Fallgeschichte: Woher kommt der Ausschlag am Hodensack bei diesem 77-Jährigen?

Winston W. Tan, MD, Michael M. Soberano, DO, A. Toledo, DO, M.C. Tan

Interessenkonflikte

18. Januar 2016

In diesem Artikel

Eine Untersuchung ergab, dass 2369 von 81618 Personen mit soliden Malignomen der Baucheingeweide Hautmetastasen entwickelt hatten, was einem Anteil von 2,9 % entspricht[9]. Primär urologische Malignome von Hoden, Prostata, Blase oder Nieren fanden sich bei 116 von 10417 Fällen (1,3 %). Die Inzidenz der Hautmetastasen aus Hoden, Prostata, Blase oder Nieren betrug 0,4 %, 0,36 %, 0,84 % bzw. 3,4 %. Insgesamt wurden 436 Fälle von Hautmetastasierungen von urologischen Primärtumoren dokumentiert. Am häufigsten manifestierten sie sich als infiltrierte Plaques oder Knoten. Häufig ähneln die klinischen Merkmale anderen Hauterkrankungen. Vom Zeitpunkt der Diagnose an beträgt die mittlere Lebenserwartung in diesen Fällen weniger als 6 Monate.

Hautmetastasen im Zusammenhang mit einem Prostatakarzinom sind äußerst selten. In einem Review der Pathologie des UCLA Hospitals wiesen ganze 2 von 136 017 chirurgisch oder post mortem gewonnener Proben diesen Befund auf[4]. Ein anderes Review gab einen Wert von 0,3 % für die Haut als Metastasierungsort eines Prostatakarzinoms an[5]. Die Läsionen zeigen sich oftmals als solide Knoten, die nur selten ulzerieren. Gelegentlich bilden sie auch einzelne rote Makula oder Papeln, die gewöhnlich suprapubisch und am vorderen Oberschenkel lokalisiert sind. Hautmetastasen sprechen häufig für ein fortgeschrittenes Erkrankungsstadium und eine schlechte Prognose (die meisten Patienten versterben innerhalb von 6 Monaten). Die immunhistochemische PSA-Färbung bestätigt den Ursprung der Metastasen in der Prostata.

Bei diesem Patienten entwickelten sich die Hautmetastasen 14 Jahre nach der Erstdiagnose des Prostatakarzinoms. Die Identifizierung einer Hautmetastase im Rahmen der Differenzialdiagnostik einer Hautläsion bei Patienten mit einer solchen Anamnese hat sowohl diagnostische als auch prognostische Bedeutung.

Für Fälle, in denen Leuprorelin nicht mehr wirkt, stehen inzwischen einige neue Substanzen beim metastasierten Prostatakarzinom zur Verfügung, wie etwa Docetaxel, Sipuleucel-T, Abirateron, Prednison und Enzalutamid. Alle Substanzen sind auch in Deutschland zugelassen, da sie das Überleben um durchschnittlich 4–6 Monate verlängern[10]. Hierzulande ist das Prostatakarzinom immer noch das häufigste Malignom des Mannes und nach dem Lungen- und dem Dickdarmkarzinom die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Die Mortalitäten stehen oft in Zusammenhang mit der Metastasierung eines Karzinoms. Beim Prostatakarzinom ist normalerweise der Knochen betroffen und nur selten die Haut. Obwohl Anamnese, Untersuchung, Labortests und die normale pathologische Untersuchung die Prostata als Ursprung einer Metastasierung nahelegen, wird die Diagnose letztlich oft erst durch die immunhistochemische PSA-Färbung gesichert.

Kommentar

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