehaut sowie seltener Muskel- bzw. Kopfschmerzen und Erbrechen) auf. Der Hautausschlag halte im Mittel 6 Tage an, andere Symptome gingen früher zurück.

Die Diagnose der frischen Infektion gelingt durch Nachweis der viralen RNA im Blut: „Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist dieser zuverlässige Nachweis allerdings nur in den ersten Erkrankungstagen regelmäßig möglich, etwas länger offenbar im Urin“, so Prof. Dr. Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie (GfV) vom Universitätsklinikum Ulm in einer aktuellen Pressemitteilung.

Außerdem kann dieser Nachweis des Virus-Erbguts derzeit nur in spezialisierten Laboratorien erfolgen. Zwar steht seit kurzem ein Testsystem zur Verfügung, um Zika-spezifische Antikörper aufzuspüren, die auch nach Beendigung der Infektion lange im Blut zirkulieren und zum Nachweis einer zuvor durchgemachten Infektion dienen könnten. „Dieses neue System ist aber noch nicht abschließend evaluiert und erlaubt noch keine sichere Diagnose“, so Mertens.

„Eine sexuelle Übertragbarkeit erscheint nicht ausgeschlossen“

Im Allgemeinen verlaufen Infektionen mit dem Zika-Virus mild und zu 70 bis 80% asymptomatisch – viele Infektionsfälle werden dadurch vermutlich unentdeckt bleiben. Eine Gefahr könnten die Virusträger aber trotzdem darstellen. Dies zeigt auch der am Dienstag vom Dallas County Health and Human Services (DCHHS) veröffentlichte Fall einer bestätigten sexuellen Virus-Übertragung in den Vereinigten Staaten.

„Eine sexuelle Übertragbarkeit erscheint nicht ausgeschlossen“, heißt es nun ebenfalls in dem Merkblatt des Auswärtigen Amtes. Deshalb stelle der Gebrauch von Kondomen bis 28 Tage nach einer möglichen Exposition bis zur wissenschaftlichen Klärung eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme dar.

Diesem Ratschlag schließen sich auch die GfV-Experten an. Prof. Dr. Susanne Modrow, vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Regensburg sagt: „Reiserückkehrer aus Endemiegebieten, bei denen eine akute Zika-Virus-Infektion nicht ausgeschlossen werden kann, können sicherheitshalber für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen Kondome verwenden – egal ob beim Partner eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht.“ Studien dazu, wie lange das Virus im Blut und im Sperma verweilen kann, lägen jedoch bisher nicht vor.

Meldepflicht für Arboviren

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erklärte derweil: „Eine Übertragung in Deutschland halten die Experten für sehr unwahrscheinlich, aber wir bleiben wachsam. Damit einzelne Infektionen in Deutschland, etwa bei Reiserückkehrern, besser überwacht werden können, habe ich bereits in der letzten Woche die Einführung einer Meldepflicht für Arboviren, z.B. Zika-Virus und Dengue-Fieber, auf den Weg gebracht. Dadurch erhalten die Gesundheitsämter vor Ort die notwendigen Informationen, um im Bedarfsfall entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Damit liegen wir ganz auf der Linie der WHO.“

 

Kommentar

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