Fallgeschichte: Woher kommt der Ausschlag am Hodensack bei diesem 77-Jährigen?

Winston W. Tan, MD, Michael M. Soberano, DO, A. Toledo, DO, M.C. Tan

Interessenkonflikte

18. Januar 2016

In diesem Artikel

Anmerkung der Redaktion :

In unserer Reihe „Der schwierige Fall“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen knifflige diagnostische Rätsel vor. Manche dieser Fälle stellen seltene Erkrankungen dar, die dennoch einer sorgfältigen Diagnostik bedürfen. Prüfen Sie ihr diagnostisches und therapeutisches Wissen anhand der folgenden Fallgeschichte und der damit verbundenen Fragen. Sollten Sie selbst einen solchen interessanten Fall vorstellen möchten, wenden Sie sich damit gerne an unsere Redaktion.

Ein 77-jähriger Mann mit bekanntem Prostatakarzinom stellte sich aufgrund eines Ausschlages am Hodensack vor (s. Abb. 1). Über 10 Jahre zuvor waren bei ihm erhöhte PSA-Werte festgestellt worden (15 ng/dl). Bei der anschließenden Biopsie fand sich ein Adenokarzinom der Prostata mit hochgradiger intraepithelialer Neoplasie. Die Prostata wurde radikal entfernt. Der abschließende pathologische Befund ergab einen Gleason-Score von 4 + 4 = 8. Der Tumor war innerhalb der Kapsel begrenzt gewesen. Die Samenbläschen waren nicht betroffen und die Ränder waren frei, sodass der Tumor als T2NxMx eingestuft worden war.

Über 10 Jahre waren keine PSA-Werte bei dem Patienten nachweisbar gewesen und es hatte keinen Hinweis auf eine derartige Erkrankung gegeben. Als der PSA-Wert auf 25 ng/dl anstieg, wurde eine Behandlung mit Leuprorelin (z.B. Enantone) eingeleitet. Der PSA-Wert war daraufhin wieder nicht bestimmbar. Danach setzte eine intermittierende Hormonbehandlung mit Leuprorelin ein, und zwar 22,5 mg alle 3 Monate, wenn der PSA-Wert über 5 ng/dl lag. Vor etwa 2 Jahren entdeckte man Knochenmetastasen in Sternum, Wirbelsäule und Becken. Die Hormonbehandlung wirkte nicht mehr, und aufgrund eines schweren Mitralklappenfehlers stellte sich eine Herzinsuffizienz ein.

Abbildung 1

Er wurde daraufhin wegen der Herzinsuffizienz und auch wegen eines seit 3 Monaten bestehenden erythematösen Hautausschlages am Skrotum an einen Internisten weitergeleitet. Das Erythem war makulopapulös, nicht juckend und auch nicht schmerzhaft. Die Palpation der Hoden war unauffällig. Aufgrund der Anamnese konnte man ein Genitalödem infolge der Herzinsuffizienz vermuten.

Es gab sowohl väter- als auch mütterlicherseits eine familiäre Vorbelastung für Herzinsuffizienz und KHK. Er hatte eine Raucheranamnese mit 30 Packungsjahren und war verheiratet. Aktuell nahm er die folgenden Medikamente ein:

  • • Furosemid: 40 mg/d

  • • Lisinopril: 10 mg/d

  • • Aspirin: 325 mg/d

  • • Kaliumchlorid: 20 mEq/d

  • • Leuprorelin: 30 mg i.m. alle 4 Monate.

Kommentar

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