Von Rinderzüchtern und „Big Soda“ beeinflusst? An den neuen US Ernährungs-Leitlinien scheiden sich die Geister

Veronica Hackethal, MD

Interessenkonflikte

4. Februar 2016

Eine „verpasste Gelegenheit zur Krankheitsprävention“

Dr. Richard Wender von der American Cancer Society kritisierte bei der Veröffentlichung der Leitlinien, dass „durch die Vermeidung spezifischer Ernährungs-Empfehlungen wie die Reduktion von rotem und verarbeitetem Fleisch die Leitlinien eine entscheidende und signifikante Gelegenheit verpassen, Leiden und Tod durch Krebs zu reduzieren“.

Ein Mitglied des 2015er DGAC, Dr. Frank B. Hu, Harvard T.H. Chan School of Public Health, spricht davon, dass wichtige Empfehlungen des DGAC – wie die über die Reduktion von rotem und verarbeitetem Fleisch sowie gesüßten Getränken – „verwässert wurden“ im Vergleich zum ursprünglichen Bericht.

Im Gepräch mit Medscape Medical News stimmt Pamela A. Koch, Editorial Director vom Teachers College an der Columbia University, voll und ganz zu: „Die Art und Weise, wie die Ernährungs-Leitlinien geschrieben sind, ist meiner Überzeugung nach nicht klar. Ich wünschte, sie wären hinsichtlich dessen, welche Lebensmittel nicht gegessen werden sollten, spezifischer gewesen. Zuckergesüßte Getränke hätten rausgenommen werden müssen – aber ich denke, sie wollten bei der Industrie nicht anecken“, fügt sie hinzu.

Nachhaltigkeitskriterien auf Druck der Industrie ausgeschlossen

Zuckergesüßte Getränke hätten rausgenommen werden müssen – aber ich denke, sie wollten bei der Industrie nicht anecken. Pamela A. Koch

Hu betont außerdem online,dass die umweltpolitische Nachhaltigkeit, ein „wichtiges Thema“ des DGAC-Berichts, „aufgrund des Drucks durch den Kongress und die Fleischindustrie unglücklicherweise als nicht zum Rahmen der Nahrungsempfehlungen für Amerikaner durch die ASDA gehörig definiert wurde“.

Die Entscheidung, Nachhaltigkeit als Kriterium auszuschließen, war laut Koch definitiv politisch motiviert. „Die Entscheidung, Nachhaltigkeit nicht einzuschließen (…) war, seit der Bericht vor einem Jahr erschienen ist, durch den Druck aus der Industrie zustande gekommen, die sagte: ‚Schließt das nicht ein.‘, enthüllt sie.

Bevölkerung zu divers für spezifische Empfehlungen?

Ich frage mich, ob die Kritik wohl durchdacht ist, und ob jeder die gesamte Dokumentation durchgelesen hat. Die Leitlinien sind überall spezifisch. Prof. Dr. Alice H. Lichtenstein

Auf der anderen Seite entgegnet Prof. Dr. Alice H. Lichtenstein von der Tuft´s University in Boston und Vice-Chair der DGAC, dass sie nicht versteht, wie einige Leute behaupten können, dass die Leitlinien nicht präzise genug seien. „Ich frage mich, ob die Kritik wohl durchdacht ist und ob jeder die gesamte Dokumentation durchgelesen hat. Die Leitlinien sind überall spezifisch. Sie sagen spezifisch: Reduziert Nahrungsmittel und Getränke mit Zuckerzusatz.“

Außerdem sind für Lichtenstein Finetuning und Kritik an kleinen Details nicht die Hauptsache. „Der Schwerpunkt liegt in der Erkenntnis, dass die gesamte Ernährung wichtig ist“, betont sie.

„Für Ernährungsrichtlinien, die die öffentliche Gesundheit im Blick haben und auf eine derartig diverse Bevölkerung in Hinblick auf chronische Krankheitsrisiken, Alter und Gewicht ausgerichtet sind, ist es angemessen, relativ allgemein zu bleiben. Es ist nicht wirklich praktikabel, in Richtlinien für eine gesamte Population auf spezifische Details einzugehen, besonders auf individuelle Ernährung.“

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....