Grünzeug schützt die Augen: Nitrat aus Mangold, Spinat und Co senkt die Glaukominzidenz

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

22. Januar 2016

Nitratreiche Kost, speziell der Verzehr von grünem Blattgemüse, scheint einen Einfluss auf die Inzidenz von Glaukomen zu haben. In einer prospektiven Analyse hatten Studienteilnehmer mit der höchsten Nitratzufuhr über die Nahrung ein um rund 20% geringeres Glaukomrisiko als diejenigen, die am wenigsten nitratreich aßen [1].

PD Dr. Verena Prokosch-Willing

„Diese Studienergebnisse stehen im Einklang mit dem bereits bekannten Effekt von Nitrat und insbesondere dessen Abkömmling NO, in experimentellen Modellen die Durchblutung zu verbessern“, sagt die Augenärztin PD Dr. Verena Prokosch-Willing von der Universitätsaugenklinik Mainz im Gespräch mit Medscape Deutschland. Dass sich mit Nitrat die Durchblutung am Sehnerv verbessern lässt, ist aus Tierversuchen bekannt.

„Als Hauptrisikofaktor für Glaukome gilt eine Erhöhung des Augeninnendruckes. Doch seit einigen Jahren weiß man, dass es auch Glaukome mit normalem Augeninnendruck (Normaldruckglaukome) gibt. Als weiterer entscheidender Faktor wurde eine Durchblutungsstörung am Sehnerv identifiziert. Durch die mangelnde Durchblutung atrophieren die Nervenzellen, deren Aufgabe es ist, Sehinformationen an das Gehirn weiterzuleiten. Die Folge sind die für das Glaukom charakteristischen Gesichtsfelddefekte“, erklärt Prokosch.

Daten von mehr als 100.000 Personen

Erstautorin Dr. Jae H. Kang und ihre Kollegen untersuchten, ob es eine Assoziation zwischen der Nitratzufuhr über die Nahrung, speziell aus grünem Blattgemüse (Eisbergsalat, Römersalat, Grünkohl, Mangold, Spinat) und der Entstehung von primären Offenwinkelglaukomen (POWG) – der mit 90% häufigsten Form des Glaukoms – gibt.

Die Wissenschaftler vom Brigham & Women’s Hospital und der Harvard Medical School in Boston nutzten dazu die prospektiven Kohorten der Nurses' Health Study (63.893 Frauen; 1984–2012) und der Health Professionals Follow-up Study (41.094 Männer; 1986–2012), deren Essverhalten über Jahre hinweg durch Fragebögen erhoben wurde. Einschlusskriterien waren ein Alter von mindestens 40 Jahren, kein POWG zu Studienbeginn und ein Bericht über eine augenärztliche Untersuchung.

1.483 Teilnehmer entwickelten während der Nachbeobachtung ein POWG, im Schnitt im Alter von 67 Jahren. Auf Grundlage der alimentären Nitratzufuhr wurden die Teilnehmer in Quintile eingeteilt, wobei die Teilnehmer im höchsten Quintil circa 240 mg Nitrat am Tag zu sich nahmen und die Teilnehmer im niedrigsten Quintil circa 80 mg am Tag.

Hohe Nitrataufnahme – 21 Prozent niedrigeres Glaukom-Risiko

Die Auswertung der Daten ergab für die Studienteilnehmer im höchsten Quintil der Nitratzufuhr ein um 21% niedrigeres POWG-Risiko als für diejenigen im niedrigsten Quintil. Besonders stark war die Assoziation zwischen Nitratzufuhr und Glaukomrisiko bei POWG mit frühem parazentralem Gesichtsfeldverlust, einer Form des POWG, welches mit einer Störung der Autoregulation der Durchblutung verbunden ist. Die Teilnehmer, die am nitratreichsten aßen, hatten ein um 44% niedrigeres Risiko für diese Form des POWG.

 
Die Erkenntnis, dass Nitrat aus der Nahrung, eine exogene Quelle für NO, mit einem verringerten POWG-Risiko assoziiert ist, könnte bedeutende Public-Health-Auswirkungen haben. Dr. Jae H. Kang und Kollegen
 

„Anders als die Art des Gesichtsfeldverlustes (früh und parazentral oder nur peripher) hatte der Augeninnendruck (≥ 22 oder < 22 mmHg) keinen Einfluss auf die Assoziationsstärke“, schreiben Kang und ihre Koautoren.

Mehr als 50% des Nitrats nahmen die Studienteilnehmer über grünes Blattgemüse auf. Teilnehmer, die 1,45 Portionen grünes Blattgemüse am Tag verzehrten, hatten ein um 18% geringeres POWG-Risiko sowie ein um 48% niedrigeres Risiko für POWG mit frühem parazentralem Gesichtsfeldverlust als Teilnehmer, die im Schnitt nur 0,31 Portionen am Tag aßen.

Die Autoren untersuchten auch andere Gemüsegruppen (Kreuzblütlergemüse wie Kohl, Wurzelgemüse, Nahrungsmittel auf Tomatenbasis) auf mögliche Assoziationen mit dem Glaukomrisiko. Eine leichte Assoziation fand sich nur beim Wurzelgemüse und dies auch nur bei Männern.

„Die Erkenntnis, dass Nitrat aus der Nahrung, eine exogene Quelle für NO, mit einem verringerten POWG-Risiko assoziiert ist, könnte bedeutende Public-Health-Auswirkungen haben – wenn sich die Assoziation in Beobachtungs- und Interventionsstudien bestätigen sollte, schlussfolgern Kang und ihre Kollegen.

 

REFERENZEN:

1. Kang JH, et al: JAMA Ophthalmol (online) 14. Januar 2016

 

Kommentar

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